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Familie Luchtenstein - Kaufhaus Lichtenstein

Biography of Hugo and Hedwig Luchtenstein

Eine geschätzte Adresse in Wurzen war das Kaufhaus Lichtenstein in der Jacobsgasse 8. Wegen seiner großen Auswahl, guten Qualität, den ansprechenden Preisen und nicht zuletzt wegen der freundlichen und angenehmen Atmosphäre kauften die Wurzener gerne hier ein. Der Besitzer und Kaufmann Hugo Luchtenstein war bei seiner Kundschaft und seiner Belegschaft außerordentlich beliebt und in der Stadt ein hoch geachteter Bürger. Er galt als sehr hilfsbereit und wohltätig. Seine Eltern, die einst aus dem Osten Europas nach Wurzen kamen, hatten das Geschäft bereits 1885 gegründet. 1935 wurde das 50jährige Geschäftsjubiläum gefeiert. Mittlerweile waren hier mehr als 20 Angestellte tätig.

Hugo Luchtenstein, 1879 in Ostpreußen geboren, hatte im Ersten Weltkrieg das "Eiserne Kreuz" erhalten, welches, für Jedermannn sichtbar, im Geschäft ausgestellt war und so seine patriotische Einstellung demonstrierte. Er heiratete die 1889 in Strelno (ehem. Provinz Posen) geborene Hedwig Markowitz, eine stets fröhliche und warmherzige Person. Sie bekamen die beiden Söhne Walter (geb. 1917) und Hans (geb. 1921).

1928 baute Hugo Luchtenstein in der Fischerstraße 3 (heutige Heinrich-Heine-Straße 3) eine Stadtvilla und lebte darin einige glückliche Jahre mit seiner Familie. Oft und gern hatte man Verwandte und Freunde zu Gast. Hedwig Luchtenstein arbeitete täglich im Geschäft ihres Mannes als dessen Buchhalterin. Beide Jungen besuchten in Wurzen die Volksschule, danach das Gymnasium.

Sie waren nicht nur beliebte und geachtete Kameraden (der unternehmungslustige Hans hatte den Spitznamen "Luschtscher"), sondern Walter war auch ein sehr guter Schüler und der beste Abiturient des ganzen Gymnasiums. Die Familie war Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. Zum Shabbat bestellten sie beim Bäcker Remmler ein besonderes, siebenfach geflochtenes Brot. Man ging in Leipzig zur Synagoge.

Als die Nazis 1933 die Macht ergriffen, kam das Unheil auch auf die Familie Luchtenstein zu. Mehrere Wochen vor der Progromnacht versuchten SA-Leute vor dem Kaufhaus die Kundschaft einzuschüchtern und sie vom Kauf abzuhalten.

Am 9.November 1938 stürmten Wurzener Nazis mit Fackeln und Eisenstangen durch die Straßen, zerschlugen im Kaufhaus die Fensterscheiben und warfen die Auslagen auf die Gasse. Sie raubten und plünderten das Geschäft aus und zerstörten die Lebensgrundlage der Familie. Damit noch nicht genug - die Luchtensteins mussten alles wieder ins Geschäft tragen und die Scherben beseitigen. Anschließend wurden Hugo und sein ältester Sohn Walter verhaftet und im Schloss eingesperrt. Walter kam ins KZ Sachsenhausen. Er konnte nach seiner Freilassung 1939 nach England emigrieren. Auch Hans folgte seinem Bruder im gleichen Jahr ins Exil.

Hugo und Hedwig Luchtenstein betraten ihr "arisiertes" Geschäft nur noch einmal, um sich von der Belegschaft zu verabschieden. Sie flohen nach Berlin zu Verwandten in die scheinbare Sicherheit, denn trotz allen Unglücks glaubten sie auch weiterhin an Gerechtigkeit. Beide wurden am 18.10.1941 in das damalige Ghetto Litzmannstadt (dem heutigen Lodz) deportiert. Am 08.05.1942 kamen Hugo und Hedwig Luchtenstein in das Vernichtungslager Kulmhof (dem heutigen Chelmno) und wurden sofort in den Tod geschickt.

Die beiden Söhne Walter und Hans überlebten die Shoa und nannten sich in England nun Walter und John Ludlow. Sie wurden beide über 80 Jahre alt und hatten viele Kinder und Enkel. Walter Ludlow hielt bis zuletzt immer wieder Kontakt zu seiner Geburtsstadt und besuchte ehemalige Angestellte seines Vaters. Er starb 1999. John Ludlow aber sah Wurzen nie wieder. Er starb 2005.

Umso erfreulicher ist es, dass am 26.09.2013 in Wurzen im Beisein von vielen Kindern und Kindeskindern der Familie Luchtenstein / Ludlow Stolpersteine zur Erinnerung an deren Schicksal verlegt wurden.

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