Biografie von Ludwig (Ombierlui) Lorscheider
Im hessischen Bad Arolsen befindet sich ein sogenanntes Sonderstandesamt. Es ist ausschließlich dafür zuständig, Sterbefälle von Häftlingen in ehemaligen deutschen Konzentrationslagern zu beurkunden. Und dort findet sich auch der Sterbefall Ludwig Lorscheider verzeichnet. Die nüchternen Daten lauten: Geburtstag: 13. 4. [18]81 / Geburtsort: Altenwald / Letzte Wohnung: Sulzbach-Altenwald, Hauptstraße 68 / Todestag: 6. 12. [19]39 / Sterbeort: Mauthausen.
Das Archiv der oberösterreichischen KZ-Gedenkstätte Mauthausen gibt folgende Auskunft. Nach dem Totenbuch des KZ Mauthausen ist Ludwig Lorscheider am 28. September 1939 mit einem Transport aus dem KZ Dachau eingeliefert worden. Sein Tod ist mit dem 6. 12. 1939, 8:00 Uhr datiert. Als Ursache seines Todes gibt das Totenbuch „Arteriosclerose, Gehirnschlag“ an. Man möchte aber darauf hinweisen, so die Gedenkstätte, dass die angegebene Todeszeit und Todesursache oftmals nicht mit der tatsächlichen übereinstimme. Bekannt sei außerdem, dass Ludwig Lorscheider in Mauthausen als „AZR“-Häftling geführt wurde, also als Häftling der Kategorie „Arbeitszwang Reich“.
Unangepasste Menschen wie der in der Bevölkerung als „Omberlui“ beliebte, weil gewitzte Ludwig Lorscheider, der ohne geregelte Arbeit in einem Radius von 50 km rund um das Sulzbachtal umherzieht, sind den Nazis ein Dorn im Auge. Aus ihrer Sicht sind Menschen wie er „Ballastexistenzen“, die durch ihr sozial abweichendes Verhalten die Allgemeinheit gefährden. Im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ werden im April und Juni 1938 mehr als 10 000 Männer aufgegriffen und als sog. Asoziale in Konzentrationslager verschleppt. Es wird davon ausgegangen, dass Fürsorgeämter und Arbeitsverwaltungen im Vorfeld nicht unbeteiligt waren. Auch danach werden bis 1945 immer wieder sogenannte Asoziale und Arbeitsscheue von der Sicherheitspolizei aufgegriffen und in Konzentrationslager eingewiesen. Durchaus mit der Absicht, sie dort, etwa in den Granitsteinbrüchen von Mauthausen, bei brutaler Schwerstarbeit auszubeuten. Eindringlich erzählt davon der Mauthausen-Überlebende Ota Sik in einer kurzen Yad-Vashem-Dokumentation, zu sehen auf Youtube unter dem Titel „Die Steinbrüche in Mauthausen“.
Die Umstände, unter denen der „Omberlui“ aufgegriffen und am 12. November 1938 ins KZ Dachau deportiert wird (Häftlingsnummer 22202), sind uns nicht bekannt. Wir wissen jedoch, dass der am 27. September in Mauthausen eingelieferte 58jährige „Omberlui“ die unmenschliche Arbeit in den Granitsteinbrüchen nicht einmal zweieinhalb Monate überlebt hat.
Herbert Trapp hat vor vierzig Jahren im Wochenspiegel ein schönes Porträt des verschmitzten Sulzbachers gezeichnet. Wir zeigen es hier vollständig.
Die Patenschaft für den Stolperstein des „Omberlui“, der in der Altenwalder Sulzbachtalstraße verlegt wird, haben die Stadtarchivarin Rita Lampel-Kirchner und die Gemeindereferentin der Katholischen Kirche Anneliese Maass gemeinsam übernommen. Beiden danken wir herzlich!
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