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Körner, Ernst

Biography of Ernst Körner

Ernst Karl Körner (1922 bis 1940)

geboren am 15. Dezember 1922 als Sohn des Landwirts Ernst Körner (1896 bis 1962) und dessen Ehefrau Marta geb. Trefz (1899 bis 1928) in Strümpfelbach (seit 1972 Teilort von Backnang). In dem kleinen Dorf verbrachte er die ersten vier Lebensjahre.

Am 1. Juni 1926 zog Ernst Körner mit seinen Eltern ins benachbarte Backnang, wo sie in der Walksteige 9 wohnten (Trefz). Ein tiefer Einschnitt in das Leben des körperlich gesunden Sechsjährigen war sicher der Tod seiner Mutter. Er war nach Angaben der Kreisfürsorgebehörde ein heiteres, "gutartiges" Kind und ein körperlich gesunder Jugendlicher. Nach einem Bericht des Kreiswohlfahrtsamtes Backnang von 1938 lachte und sang er viel. Im täglichen Leben brauchte er viel Hilfe. Er ging lediglich ein halbes Jahr zur Schule, konnte sich aber im Hause und in der Landwirtschaft nützlich machen.

Da in dem weit verzweigten Hilfe- Netzwerk der Diakonieeinrichtung des Bruderhauses Reutlingen kein Platz war, wurde Ernst Körner am 12.7.1938 von seinem Vater mit eigenem Fahrzeug in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten gebracht, wo er zunächst im Krankenhaus untergebracht wurde. Die Kreisfürsorgebehörde Backnang übernahm die Kosten für die Unterbringung. Bemerkenswert ist, wie die Ortsgruppe der NSDAP Backnang das Schicksal von Ernst Körner zu beeinflussen versucht. Die NSDAP setzt sich am 15.4.1940 in einem Schreiben an die Heilanstalt Stetten dafür ein, dass Ernst Körner "auf keinen Fall nach Hause entlassen werden darf, da für die beiden Mädchen (die jüngeren Stiefschwestern, B.H.) sonst sittliche Gefahr besteht".
Der Brief trägt den Stempel der NSDAP Backnang, Amt für Volkswohlfahrt. In dem Antwortschreiben der Heilanstalt Stetten vom 19.4.1940 an die NSDAP Backnang weist die Anstalt darauf hin, dass für Aufenthalte und Entlassungen der Kostenträger, das Kreiswohlfahrtsamt Backnang, zuständig ist. Außerdem sei Ernst Körner im Krankenhaus untergebracht, wo die "Schwächsten unter unseren 770 Pfleglingen versorgt werden".

Ausdrücklich verwehrt sich die Anstalt dagegen, dass Ernst Körner gefährlich sei.
Es heißt dort: "Irgendwelche abnormen, sexuellen Neigungen sind bei ihm seit seinem Eintritt am 12.7.1938 nie wahrgenommen worden". Ein mutiger Brief, der aber Ernst Körner nicht das Leben rettete.

Am Dienstag,10.9.1940 wurden in drei grauen Bussen der Gekrat 75 Bewohner der Heilanstalt Stetten nach Grafeneck deportiert und dort am selben Tag vergast. Lapidar heißt es dazu in der Patientenakte: "10.9.40 Auf Anordnung vom Innenministerium verlegt". Die als "Verlegung" getarnte Busfahrt am 10.9.1940 war in Wirklichkeit eine Fahrt in die Gaskammer von Grafeneck. Dort wurde Ernst Körner ermordet. Er wurde noch nicht einmal 18 Jahre alt.

Das Gedenkbuch der Gedenkstätte Grafeneck verzeichnet auch den Namen von Ernst Körner als einer der 10 654 in Grafeneck Ermordetn. Die leitende Schwester des Krankenhauses, Frida Rohleder, verfasste nach der Ermordung ihrer Patienten Nachrufe auf ihre Schutzbefohlenen. (Kalusche, S. 277ff). Einen solchen bewegenden Nachruf schrieb sie auch für Ernst Körner (Patientenakte).

Bernd Hecktor

Quellen:

Bernhard Trefz:"Ungeheilt in eine andere Anstalt verlegt..."- Das tragische Schicksal der Backnanger "Euthanasie" Opfer, in: Backnanger Jahrbuch 2011,hrsg. von Gerhard Fritz und Bernhard Trefz, S 154 - 171, hier: S. 159f

Martin Kalusche: "Das Schloß an der Grenze", Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil - und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten i.R., Hamburg 2011

Patientenakte Ernst Körner in der Diakonie Stetten

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