Biografie von Alfred Rapp
Alfred Rapp (1888—1940)
Alfred Rapp wurde als Sohn des Bäckers David Rapp II und Salomea Rapp am 10. Januar 1888 in Dorf Kehl geboren. Sein Großvater war Bäckermeister und hatte 1857 eine Bäckerei in der Hauptstraße 154 gegründet. Alfred Rapp wuchs gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Karl und Wilhelm an der heutigen Hauptstraße 104 auf. Dort hatte der Großvater ein Grundstück erworben, auf dem David Rapp II eine Backstube anbaute. Bereits mit sechs Jahren verstarb Alfred Rapps Mutter.
Nach der Schulzeit und Lehre als Kaufmann wurde Alfred Rapp mit 22 Jahren Rekrut. Nach zweijährigem Dienst wurde er am 20. September 1912 zur Reserve beurlaubt. Zwei Jahre später am 1. August 1914 wurde er jedoch zu Kriegsbeginn ins kaiserliche Deutsche Heer zurückbeordert: Als 26-Jähriger kämpfte Alfred Rapp im Ersten Weltkrieg im Infanterie-Regiment Nummer 170 an der Westfront, wo er an mehreren schweren Schlachten teilnahm und verwundet wurde. Nach Kriegsende befand er sich noch bis 1920 in einem Lager für Kriegsgefangene.
Infolge der traumatischen Kriegserlebnisse fand Alfred Rapp nie wieder ganz zurück ins Leben und galt als psychisch krank. Am 2. Mai 1938 wurde er in die Pflegeanstalt in Raststatt eingewiesen. Zu Kriegsbeginn im September 1939 wurde die gesamte Pflegeanstalt Rastatt nach Zwiefalten evakuiert in ein Gebäude der dortigen Heilanstalt. Wie alle Anstaltsbewohner war auch Alfred Rapp den prekären Umständen ausgesetzt: Die Anstalt war völlig überbelegt, neben der Enge gab es nur wenig zu essen und kaum medizinische Versorgung. Hier geriet Alfred Rapp wie tausende traumatisierte Veteranen des Ersten Weltkriegs in die NS-Mordmaschinerie der „Aktion T4“. Die systematische Ermordung der Heimbewohner wurde mit der Bezeichnung „Euthanasie“ oder „Gnadentod“ verharmlost.
Alfred Rapp wurde am 31. Mai 1940 mit 70 weiteren Patienten von der Anstalt Zwiefalten mit den grauen Bussen in die Tötungsanstalt Grafeneck transportiert. Er wurde am gleichen Tag dort in der Gaskammer wie alle anderen ermordet.
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