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Stolperschwelle ehem. Synagoge

Biography of Stolperschwelle ehem. Synagoge

Wie überall in Nazi-Deutschland, wurde auch in der Landgemeinde Mutterstadt 1938 in der sogenannten Pogromnacht die Synagoge in der Oggersheimer Straße 22 zerstört. Am 10. November, morgens um 5 Uhr, wurde das jüdische Gotteshaus von Mutterstadter SA-Leuten angezündet und brannte nach einer gewaltigen Explosion vollständig aus. Ein schwerer Schlag für die damals noch 63 Einwohner zählende jüdische Kultusgemeinde. Dabei gab es zeitgleich auch tätliche Übergriffe auf jüdische Mitbürger*innen, Beschädigungen jüdischen Eigentums und die Löscharbeiten wurden behindert.
Über die Geschehnisse von 1938 gibt es den Zeitzeugenbericht „Die Synagoge brennt“ von Ernest Löb, der, 1908 in Mutterstadt geboren, 1939 in die USA emigrierte. Eine Synagoge ist ja nicht nur ein Gotteshaus, es gibt darin die unterschiedlichsten Nutzungen, z. B. einen Gebetsraum, einen Versammlungsraum, einen Unterrichtsraum. 1938 wurden von insgesamt 93 pfälzischen Synagogen 51 zerstört.
Die Mutterstadter Synagoge, 1904 wurden an ihrem Standort Vorgängerbauten durch einen Um- und Erweiterungsbau ersetzt, war ein Fünf-Fensterachsen-Sakralbau mit Jugendstilfassade mit einem kuppelähnlichen Dachreiter und Ziertürmchen. Die Fenster schmückten figürliche Glasgemälde. Im Innenraum hatten 150 Besucher Platz, es gab die Bima (ein erhöhtes Pult), einen Thoraschrein und vier Thorarollen, das Ewige Licht, eine Frauenempore und im Anbau die Mikwe, das Ritualbad. Nach dem Abriss der Ruine wurde auf einem Teil des Geländes ein Löschteich angelegt. 1956 verkaufte die jüdische Kultusgemeinde das Gelände an die Familie Kegel, die darauf landwirtschaftliche Betriebsgebäude errichtete.
2020, bei Erdarbeiten für die zwischenzeitlich auf dem Gelände errichtete Wohnanlage, wurden noch Mauerreste der Synagoge freigelegt, die dokumentiert, gesichert und im Boden gelassen wurden.
Danach vereinbarte die seit 2022 bestehende „Christlich-jüdische Denkmalerhaltungsinitiative Mutterstadt“ mit der früheren Besitzerfamilie, eine Informationstafel an dem ehemaligen Synagogen-Standort anzubringen und die dafür anfallenden Kosten gemeinsam zu übernehmen. Am 27. Januar 2023, an dem Internationalen Gedenktag für die Opfer der NS-Zeit, wurde die Informationstafel der Öffentlichkeit übergeben.
Für eine von Herbert Metzger in Auftrag gegebene virtuelle Rekonstruktion der Synagoge fertigte der Mutterstadter Maler Michael Kunz nach den Angaben von Werner Dellheim Aquarelle vom Inneren der Synagoge an, insbesondere von den Motiven der Glasgemälde, die die Synagogenfenster schmückten. Dellheim, der 1939 mit einem Kindertransport aus Deutschland floh und dann in Florida lebte, besuchte vor Jahren mehrmals Mutterstadt.
Die Verlegung der Stolperschwelle ist ein weiterer wichtiger und bedeutender Baustein für die seit Jahren in Mutterstadt praktizierte Versöhnungs- und Erinnerungskultur - getragen von Privatpersonen, Vereinen und den Kirchen.

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