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Wohnhaus Lina Elise Möck

Biography of Lina Elise Möck

Heutige Adresse: Hindenburgstraße 38

Lina Elise Möck
Lina Elise Möck wurde am 21. Dezember 1919 in Esslingen geboren. Am 18. September 1940 wurde sie aus der Anstalt Stetten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.

Lina Möck wurde als erstes von 4 Kindern des Metzgermeisters Konrad Möck und seiner Ehefrau Luise geborene Schumacher in Esslingen geboren. Lina kam 1919 als gesundes Kind zur Welt. Im Alter von etwas 3 Jahren erkrankte sie in Folge einer Ohrenentzündung an einer Hirnhautentzündung und trug davon lebenslänglich schwere geistige Schäden davon. Eine Zeit lang konnte Lina noch zu Hause betreut werden. Vom 31. August 1925 bis zum 16. September 1925 wurde das Kind in der Universitätsnervenklinik Tübingen behandelt und dann nach Hause entlassen. Am 30. August 1927 wurde das Mädchen in die Anstalt Stetten aufgenommen. Lina wurde sonntags oft in Stetten von ihrer Mutter Luise besucht. Man konnte mit dem Bus bis zum Jägerhaus fahren, musste dann allerdings den Rest bis nach Stetten (circa 2 Kilometer) zu Fuß gehen. An manchen Sonntagen kam aber auch Lina, begleitet von einer Pflegerin, nach Esslingen.
„Je näher sie der Metzgerei kamen, desto größer wurden Linas Schritte“, berichtete die Pflegerin. Im Elternhaus angekommen lief sie sofort zu ihrem Platz am Esstisch in der Küche, setzte sich und wartete auf das gutes Sonntagsessen, das ihre Mutter gekocht hatte.
In einem Krankenbericht vom 30. August 1928 heißt es:
„Lina gehört zu den stark schwachsinnigen Kindern. An eine Schulung ist gar nicht zu denken. Sie kann nicht einmal ordentlich spielen. Eine Unruhe treibt sie umher bald greift sie nach diesem bald nach jenem. Sie spricht einige Verslein, sonst aber gibt sie nicht Antwort, wenn sie gefragt wird. Sie sieht wohl alles was um Sie her vorgeht, aber sie nimmt nicht wirklich Anteil an ihrer Umgebung.

In einem weiteren Krankenbericht vom 06. September 1929 heißt es:
„Lina sollte ihn andere Umgebung kommen. Bei Frau Marie Holzapfel wird nur ihr Körper aber nicht ihre Seele gepflegt. Solange letztere im Urlaub war und Lina bei den großen Mädchen unter Tante Friederikes Leitung stand, war sie ganz anders. Sie wurde „Mensch“; ihr Blick war freier, ihre Manieren besser, das Gesumse hörte auf. Ein Kind mit Seele gehört zu einer seelenvollen Mutter nicht zu einer „Wärterin“.

Die Eltern, insbesondere die Mutter, besuchten ihr Kind häufig und regelmäßig, auch verbrachte Lina oft die Ferien zu Hause in Esslingen.

Auf dem Krankenblatt findet sich ein Stempel für die standardisierte Beurteilung der Kranken:
„Erbkrank: Ja -Nein - ?
Gemeldet am: ……………
Vollzogen am: ……………“

Lina wurde auf diesem Krankenblatt mit „Erbkrank“ kategorisiert. Ob diese Beurteilung gemeldet wurde oder gar eine Sterilisierung vollzogen wurde, ist nicht vermerkt.

Auf dem Krankenblatt findet sich ein handschriftlicher Vermerk (vermutlich von Ludwig Schlaich):
„Austritt: 18.9.1940 verlegt“.

An diesem Tag wurde sie mit 59 anderen behinderten Frauen und einem Mann nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 21 Jahre alt.

In der standesamtlichen Sterbeurkunde war sowohl der Sterbeort als auch das Datum gefälscht. Dort heißt es: Hardheim, 12. Oktober 1940.
Eine Urne wurde am 11. November 1940 auf dem Ebershaldenfriedhof in Esslingen im Familiengrab beigesetzt.

Quellen:
Gudrun Silberzahn-Jandt: Esslingen am Neckar im System von Zwangssterilisation und „Euthanasie“ während des Nationalsozialismus;
Anstalt Stetten, Krankenakten
Bild- und Aktenmaterial der Fa. Möck
DENK-ZEICHEN e. V. Esslingen

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