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Frieda Sämann

Biography of Frieda Sämann

Freida Sämann, geborene Firnbacher, lebte in der Orleanstr. 6. Ihr spätere Ehemann Martin Sämann wurde 1894 in Suggenheim geboren. Sie heiratete im Jahr 1922 und zogen von Straubing nach Regensburg. In der Orleansstraße 6 wurden zwei Kinder geboren: Ilse im Jahr 1923, Heinz vier Jahre später.

Martin war, aus einer Viehhändlerfamilie stammend, ebenfalls als Vieh- und
Hopfenhändler tätig. Doch das Familienglück zerbrach allzu schnell
– Martin verstarb an den Folgen einer Giftgasverletzung aus der Zeit al
s Soldat im Ersten Weltkrieg bereits 1929 und ist auf dem Jüdischen Friedhof im Stadtpark beerdigt.

Frieda musste als Witwe für den Lebensunterhalt sorgen. Sie eröffnete zusammen mit Herrn Jordan eine Viehhandlung in der Fröhlichen-Türken-Straße 5. Die Geschäfte am Schlachthof liefen gut, wie Helmut Halter in seinem Standardwerk berichtet. Dies erregte früh Widerwillen – bereits 1934 forderte der örtliche Kreisverband des „Reichsverbandes des nationalen Viehhandels“ ein Zutrittsverbot für den Betrieb Sämann & Jordan. Doch der Bezirkstierarzt Dr. Jakob Kolb, dem der Schlachthof unterstand, wusste dies zu verhindern. Er zog sich auf eine juristische Argumentation
zurück und belegte, dass er keine Handhabe gegen den Betrieb habe. OB Schottenheim stimmte schließlich dieser Sichtweise zu und lehnte zunächst den Antrag des Reichsverbandes ab.

Dennoch gab es auch in folgenden Jahren mehrere Angriffe gegen die jüdischen Viehhändler, die Dr. Kolb erfolgreich abwehren konnte. Im November 1936 gab es weitere Provokationen. Es war eine geplante Aktion, wie sogar die Polizei verm
erkte: 150 vorwiegend aus Nürnberg angereiste Schulungsteilnehmer bedrohten die fünf jüdischen Viehhändler, die sich daraufhin in das Direktionsgebäude des Schlachthofs flüchteten. Dr. Kolb wurde als „Judenknecht“ beschimpft, die
Viehhändler wurden verhaftet und „in Schutzhaft“ genommen. Schottenheim untersagte ihnen den weiteren Zutritt zum Schlachthof.

Tochter Ilse, der 1936 der Besuch des Von-Müller-Gymnasiums verboten wurde, wechselte auf die private Knabenschule Dr. Reck, wo sie viel Schikane erlebte. Doch auch im Wohnhaus in der Orleansstraße 6 herrschten Angst und Unfriede, nachdem ein neuer Nachbar eingezogen war, der dem Regime nahe stand.
Frau Frieda Sämann zog ihre Konsequenzen aus diesen Geschehnissen. Ihr Bruder war bereits nach Palästina ausgewandert, zu ihm nahm sie nun Kontakt auf. Schließlich gelang es ihr im Jahr 1938, ihrer Tochter Ilse die Ausreise zu ermöglichen. Über München ging die Reise nach Triest und schließlich nach Haifa. Es war ein schmerzvoller Abschied. Im folgenden Jahr wurde Frieda Sämann gezwungen, in ein sog. Judenhaus in der Von-der-Tann-Straße umzuziehen. Ab diesem Zeitpunkt bemühte sie sich, Ausreisepapiere auch für ihren Sohn und sich selbst nach Palästin
a zu erhalten. Noch 1941 gelang es ihrem 14-jährigen Sohn Heinz alleine über Frankreich und Spanien in die USA auszuwandern. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.

Am Morgen des 2. April 1942 hatte sich Frieda Sämann mit anderen
auf dem Platz der abgebrannten Synagoge in der Schäffnerstraße einzufinden. Die Deportation nach Piaski, einem polnischen Städtchen unweit von Lublin, ist der letzte sichere Beleg; ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Sie wurde 46 Jahre alt.

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