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Katz / Stodel

Biography of Katharina Katz and Martha Stodel

Katharina Katz
Katharina Katz wurde als Katharina Schloßberger am 26. Januar 1890 in Eichstädt geboren. Über ihre Kindheit und Jugend liegen keine Informationenvor, man weiß nur, dass sie im Alter von 19 Jahren, am 27. Dezember 1909 in Augsburg Meier Katz heiratete.

Meier Katz war fast neun Jahre älter als seine Frau (geb. 27.10.1881) und stammte aus Landenhausen, Bezirksamt Lauterbach. Beide zogen zu einem nicht näher bekannten Datum nach Regensburg, wo Meier Katz die „Maschinen- und Werkzeughandlung Meier Katz“ gründete,die am Haidplatz 7 recht erfolgreich lief.

1913 kam ihre Tochter Martha zur Welt. Das Ehepaar wohnt zu dieser Zeit am Fischmarkt. Später, 1925, zog die Familie in die Dechbettener Str. 44a; das Haus hatte man irgendwann aufgrund der erfolgreichen Geschäftstätigkeit der Firma erwerben können. Im Jahr 1932 arbeiteten in ihr mindestens 11 Angestellte, erfolgten Lieferungen an Material aus ganz Deutschland. Meier Katz und Eduard Apfel waren die beiden persönlich haftenden Gesellschafter. In dieser Zeit erwarb die Familie auch eine weitere Immobilie in der Heitzerstraße 1.

Doch irgendwann um 1930 traten zunehmend wirtschaftliche Probleme für die bisher erfolgreiche Firma auf. Ob diese Schwierigkeiten auf die Weltwirtschaftskrise zurückgingen oder anderen Ursachen entstammte, lässt sich nicht sagen; auf jeden Fall häuften sich die Forderungen von Lieferanten, Behörden und Banken an. 1931 geben nähere und weitere Verwandte noch Darlehen an die Firma, um ihren Zusammenbruch zu verhindern, so auch Ehefrau von Eduard Apfel, Blanca Apfel, und seiner Schwiegermutter Sara Kapp, ebenso aus dem Verwandtenkreis von Meier Katz.

Doch die Bemühungen waren vergebens, Mitte 1931 kommt es zu einem Vergleichsverfahren. Die Forderungen, die dabei gegenüber der Maschinen- und Werkzeughandlung Meier Katz bestehen, beliefen sich auf etwas über 207 000,- RM, eine beträchtliche Summe für diese Zeit. So betrug das jährliche Durchschnittseinkommen im Reich in der ersten Hälfte des Jahres 1931 um die 2 000,- RM.

Ein wesentlicher Teil dieser Forderungen gehörten zu Lieferanten aus ganz Deutschland. Diese hohen Forderungen konnten nicht bedient werden, so dass ein Jahr später der Konkurs angemeldet werden musste. Teilweise ab Februar, dann allen ab April dieses Jahres konnte den Angestellten kein Gehalt oder nur eine Abschlagszahlung ausgehändigt werden. Die von den Behörden anerkannten berechtigten Forderungen beliefen sich nun auf insgesamt 275 300,- RM, die zu 5 % bedient wurden, während darüber hinaus Gehälter und Forderungen der Stadt vollständig beglichen werden mussten (noch einmal 10 500,- RM). Damit verloren die beiden Gesellschafter ihre gesamten Einlagen, die Verwandten den größten Teil ihrer Darlehen. Wohl im Zuge dieses Konkursverfahrens dürfte wohl das Haus in der Dechbettener Str. 44a verkauft worden sein, denn noch im Jahr 1933 zog die Familie in die (damals) Straubinger Straße 12, heute Adolf-Schmetzer-Straße.

Doch war damit das Konkursverfahren noch nicht endgültig beendet, Verhandlungen und Auseinandersetzungen zogen sich mindestens bis 1937 hin. Am 14. September 1938 starb Meier Katz, vermutlich an einem Herzinfarkt.

Damit stand Katharina Katz alleine da, da Tochter
Martha schon 1933 nach Holland emigriert war und Tochter Charlotte nach England, dann Palästina. Ihre gesamte Existenzgrundlage in Regensburg war zusammengebrochen. Bald nach dem Tod ihres Mannes zog sie im Dezember 1938 nach Augsburg, wo sie ab dem 20. unter der Adresse „Bei den Sieben Kindeln 1, I. Stock“ gemeldet war. Da der Hauptmieter dieser Wohnung Sigmund Schloßberger war, hatte sie verwandtschaftliche Beziehungen hierher.

