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Kinzigstraße 21: Familie Wertheimer

Biografie von Mina Wertheimer geb. Wertheimer, Julius Wertheimer und 3 weitere

Kinzigstraße 21: Familie Wertheimer

Julius Wertheimer und seine Frau Elise geb. Bensinger wurden beide in Bodersweier geboren: Julius am 2. Juli 1886, Elise am 24. März 1890. Elise war die jüngste Tochter von Karl Bensinger und seiner ersten Ehefrau Ida geb. Stern. Julius zog mit seinen Eltern Friedrich und Mina Wertheimer bald nach Kehl, wo 1895 seine Schwester Sophie geboren wurde. Friedrich starb 1924 in Kehl
Elise Bensinger und Julius Wertheimer heirateten am 24. August 1920 in Bodersweier. Es war eine Doppelhochzeit, denn am selben Tag heirateten auch Elises Bruder Simon Bensinger und Julius’ Schwester Sophie Wertheimer.
Julius Wertheimer hatte am Ersten Weltkrieg teilgenommen, er wurde zweimal verwundet und wurde sowohl mit der Badischen Silbernen Verdienstmedaille als auch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er betrieb in den 1920-er Jahren in Kehl ein Viehhandelsgeschäft. Danach arbeitete er im Mehl- und Getreidefach. Ab 1933 führte er ein Sackhandelsgeschäft in der Kinzigstraße 21. Im Mai 1938 wurde ihm die Arbeitserlaubnis entzogen. Zur Familie Wertheimer gehörten die zwei Söhne Kurt (geb. am 21. Juli 1921) und Fritz (geb. am 18. August 1928).
Im Herbst 1938 wohnte die verarmte Familie im israelitischen Gemeindehaus in der Kinzigstraße 20 beim Ehepaar Mannheimer zur Untermiete. Regine Mannheimer war eine ältere Schwester von Elise Wertheimer. Mit dabei war Bertha Bensinger aus Bodersweier, die inzwischen verwitwete Stiefmutter der beiden Frauen.
Am 10. November 1938, nach der Reichspogromnacht, wurde Julius Wertheimer wie die anderen jüdischen Männer aus Kehl und den benachbarten Gemeinden zur sogenannten „Schutzhaft“ nach Dachau deportiert. Stundenlanges Strammstehen bei Schnee und eisigen Temperaturen waren wohl die Ursache für ein lebenslanges Nierenleiden.
Die ganze Familie verließ am 15. März 1939 Kehl in Richtung Hamburg und emigrierte nach Argentinien. Da hier ein auskömmliches Leben im landwirtschaftlichen Bereich sich als unmöglich erwies, zog die Familie nach Buenos Aires. Kurt und Fritz Wertheimer trugen hier wesentlich zum Familienunterhalt bei. Der Vater Julius Wertheimer hatte sich bei der KZ-Haft ein Nierenleiden zugezogen, das aber von den Wiedergutmachungsbehörden nicht berücksichtigt wurde. Er starb am 17. Juni 1953.
Ehefrau Elise Wertheimer geb. Bensinger starb am 17. Mai 1975 in Buenos Aires.
Sohn Fritz Wertheimer reiste mehrmals nach Kehl und besuchte hier ehemalige Schulfreunde und Bekannte. Er starb am 8. Juni 2009 in Buenos Aires. Sein Bruder Kurt Wertheimer ist um das Jahr 2015 gestorben.
Großvater Friedrich Wertheimer war 1924 in Kehl getorben. Großmutter Mina Wertheimer wurde Opfer der Shoah. Sie lebte zuletzt im Israelitischen Altersheim in Unna/Westfalen. Am 28. Juli 1942 wurden die Bewohner dieses Heims nach Theresienstadt deportiert. Dort starb Mina Wertheimer am 7. Januar 1943 im Alter von 81 Jahren.

Familien von Geschwistern: Kinzigstraße 21 - Spießgasse 9 – Hauptstraße 169

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