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Familie Mattes

Biography of Alfred Mattes *1882, Paula Mattes, geb. Strauss *1885 and Arnold Mattes *1910

August-Bebel-Straße 16

Alfred Mattes wurde in Bingen geboren und heiratete 1909 Paula, die Tochter von Emil Strauss aus der Schützenstraße 10 in Groß-Gerau und beide wohnten hier in der August-Bebel-Straße in unmittelbarer Nähe ihrer Gardinenfabrik, die 2013 abgerissen wurde. Auf deisem Gelände steht heute ein Oberstufengymnasium.

Die Gardinenfabrik von Alfred und Paula Mattes bestand von 1924 bis 1932. Ihr Wahrzeichen war ein Backsteinturm mit der „Mattes Uhr“, hergestellt von Siemens und Halske in Berlin. An 60 elektrischen Nähmaschinen wurden Gardinen, Stoffe und Spitzen im Werk produziert, unterstützt von mehreren Hundert Gerauer Heimarbeiterinnen, die in Zeiten der wachsenden Arbeitslosigkeit zum Unterhalt ihrer Familien beitrugen. In den goldenen Zwanzigern liefen die Geschäfte und Mattes war ein wichtiger Arbeitgeber. Doch die Weltwirtschaftskrise ruinierte das Unternehmen bis hin zur Insolvenz, da die Kredite nicht mehr bedient werden konnten.

Das Übrige fügte die nationalsozialistische Verfolgung vor Ort der Familie zu: „die Juden“ wurden für den Niedergang persönlich haftbar gemacht. Das bedeutete gerichtliche Verfolgung und Untersuchungshaft für Alfred Mattes in Mainz, wohin die Familie inzwischen verzogen war, und „Schutzhaft“ für Paula und ihren Sohn Arnold in Gross-Gerau 1933. Danach zogen Mattes nach Frankfurt in die Beethovenstraße. 1938 übernahm die Firma Faulstroh das Fabrikgelände.

Zuerst gelang dem Sohn Arnold, dann auch seinen Eltern 1939-1940 die Flucht in die USA. Paula Mattes, in Trebur geboren, lebte bis zu ihrem Tod 1953 in Chicago. Alfred Mattes starb am 29.8.1961 in Chicago.

Einen speziellen Blick auf die Groß-Gerauer Lokalgeschichte erlaubt das Verhalten des Bürgermeisters Bernhard Lüdecke, der sowohl 1927 ff. wie auch 1956 Bürgermeister war. Er hatte den Fabrikgründern einst bei der Kreditbeschaffung mit einer Bürgschaft der Stadt geholfen, aber 1956 den Gedanken an Entschädigung weit von sich gewiesen. Bürgermeister Stawinoga ließ im April 1935 verlauten: „Ich bin gewillt, die Frage Mattes aus der Geschichte Groß-Geraus zu tilgen.“ Der berufliche Verlust der Familie wurde nach 1945 nicht entschädigt.

Stolpersteinverlegung am 5.2.2015

Mehr Informationen auf www.erinnerung.org

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Hans-Georg Vorndran, Büttelborn
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In Kooperation mit dem Evangelischen Dekanat Groß-Gerau und dem Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V. Die Erinnerungsinitiative "Juden in Groß-Gerau" ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen (LAG).