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Rheinau, ehem.jüd.Gemeinde Freistett

Biografie von Jenny und Julchen Hammel

Im Haus, das früher hier stand, wohnten bereits die Eltern der beiden Frauen: Jakob und Fanny Hammel. Jakobs Vater war seit etwa 1840 Viehhändler. Jakob selbst wurde nach der Judenemanzipation von 1862 u.a. Zigarren- und Branntweinhändler und Sodawasserfabrikant.
Von 1881 bis 1901 war er Mitglied im Gemeinderat von Neufreistett. Er starb 1909 und ist auf dem Freistetter Judenfriedhof begraben. Ludwig, einer der Söhne, von Jakob und Fanny wurde während des 1. Weltkriegs in Russland getötet.
Ihre beiden ältesten Töchter Jenny und Julchen Hammel wohnten hier bis 1940. Sie übernahmen das elterliche Geschäft, das sie modernisierten und unter dem Namen „Neues Kaufhaus“ als „Textil- und Konfektionsgeschäft“ führten, bis die Nazis ihnen ab 1933 mit immer mehr einschränkenden Gesetzen schrittweise die Lebensgrundlage entzogen. 1937 starb ihre Mutter Fanny, die ebenfalls in Freistett beerdigt wurde.
Als ihnen durch Arbeitsverbot die Lebensgrundlage entzogen war, mussten Jenny und Julchen zwangsweise in ein „Judenhaus“ nach Offenburg in der Friedrichstr. 12 ziehen. Von dort wurden sie 1940 nach Gurs deportiert und 1942 mit Konvoi 17 weiter zur Ermordung nach Auschwitz.

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In der heutigen Stadt Rheinau existierten zwei jüdische Gemeinden. In Rheinbischofsheim beschwerten sich 1737 Straßburger Kaufleute gegen die Konkurrenz jüdischer Kaufleute aus dem Ort beim Grafen von Hanau-Lichtenberg. Juden waren hier Nachweisbar vor 1701 ansässig.
In dem heutigen Freistett wurde 1745 die Stadt Neufreistett gegründet, in deren Gründungsurkunde den Bürger "freie Religionsausübung" zugesichert wird, so dass sich hier gegen entsprechende "Schutzgelder" seither auch Juden niederlassen durften.
Als Begräbnisstätte wurde zunächst der jüdische Friedhof in Kuppenheim genutzt, bis 1817 auf Anordnung der Landesregierung ein Verbandsfriedhof für die Orte Lichtenau, Freistett, Rheinbischofsheim und Bodersweier in Freistett angelegt wurde, auf dem nach 1862 auch eine zeitlang Juden aus Kehl bestatte wurden. Der Friedhof kann nach Absprache mit der Stadtverwaltung besichtigt werden.
Der Bevölkerungsanteil jüdischer Bürger betrug in Neufreistett bis 1925 im Durchschnitt etwa 15 %, was circa 50 Personen entspricht. In Rheinbischofsheim lag er bei etwa 7 %, entsprechend etwa 100 Personen. (Zum Vergleich: Der Anteil katholischer Bürger in beiden Orten betrug in diesem Zeitraum etwa 9 bzw. 3 %.)
1929 kam es zur Eingemeindung von Neufreistett nach Freistett. Da bereits im Zuge der "Judenemanzipation" viele Juden vom Land in die Städte gezogen waren, hatte die Zahl der Gemeindeglieder seither stetig abgenommen. Und als ab 1933 die Ausgrenzung der Juden durch die Nazis jedes Jahr massiver wurde, versuchten immer mehr Juden Deutschland zu verlassen. Wegen dieser Mitgliederabnahme vereinigte sich 1935 die jüdische Gemeinde Neufreistett mit der jüdischen Gemeinde Rheinbischofsheim, und die Synagoge in Neufreistett wurde seither nicht mehr benutzt.