Ende März oder Anfang April 1942 wurde sie ebenso wie alle gleichaltrigen Juden in Augsburg gezwungen, in die sog. „Judensiedlung Milbertshofen“ im Münchner Norden zu ziehen.

Von hier aus ging wenige Tage später, am 4. April 1942 die Deportation nach Piaski – jener Transport, dem auch in Regensburg alle Jüdinnen und Juden unter 65 Jahren zusteigen mussten.

Katharina Katz wurde ermordet.

Martha Stodel
Martha Stodel kam als Martha Katz am 19.1.1913 in Regensburg zur Welt. Ihre Eltern, die Mutter Katharina, geb. Schloßberger (1890), der Vater Meier Katz (1881) waren zu einem nicht genau bekannten Datum nach ihrer Eheschließung am 27.12.1909 nach Regensburg gezogen, wo sie zunächst am Fischmarkt Nr. 1 wohnten. Später, 1925, zog die Familie in die Dechbettener Straße, 1933 schließlich in die damalige Straubinger Straße 12, heute Adolf – Schmetzer – Straße 16.

Die Eltern waren bayerische Staatsbürger. Der Vater besaß als Inhaber eine „Maschinen-, Werkzeug und Metallwarengeschäft“ am Haidplatz 7.

Ende September 1933 verließ Martha Katz Regensburg und zog nach Holland, wo sie zunächst in Bussum, etwa 20 km südöstlich von Den Haag lebte. Aus ihrem weiteren Lebensweg ist davon auszugehen, dass sie, wie viele andere Deutsche jüdischen Glaubens, schon sehr früh das gewalttätige Potential des Nationalsozialismus erkannt hatte und sich dieser Bedrohung entzog.

Eine erste Auswanderungswelle von Juden aus Deutschland setzte unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 ein und dauerte bis etwa 1935. Oft geradezu überstürzt zogen die Menschen in die angrenzenden, vor allem westlichen Nachbarländer und warteten dort auf das vermeintlich baldige Ende des Nationalsozialismus. So auch Martha Katz. Da keine genaueren Zeugnisse für diese ihre Zeit in Holland vorliegen, lediglich einzelne Hinweise, sind präzise Darstellungen ihres Lebens nicht möglich.

Nach ihrem Aufenthalt in Bussum zog sie nach Den Haag selber, wo sie in der Lansbergestraat 54 wohnte, von wo aus sie am 29. Mai 1938 beim Einwohneramt Regensburg einen Auslandsheimatschein beantragte. Sie verweist dabei auf die Anschrift ihres Vaters in der – damals – Straubinger Straße und gibt an, sich zu einer Umschulung in Holland aufzuhalten. Diese Um-schulung solle fortgesetzt werden. Sie sei erreichbar im Israelitischen Waisenheim in der Pletterijstraat 66 in Den Haag.

Dieses Haus, das zu diesem Zeitpunkt kein eigentliches Waisenhaus mehr war, beherbergte zahlreiche Flüchtlinge aus Deutschland, ebenso wie weitere Gebäude in derselben Straße.

Die Anfrage von Martha Katz gab das Einwohnermeldeamt weiter an die Gestapo Regensburg (14.6.1958), die diese Anfrage an die Gestapo in Berlin weiterleitete mit der Ergänzung: „Nachteiliges ist über sie nicht bekannt geworden. Steuerrückstände wurden nicht festgestellt.“ Die Gestapo in Berlin stimmte dem Ansuchen zu, begrenzte die Gültigkeit des Heimatscheins dabei auf ein Jahr. Im September (19.9.1938) ging der Heimatschein an die Deutsche Gesandtschaft in Den Haag weiter, von wo Martha Katz ihn abholte. Ihr Beruf wird für diesen Zeitpunkt als Kontoristin angegeben. Wenige Tage zuvor war ihr Vater in Regensburg gestorben (14.9.1938), vermutlich an einem Herzinfarkt, ohne dass man heute etwas über Vorerkrankungen oder andere Ursachen wüsste.

