Biografie von Markus Ruhr, Frieda Ruhr und 3 weitere
Markus und Frieda Ruhr sowie ihre Kinder Wilhelm, Ruth und Gerd Löb – Tschaikowskistr. 10
Seit 1909 befand sich in der Packhofstr. 11 über viele Jahre die Fleischerei von Sally Löb (Jg. 1882). Kurz vor seinem Tod im Jahr 1927 übernahm er das Haus samt Fleischerei im Ranstädter Steinweg 7. Er hinterließ seine Frau Frieda (geb. Wallach am 2.10.1885 in Witzenhausen) sowie die drei in Leipzig geborenen Kinder Wilhelm „Willi“ (*27.1.1912), Ruth (*11.5.1914) und Gerhard „Gerd“ (*5.1.1925). Die Witwe wohnte mit ihren Kindern seit 1930 in der damaligen König-Johann-Str. 10 (Tschaikowskistr.).
Wie sie sich kennenlernten ist nicht bekannt, aber Weihnachten 1930 heiratete Frieda den aus der Eifel kommenden Fleischermeister Markus Ruhr (*10.1.1883). Sie betrieben die Fleischerei weiter. Auch Sohn Willy erlernte das Fleischerhandwerk. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten floh er mit seiner Partnerin Sofie Schwarz im August 1933 nach Paris. Hier eröffnete er im Oktober 1933 eine koschere Metzgerei. Doch die neue Existenzgründung hatte wenig Erfolg und Willi, mittlerweile verheiratet, kam mit seiner Ehefrau im April 1935 nach Leipzig zurück. Beiden gelang im Februar 1939 die Flucht nach England. Ebenso konnte Ruth, die seit 1935 mit Hermann Hepner verheiratet war, noch vor Kriegsausbruch nach England fliehen.
Auch wenn Frieda und Markus Ruhr eine Flucht nicht in Erwägung zogen, da sie meinten, es kommen wieder bessere Zeiten, unterstützen sie die Kinder bei ihrer Auswanderung. Es gelang ihnen, auch Gerd in ein Vorbereitungslager für die Auswanderung nach Palästina zu bringen.
So konnte der 14-jährige Anfang Oktober 1939 nach Dänemark gelangen, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die Odyssee seiner Rettung ist sehr gut bekannt, da Gerd seine Geschichte ausführlich 1995 seiner Tochter erzählte und diese sie dokumentierte. Nach der Verschärfung der deutschen Besatzung im Jahr 1943 organisierte der dänische Widerstand die Rettung der Juden nach Schweden. Ein erster Fluchtversuch im Sommer 1943 misslang. Bei einem zweiten Versuch im Oktober 1943 wurde Gerd von den deutschen Besatzern festgenommen und sollte in ein Konzentrationslager nach Deutschland gebracht werden. Auf der Fahrt dahin gelang es Gerd bei Roskilde, aus dem fahrenden Zug zu springen. Auch jetzt half ihm der dänische Widerstand weiter und er konnte im November 1943 nach Schweden gerettet werden.
Zu dieser Zeit lebten Mutter Frieda und Markus Ruhr nicht mehr. Sie wurden mit der ersten Deportation aus Leipzig am 21.1.1942 in das Ghetto nach Riga gebracht.
Das Ghetto war hoffnungslos überfüllt. Viele Menschen wurden erschossen, „um Platz zu schaffen“. Am meisten betroffen waren Kinder und die Älteren, die nicht arbeiten konnten. Am 26.3.1942 wurden Frieda (56 Jahre) und Max Ruhr (59 Jahre) ermordet.
Patenschaft: KonfirmandInnen der Ev. Luth. Kirchgemeinde St. Thomas
Medien
Fotos
Kostenlos dank Ihrer Hilfe
Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.
Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.Stolpersteine in der Nähe
Helene Gutter50 m
Chaskel Heinrich Altmann60 m
Freida Hilsenrath60 m
Blanka Meyerstein70 m
Abraham Kowalewsky90 m
Emma Danziger90 m
Quellen & Impressum
https://www.stolpersteine-leipzig.de
stolpersteine@archiv-buergerbewegung.de
Tel: 0341/3065175
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig
Ephraim-Carlebach-Stiftung
Bürgerkomitee e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.