Biography of Annelore Juliane Benning, Norbert Herwald and Reinhold Heinrich Fr Katthöfer
Die heutige Behindertenhilfe St. Johann wurde bereits 1726 gegründet und ist die älteste noch bestehende soziale Einrichtung im Bistum Osnabrück. Die Einrichtung wandelte sich in der Zeit von einem Waisenhaus über ein Säuglings- und Kinderheim hin zu einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Auch Annelore Juliane Benning, Norbert Herwald und Reinhold Heinrich Franz Katthöfer wurden vor der Verlegung in die so genannte Kinderfachabteilung der Landes Heil- und Pflegeanstalt durch die Einrichtung betreut, es war ihr letzter nachweislicher Wohnort in Osnabrück.
Annelore Juliane Benning kam am 30.09.1940 zur Welt. Ihre Mutter war die ledige Köchin Maria Benning (später verh. Gössling), die bis zum August 1941 an der Gildewart 12 wohnhaft war. Danach zog die Mutter nach Düsseldorf. Vermutlich gab sie Annelore Juliane Benning vor ihrem Umzug in das Waisenhaus St. Johann. Von dort wurde das Kind am 31.5.1943 in die Kinderfachabteilung der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt, wo sie am 1. Mai 1944 verstarb. Als offizielle Todesursache wurde chronische Bronchitis angegeben. Sie wurde als "tiefstehendes Kind" bezeichnet, das keinerlei Entwicklung durchlaufe.
Norbert Herwald wurde am 12.3.1939 in Osnabrück geboren. Seine Mutter war Maria Herwald. Von dem Waisenhaus St. Johann wurde er am 16. Januar 1942 in die "Kinderfachabteilung" der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg "verlegt". Er verstarb dort am 15. September 1942. Als offizielle Todesursache wurde eine "eitrige Bronchitis" angegeben. Laut Akte habe der "tiefstehende" Junge eine ungünstige Prognose, er zeige "keinerlei Reaktion", es sei keine "Bildungsfähigkeit" zu erwarten und er müsse "in allem versorgt werden".
Reinhold Heinrich Franz Katthöfer wurde am 22.04.1939 in Osnabrück geboren. Seine Mutter war Elisabeth oder Charlotta Katthöfer, wohnhaft in Münster und dort als Hausangestellte tätig. Von dem Waisenhaus St. Johann wurde Reinhold Katthöfer ebenfalls am 16. Januar 1942 in die "Kinderfachabteilung" der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg "verlegt", wo er am 23.12.1942 verstarb. Als offizielle Todesursache wurde eine "Lungenentzündung" angegeben. In der Patientenakte wurde er ebenfalls als "tiefstehender" Junge bezeichnet, der keinerlei "Anteilnahme" zeige, "völlig bildungsunfähig" sei und von dem keine "geistige Weiterentwicklung" zu erwarten sei.
Alle drei Kinder sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Opfer der "Kinder-Aktion", d.h. Opfer eines NS-Verbrechens in der Psychiatrie im Zweiten Weltkrieg in Deutschland. In der "Kinderfachabteilung" Lüneburg wurden von den Nationalsozialisten 350 Kinder ermordet, welche zuvor als unheilbar krank eingestuft worden waren. Viele Indizien lassen auf eine Tötung mit einer Überdosierung des Medikamentes Luminal schließen.
Quellen: Dr. Raimund Reiter: Opfer aus Osnabrück in der „Kinderfachabteilung“ der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg im Zweiten Weltkrieg, in: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 115, Osnabrück 2010, Aufnahmebuch St. Johann Behindertenhilfe, früher Waisenhaus St. Johann, Taufregister der Gemeinde St. Elisabeth, Einwohnermeldekartei Nds. Staatsarchiv Osnabrück.
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