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Johann Dötsch

Biography of Johann Dötsch

Ein Sozialdemokrat, der sich trotz Schutzhaft, Konzentrationslager und Todesmarsch nicht mundtot machen ließ. Johann Dötsch gründete nach dem Krieg die SPD in Koblenz neu und erlebte noch die ersten freien Wahlen.

Johann Dötsch, Jahrgang 1890, war Maurer und Soldat und trat früh in die SPD ein. Er machte Karriere als Parteifunktionär und wurde deshalb von den Nationalsozialisten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin verschleppt.
Er überlebte im Frühjahr 1945 den Todesmarsch an die Ostsee und schrieb seine Erlebnisse in einem "Tagebuch gegen das Vergessen" auf.
Wieder zuhause wurde er in der damaligen Provinz Rheinland-/Hessen-Nassau Präsidialdirektor für Arbeit und Soziales. Zu den ersten freien Gemeinderatswahlen im September 1946 musste er sich schon tragen lassen. Durch den langen Aufenthalt im Konzentrationslager war er schwer herzkrank und so geschwächt, dass er am 2. Oktober 1946 starb.

Auszug aus dem "Tagebuch gegen das Vergessen" von Johann Dötsch:
vom 16.5.1945

"Abends gabs die erste Zeitung. Endlich einmal eine klare Nachricht über das weltgeschichtliche Geschehen. Nie haben wir gieriger nach einer Zeitung gegriffen."
"Wie man immer erwartet hat, ist die ganze Bande im letzten Augenblick ausgerückt oder hat Selbstmord begangen. Doch die Allermeisten werden ihrer verdienten Strafe nicht entgehen. Oft frage ich mich, warum wir selbst nicht an unseren Peinigern Rache genommen haben, als ihre Macht vorbei war an jenem für uns so denkwürdigen Abend des 2. Mai. Der Grund lag wohl darin, dass wir physisch viel zu erschöpft waren, um Vergeltung zu üben, doch ich bin sicher, die Vergeltung für ihre furchtbaren Verbrechen wird auch den letzten Schuldigen zu finden wissen. Im Gespräch mit den zahlreichen Flüchtlingen hört man immer wieder die panische Angst vor dem "Iwan" (…)"
"Deshalb wollen die Allermeisten nicht in die von den Russen besetzten Gebiete zurück, alles will zu den Amerikanern. Wie das gehen soll und dass das unmöglich ist, bedenkt der Spießer nicht. Er glaubt, wenn er jetzt reichlich auf Hitler schimpft, vollauf seine Pflicht getan zu haben. Das deutsche Volk wird sich noch sehr wundern, die Strafe der Sieger wird diesmal fürchterlich sein und wir haben kein Recht, uns zu beklagen. Die Schuld des deutschen Volkes ist zu groß".

Nach Original, abgeschrieben von Günter Steinhofer, Dorfchronist von Dümmer, bearbeitet von Joachim Hennig. Das "Tagebuch gegen das Vergessen" wurde zuerst im Bezirksparteiarchiv der SED in Schwerin aufbewahrt. Jetzt befindet es sich im Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen.

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