Ob Martha Katz zu seiner Beisetzung in Regensburg weilte, ist nirgends aufgeführt, doch sind nähere Angaben zu ihrem Leben ohnehin nur kärglich aufzufinden.

Ihre Situation in Holland schien auf jeden Fall sicher zu sein, wie auch für viele andere Flüchtlinge aus Deutschland. So lebten im Jahr 1935 etwa 150 000 Juden in den Niederlanden, etwa 30000 von ihnen aus Deutschland, in Den Haag waren es 17 000 Juden. Seit 1796 waren sie mit den anderen Religionen gleichberechtigt und fast alle vollständig integriert.

In dem Heim in der Pletterijstraat lebte auch Leo Stodel (geb. 1908 in Amsterdam), ein holländischer Jude, der zumindest zeitweise in der Landwirtschaft arbeitete, um sich für die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Beide lernten sich dort kennen und heirateten im Jahr 1939.

Für beide scheint der Beschluss festgestanden zu haben, nach Palästina auszuwandern, was Leo Stodel auch äußerte, und auch Martha, jetzt Stodel, arbeitete im Jahr 1942 als Näherin, was sie als eine praktische Vorbereitung für den Aufenthalt in Palästina gesehen haben dürfte.

Beide sahen sich in dieser Zeit nicht allzu häufig, da Leo als Bauernknecht bei einer Familie Jansen in Hummelo arbeitete, 145 km östlich von Den Haag. Im Frühjahr 1940 hatte er dort angefangen, war von der Familie freundlich aufgenommen worden und war rasch wegen seiner Arbeit anerkannt, auch wenn er wahrscheinlich keinen landwirtschaftlichen Hintergrund mitgebracht hatte.

Groß war das Entsetzen, als am 10. Mai 1940 deutsche Truppen in Holland einmarschierten; er habe in großer Unruhe seine Sachen gepackt, um in den Westen des Landes zu gelangen, wo er sich dem Militär anschließen wollte. Doch musste er desillusioniert umkehren, weil die Straßen gesperrt waren. Noch einige Zeit lebte er auf dem Hof, zog dann aber fort, ohne dass sich der damals 8jährige Sohn des Bauern an das Ziel erinnern konnte.

Offensichtlich gelang es ihm, nach Den Haag zu gelangen, wo er dann zusammen mit seiner Frau in der Pletterijstraat lebte. Bald nach der Besetzung des Landes realisierte das deutsche Reichskommissariat Maßnahmen des Antisemitismus wie im Reich. Im Jahr 1943 wurden beide festgenommen und in das Konzentrationslager Westerbork gebracht.

Nach der Fertigstellung der Vernichtungslager im Generalgouvernement hatten in Holland die Deportation der Juden sehr zügig eingesetzt. Vor allem vom Durchgangslager Westerbork im Osten des Landes gingen die Deportationszüge ab, zunächst ab Juli 1942 nach Auschwitz, vom März bis Juli 1943 nach Sobibor, danach hatten sie wieder Auschwitz als Ziel. Wegen einer Typhusepidemie in Auschwitz waren 1943 die Gaskammern zeitweise außer Betrieb gewesen.

Am 10. März ging ein Transport nach Sobibor, wo beide wenige Tage später, am 13. März, ermordet wurden. Martha Stodel war da 30 Jahre alt, Leo 34.

Etwa 100 000 Holländer jüdischen Glaubens wurden in den deutschen Vernichtungslagern ermordet, und ebenso fast alle aus Deutschland geflohenen Juden. Vielfach fanden die deutschen Behörden bereitwillige Unterstützung in der Bevölkerung, gerade auch bei der Polizei, andererseits gab es aber ebenfalls viele Menschen, die den Verfolgten halfen. Dadurch konnten etwa 10000 Menschen, unter ihnen etwa 3 500 Kinder, überleben.

Aus Den Haag wurden 14 000 deportiert, die NS deklarierten die Stadt zur ersten „judenfreien“ Stadt in Holland.

Marthas ältere Schwester (geb. 1911) Charlotte hatte einen anderen Weg gewählt: deutlich vor 1942 war sie nach England ausgewandert und hatte deshalb den Holocaust überleben können. Sie lebte später in Palästina bzw. Israel.

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