Biografie von Erna Kaufmann
Erna Kaufmann, geb. Löwenstein, wurde am 23.12.1883 in Levern (Kreis Lübbecke) geboren.
Später heiratete sie Salomon Sigesmund Kaufmann, Sohn von Jonas Kaufmann, dessen jüdische Familie schon früh in Hilden ansässig war. Ihnen gehörte ein noch heute vorhandenes Haus auf der Mittelstraße 7-9. Jonas Kaufmann war als Ratsherr und Kaufmann anerkannt und stiftete 1902 die silberne Ratsglocke für das neu erbaute Ratshaus.
Nach der Heirat zogen Erna und Salomon Sigesmund Kaufmann in ein großes Haus auf die Benrather Straße 1. Sie hatten zwei Söhne Carl (geb.1908) und Werner (geb.1913).
Auch nach der Machtergreifung Hitlers war die Familie Kaufmann immer noch geschätzt und angesehen, was man unter Anderem an dem Nachruf zum Tod von Salomon Sigesmund Kaufmann (21.03.1935) erkennt, in dem die Rede von einem "treuen Freund" und "gutem Kamaraden" war.
Nachdem aber schon am 26.07.1935 die Firma aus dem Handelsregister gelöscht wurde, verließen die Söhne Hilden und zogen zuerst nach Holland und von da aus in die USA. Die Schwiegereltern von Carl Kaufmann, Frieda und Julius Brandenstein, blieben in Deutschland bei Erna Kaufmann.
Am 9. November 1938 stimmte sich ein Schlägertrupp im „Deutschen Haus“ auf die Pogromnacht ein. Obwohl das Wohnhaus der Familie Kaufmann in der Nähe des damaligen "Deutschen Hauses" stand, wurde es und seine Bewohner in der Pogromnacht verschont. Jedoch wurde das Grundstück der Witwe Kaufmann am 13.10.1939 für einen Erlös von 44.000 RM von der Stadt beansprucht. Aufgrund der Reichssteuer und der Anwaltskosten blieben Erna Kaufmann allerdings nur 831 RM übrig.
Erna Kaufmann zog daraufhin, mit Erlaubnis der Behörden, am 17.01.1939 zu ihrem Bruder nach Amsterdam.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Holland 1940 scheiterte Ernas Fluchtversuch in die USA, weil den Flüchtlingen in einigen Ländern eine Aufnahme verweigert wurde, und sie musste wieder zurück nach Holland. Von dort wurde sie drei Jahre später nach Sobibor deportiert und dort am 23.05.1943 ermordet.
Quelle: Arbeitskreis Stolpersteine. Steine gegen das Vergessen. Stolpersteine in Hilden. Hilden 2013. Seite 24-25.
(Justus)
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