Biografie von Pinkas Schwarzkachel, Laja Schwarzkachel und 6 weitere
Hauptstraße 13: Familie Schwarzkachel
Das Schicksal der Familie Schwarzkachel steht als Beispiel für das besonders perfide Vorgehen gegen etwa 17.000 polnische Jüdinnen und Juden im „Dritten Reich“. Überall in Deutschland wurden sie schon Ende Oktober 1938 verhaftet und mit der Bahn zur polnischen Grenze transportiert. Dort allerdings verhinderten polnische Grenzbeamte die Einreise und trieben sie gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen durchs Niemandsland; die Rückkehr nach Deutschland wurde ihnen verwehrt. Herschel Grynszpan, 17-jähriger Sohn eines betroffenen Schneiders aus Hannover, erfuhr von den dramatischen Vorkommnissen und erschoss in Paris den Botschaftssekretär Ernst vom Rath, um die breite Öffentlichkeit auf die schlimme Lage der polnischen Juden aufmerksam zu machen. Das NS-Regime nahm seine Verzweiflungstat zum Vorwand, um am 9. November 1938 reichsweit Judenpogrome auszulösen, in deren Verlauf zahlreiche jüdische Männer verhaftet und in KZs verschleppt wurden. Ihre Wohnungen und Geschäfte wurden zerstört, die Synagogen wurden angezündet.
Von der Vertreibungsaktion nach Polen waren auch drei Mitglieder der achtköpfigen Kehler Familie Schwarzkachel betroffen: Die Eltern Laja und Pinkas sowie der jüngste Sohn Adolf, der sich begreiflicherweise nur mit Arnold anreden ließ. Sie wurden am 28. Oktober 1938 über Offenburg nach Polen abgeschoben. Wie unmenschlich man dabei zu Werke ging, lässt sich nicht zuletzt an den „Transportzetteln“ ablesen, die erst kürzlich im Kreisarchiv Offenburg aufgefunden wurden. Diese waren auf Anordnung des badischen Innenministers vom Kehler Bezirksamt ausgestellt. Von einem Tag auf den anderen wurden die Betroffenen zu „Reichsverwiesenen“ und „Transporthäftlingen“, die nur wenig Handgepäck und „Mundvorrat für zwei Tage“ mitnehmen durften. Die Fahrt muss eine Tortur gewesen sein, wie sich der Fahrtroute entnehmen lässt, die mitsamt Abfahrts- und Ankunftszeit minutiös überliefert ist: Bis Beuthen, der deutschen Grenzstadt zum polnischen Ost-Oberschlesien, wo der Zug erst am 10. November eintraf, dauerte die Reise zwei Wochen. Damit war die Beförderung im deutschen „Gefangenen-Sammelwagen auf Eisenbahnen“ beendet. Natürlich war es den deutschen Behörden vollkommen gleichgültig, wie die Ausgewiesenen weiterkommen würden. Irgendwann landeten Pinkas, Laja und Arnold Schwarzkachel schließlich in Breszko nahe Krakau, dem Geburtsort von Pinkas Schwarzkachel. Wie sie dorthin gelangten, ließ sich bislang nicht rekonstruieren.
Die übrigen Kinder waren zum Zeitpunkt der Abschiebung bereits 30 Jahre und älter und hatten ihr Elternhaus längst verlassen. Willy lebte seit 1936 in Straßburg. Regina war 1937 nach Ludwigshafen gezogen und flüchtete später mit ihrem Ehemann Isaak Bergmann nach Holland. Alle fünf hier genannten Personen überlebten die NS-Zeit nicht und fielen dem Holocaust zum Opfer. Arnold wurde wahrscheinlich in Polen umgebracht. Willy floh am 7. Juni 1938 nach Straßburg und zog später nach Paris, wo er am 20. August 1941 verhaftet und in Drancy interniert wurde. Am 27. März 1942 deportierten ihn die Deutschen nach Auschwitz, wo er am 5. April 1942 starb. Regina Bergmann und ihr Ehemann wurden am 24. November 1943 über Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurde. Ihr Mann Isaak musste noch als Arbeitssklave schuften, bis ihn die SS-Schergen 1944 in Majdanek umbrachten.
Die drei anderen Geschwister Freyda, Josua und Max konnten überleben: Freyda musste sich mit ihrer Familie in Frankreich vor den NS-Schergen verstecken, Josua und Max gelang die Flucht nach Palästina.
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Pinkas Schwarzkachel
Geboren am 15.2.1874 in Brzesko/Polen, am 21.6.1942 in Brzesko von der SS erschossen
Laja Schwarzkachel, geb. Westreich
Geboren am 19.9.1877 in Brzesko/Polen, am 21.6.1942 in Brzesko von der SS erschossen
Willy Schwarzkachel
Geboren am 15.3.1904 in Tarnow/Polen, am 5.4.1942 in Auschwitz ermordet
Freyda Schwarzkachel
Geboren am 16.6.1905 in Straßburg, in Frankreich überlebt
Josua Schwarzkachel
Geboren am 27.12.1906 in Mainz, in Palästina überlebt
Regina Schwarzkachel verh. Bergmann
Geboren am 5.4.1908 in Straßburg, 1943 in Auschwitz ermordet
Max Schwarzkachel
Geboren am 17.9.1910 in Straßburg, in Palästina überlebt
Adolf Schwarzkachel, gen. Arnold
Geboren am 3.1.1912 in Kehl, wahrscheinlich in Polen ermordet
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