Zum Inhalt springen

Schulstr. 14: Berta Wertheimer

Biografie von Berta Wertheimer geb. Kaufmann

Schulstraße 14: Berta Wertheimer geb. Kaufmann
Berta Kaufmann wurde am 6. August 1864 als jüngstes von 9 Kindern des Handelsmanns Samuel Kaufmann und seiner Ehefrau Esther geb. Roos in Lichtenau geboren. Der Vater zog mit dem familieneigenen Mehl- und Getreidehandel um 1880 von Lichtenau nach Kehl. Berta heiratete hier den Viehhändler Jakob Wertheimer. Er war am 21. Juni 1859 in Bodersweier als Sohn von Zall Wertheimer und dessen Frau Ida geb. Kahn geboren.
Bertas Brüder Joseph und Siegmund waren Mitinhaber der Mehl- und Getreidehandelsfirma. Joseph Kaufmann bewohnte mit seiner Familie im Haus der Wertheimers in der Schulstraße 14 das Obergeschoss.
Bertas Ehemann Jakob Wertheimer starb in Straßburg am 19. April 1937 im Alter von fast 78 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich im jüdischen Bereich des Friedhofs in Kehl.
Die verwitwete Berta Wertheimer wurde am 22. Oktober 1940 zusammen mit über 6500 badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs in den Pyrenäen deportiert. Die 76-jährige wurde noch vor Jahresende vermutlich wegen ihres Gesundheitszustandes und ihres Alters in das Lager Noé verlegt. Hier starb sie am 24. Februar 1942.
Berta und Jakob Wertheimer hatten zwei Töchter: Nelly (geb. 1888) und Mina (geb. 1890). Sie hatten sich nach Stuttgart verheiratet.
Nellys Ehe mit Emanuel Grünwald, geboren 1882 in Affaltrach, blieb kinderlos. In den ersten Jahren des 2. Weltkriegs lebten die Grünwalds in Haigerloch.
Mina und ihre Ehemann Josef Ottenheimer, geboren 1882 in Ludwigsburg, hatten zwei Söhne, Erich und Franz, die rechtzeitig mit der Jugend-Alijah nach Palästina auswandern konnten.
Die beiden Schwestern und ihre Ehemänner wurden mit etwa 1000 anderen jüdischen Menschen aus Württemberg am 1. Dezember 1941 vom Stuttgarter Nordbahnhof aus mit dem ersten Deportationszug nach Riga in Lettland gebracht. Dort fielen sie der grauenhaften Massenerschießung zum Opfer.
Auch Berthas Enkel, Erich und Franz Ottenheimer, verloren in Palästina in jungen Jahren ihr Leben.
Erich war im November 1945 in Auseinandersetzungen von Siedlern mit der britischen Mandatsarmee verwickelt und wurde dabei erschossen.
Franz lebte in einem Kibbuz im Negev-Gebiet und hatte dort eine leitende Funktion beim Sicherheitsdienst. Er wurde ein Opfer des Palästina-Kriegs zwischen Israel und der Arabischen Liga. Am 15. Mai 1948 wurde Israel als souveräner Staat ausgerufen. Franz wurde am gleichen Tag beim Einsatz an der Negev-Front tödlich getroffen.
So wurde die gesamte Familie von Berta Wertheimer ausgelöscht - in der Shoah und in Palästina, wo man mit großen Hoffnungen Zuflucht gesucht und gefunden hatte.

Quellen:
Rolf Kruse, Familie Kaufmann, in: Kehler Familiengeschichten, Band 2, Kehl 2007
Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (online)
Badische Landesbibliothek Karlsruhe,
Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus Baden ausgewiesenen Juden, Karlsruhe, 1941

Großherzog-Friedrich-Straße 7: Familie Kaufmann
Gewerbestraße 1 a: Familie Bruchsaler-Dreifuss

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Kehl

Quellen & Impressum

Arbeitskreis 27. Januar