Biography of Sprintza Podolanski
Sprintza Podolanski - Berliner Str. 13-19 (ehem. Berliner Str. 15)
Sprintza Podolanski stammte aus dem damaligen West-Galizien. Sie wurde als Sprintza Paja Sali Rosenzweig am 1. Oktober 1887 in Nowy Korczyn (Neustadt) geboren. Hier wurde auch ihr Ehemann der spätere Textilhändler Hermann Podolanski im Jahr 1876 geboren.
In Tarnow kam 1905 ihr erster Sohn Julius zur Welt. Kurz danach ging die junge Familie nach Thüringen. In Jena wurde 1908 ihre Tochter Marie geboren. Seit April 1909 wohnten sie in Sondershausen. Hier kamen die Kinder Ella (1911), Arnold (1912) und Siegfried (1918) zur Welt.
Mit der Gründung des Freistaates Thüringen 1920 bekam Hermann die Thüringische Staatsbürgerschaft und damit die gesamte Familie. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie waren jedoch sehr bescheiden. Sprintza war Schneiderin und der Textilhandel reichte wohl zum Überleben. Trotzdem gelang es den Eltern, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Julius studierte Mathematik und Physik an den Universitäten in Leipzig und Jena und promovierte 1931. Anschließend gehörte er zum Forscherteam um Werner Heisenberg an der Universität Leipzig. Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 änderte sich für die jüdische Bevölkerung alles. Julius musste seine akademische Laufbahn in Deutschland beenden. Er bekam eine Stelle an der Uni Leiden in den Niederlanden. Nach der deutschen Besetzung des Landes und der darauffolgenden Deportation der jüdischen Bevölkerung lebte Julius seit 1942 im Untergrund. Er überlebte den Krieg und konnte, nun in England, wieder wissenschaftlich arbeiten.
Auch seine Schwester Marie studierte in Jena die Fächer Erziehungswissenschaft, Psychologie und Philosophie, die sie 1931 „Mit Auszeichnung“ abschloss. Zunächst arbeitete sie als Sonderpädagogin an einer Schule in Kahla. Doch auch sie wurde 1933 entlassen. Marie lehrte noch bis 1939 an der jüdischen Carlebachschule in Leipzig. Dann gelang ihr die Flucht nach England.
Im Oktober 1931 zogen Sprintza und Hermann Podolanski nach Leipzig. Von 1932 bis 1936 wohnten sie in der Berliner Str. 15. Im Jahr 1934 wurde der gesamten Familie die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und sie galt nun als „staatenlos“.
Nach 1933 zogen auch Ella und Arnold zu ihren Eltern nach Leipzig. Ella hatte eine Ausbildung als Kontoristin und Arnold war Kaufmann. Beiden gelang noch vor Kriegsausbruch die Flucht nach England.
Siegfried war Schüler der Carlebachschule und wurde 1935 in die jüdische Jugendgemeinschaft „Habonim“ aufgenommen. Seine „Hachschara“ absolvierte er in der Altmark und 1937 erreichte er Palästina.
Hermann Podolanski starb im April 1937 im Eitingon-Krankenhaus und wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof begraben.
Zurück blieb Sprintza. Den Kindern gelang es nicht, ihre Mutter aus Deutschland zu holen. Sprintza Podolanski musste 1940 in eine der Zwangsunterkünfte für die jüdischen Menschen ziehen. Am 10. Mai 1942 wurde sie in das Ghetto Bełźyce deportiert. Die Umstände, die zur Ermordung von Sprintza Podolanski (54 Jahre) führten, bleiben unklar. Die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto und die Willkür der SS machten ein Überleben nahezu unmöglich. Wer nicht zur Zwangsarbeit in das KZ Majdanek herangezogen wurde, den verschleppte die SS ab Oktober 1942 in das Vernichtungslager Sobibór.
Recherchen: Irit Weisel und Naomi Balog (Töchter von Siegfried), Achim Beier (AG Stolpersteine)
Patenschaft: Stephanie Ruge-Jantke
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