Biografie von Klara, Ludwig und Erich Hertz
Ludwig und Klara Hertz ließen sich vor 1909 in Kleve nieder und betreiben hier unter dem Namen „Prince of Wales“ ein Herrenmodegeschäft, das sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs aus patriotischen Gründen in „Herrenmodehaus Inh. Ludwig Hertz“ umbenannten. Ihr Sohn Erich besuchte zunächst die jüdische Volksschule und ab 1922 das Klever Gymnasium. Die Gründe, warum er 1931 als auswärtiger Schüler auf das Gymnasium in Ahrweiler wechselte, sind nicht bekannt. Aber sein späteres Verhalten lässt vermuten, dass er schon in Kleve wegen seiner klaren Meinungsäußerungen Schwierigkeiten bekommen hatte. Anfang 1932 zog die Familie von der Gruftstraße 11 in die hintere Spyckstraße (früher Nr. 135, heute Nr. 147).
Die antisemitischen Boykottmaßnahmen 1933 zwang sie, ihr Geschäft aufzugeben und Deutschland zu verlassen. Ende 1933 zog das Ehepaar nach Arnheim.
Erich blieb zunächst in Ahrweiler, um im Frühjahr 1934 sein Abitur abzulegen. Sein Wunsch war es Tropenmedizin zu studieren. Doch dazu kam es nicht. Wegen regimekritischer Äußerungen kam er am 1. März 1934 in Untersuchungshaft, aus der er nach 14 Tagen entlassen wurde. Daraufhin zog zu seinen Eltern nach Arnheim. Er wurde Chemietechniker. 1938 verzog die Familie nach Tilburg. Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 waren die dort lebenden Juden der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt. Im Juli 1942 begannen die systematischen Deportationen in die Vernichtungslager. Um sich vor dem Zugriff zu retten, tauchte die Familie Hertz im Oktober 1942 unter, wurde aber Ende März 1943 verhaftet. Erich Hertz kam in das Konzentrationslager Vught, wo er am 5. April 1943 – laut Totenschein – auf der Flucht erschossen wurde. Seine Eltern wurden über Westerbork nach Sobibor deportiert und kurz nach der Ankunft am 14. Mai 1943 ermordet.
Lodewijk „Ludwig“ Hertz (Arnheim 1878 – 1943 Sobibor)
Klara Hertz geb. Dahl (Bielefeld 1886 – 1943 Sobibor)
Erich Hertz (Kleve 1913 – 1943 Vught)
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Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de