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Familie Kowalewsky

Biografie von Abraham, Esther und Sophie Kowalewsky

Familie Kowalewsky – König-Johann-Str. 12 (heute: Tschaikowskistr. 12)

Abraham Kowalewsky stammte aus der Ukraine und wurde am 19.2.1888 in Solotonoscha geboren. Mit der Absicht, nach Deutschland auszuwandern, immatrikulierte er sich 1918 an der Leipziger Universität. Nach zwei Semestern nahm er sich im Juni 1919 eine Auszeit, ging zurück in seinen Heimatort und heiratete dort seine Verlobte Esther Wischnewsky, geb. 6.10.1891. Ihr Plan, noch im selben Jahr nach Deutschland zurückzukehren, um sich dort dauerhaft niederzulassen, wurde durch die andauernden Konflikte im russischen Bürgerkrieg und durch die ukrainischen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung von 1919 erschwert. Schließlich gelang es dem Paar über Weißrussland und Lettland in Leipzig anzukommen. Hier nahm Abraham sein Studium wieder auf. Als im Ausland lebende Personen wurden beide unterdessen staatenlos, wie ein sowjetisches Dekret vom Dezember 1921 verfügte. Das hatte nach 1933 ein prekäres Aufenthaltsrecht in Deutschland zur Folge.
In den 1920er Jahren baute Abraham in der zentral gelegenen Katharinenstraße eine Strumpfwarenfabrik und Großhandlung auf. Am 22.2.1926 wurde Tochter Sophie geboren. Nun zog die Familie in die 1. Etage der König-Johann-Str. 12 (heute: Tschaikowskistr.) ein.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten eskalierte der Antisemitismus. Die Familie bemühte sich um Visa zur Auswanderung in die USA, die sie im Oktober 1938 erhielt. Doch noch mussten sie die Novemberpogrome miterleben. Am Morgen des 10. November tauchte die Familie in der Wohnung nichtjüdischer Freunde unter. Abraham Kowalewsky erfuhr später, dass am 11. November die Gestapo vor seiner Tür stand, um ihn wie viele andere jüdische Männer zu verhaften. Doch Nachbarn teilten den Beamten mit, dass die Familie nicht mehr da sei. Am 19. November 1938 bestieg die Familie Kowalewsky einen Nachtzug nach Rotterdam. Von dort buchten sie eine Überfahrt in die USA. Auf dem Schiff „Niew Amsterdam“ konnten sie am 7. Dezember 1938 aus Europa fliehen.

Quelle: Nina Black (Tochter von Sophie)
Patenschaft: Dr. Katja Hiltl, Manuela Blum

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