Biography of Hermann Auerbacher, Sofie Auerbacher geb. Kornmann and 4 more
Stolpersteine verlegt am 23.06.2022
Siegfried und Charlotte Maier bewohnten mit ihren Söhnen Heinz und Kurt das Haus in der Querstraße 11. Charlotte Maier betrieb im Erdgeschoss des Eckhauses ein Kolonialwarengeschäft, ihr Mann bereiste als Stoffhändler die Dörfer im Ried und im Schwarzwald. Hermann und Sofie Auerbacher, die Eltern von Charlotte Maier, bezogen im Oktober 1938 das Obergeschoss, nachdem sie ihren Vieh- und Fellhandel in der Bahnhofstraße 26 auf Druck der Nationalsozialisten aufgeben mussten.
Wie in allen deutschen Orten mit einer jüdischen Gemeinde, kam es auch in Kippenheim am 9. bzw. 10. November 1938 zu einem Pogrom. Parallel zur Schändung der Synagogen und der Plünderung jüdischer Geschäfte, hatte Heinrich Himmler, einer der Initiatoren des Pogroms, zusätzlich die Verbringung der jüdischen Männer in Konzentrationslager angeordnet. Zu den 26 in Kippenheim verhafteten jüdischen Männern zählten auch Herman Auerbacher und Siegfried Maier. Erst nach Wochen wurden sie aus der KZ-Haft entlassen. Die Rückkehr seines Großvaters Hermann Auerbacher aus dem Lager beschreibt der damals acht Jahre alte Kurt Salomon Maier in seinen „Kindheits- und Jugenderinnerungen eines jüdischen Kippenheimers“ (2011): „Es müssen mehrere Wochen vergangen sein. Es war Schabbat und ich war bei der Oma. Plötzlich öffnete sich die Tür und Opa kam herein. Ich war so glücklich ihn zu sehen, rannte in die Küche, schnitt ein Stück holländische Salami ab und steckte es in seinen Mund. Was die Nazis in Dachau nicht fertiggebracht hatten, hätte ich fast für sie getan: Weil er so schwach war, konnte er die Wurst nicht schlucken. Er wäre daran erstickt, hätten wir sie nicht wieder aus seinem Hals herausgezogen.“
In seinen Erinnerungen berichtet Kurt Maier von Spielen mit den nichtjüdischen Kindern und von freundlichen christlichen Nachbarn, auch der Besuch des evangelischen Kindergartens war selbstverständlich. Die friedliche Kindheit der Brüder Maier endete abrupt am 10. November 1938 mit der Verhaftung ihres Vaters und ihres Großvaters und mit ihrem Ausschluss aus dem Unterricht durch den Leiter der Kippenheimer Volksschule. Sie mussten nun unter der Woche in Freiburg wohnen und die dortige jüdische Schule besuchen.
Am 22. Oktober 1940, dem Tag der Deportation der badischen Jüdinnen und Juden nach Südwestfrankreich, schickte Siegfried Maier einen Taxifahrer nach Freiburg, um seine Söhne nach Kippenheim zu holen. „Wir hatten zwei Stunden Zeit, unsere Sachen zusammenzupacken“, erinnert sich Kurt Maier. Kippenheim gehört zu den wenigen Deportationsorten, an denen am 22. Oktober 1940 die Abholung der Jüdinnen und Juden fotografiert wurde. Eine dieser Aufnahmen zeigt, wie die Familie Maier zu einem der bereitstehenden Lastwagen geht, die die Kippenheimer Jüdinnen und Juden, insgesamt 30 Personen, zum Offenburger Bahnhof fuhren. Dort wartete einer von 9 Sonderzügen, die 7.000 badische, Pfälzer und saarländische Jüdinnen und Juden nach Südwestfrankreich brachten. Am Endbahnhof Oloron-Sainte-Marie am Rande der Pyrenäen standen wieder Lastwagen, die alle Deportierte in das 20 Kilometer entfernte Barackenlager Gurs fuhren. Die Lagerleitung war auf die Ankunft von so vielen Menschen nicht vorbereite, Hunger und Seuchen machten sich breit. Hermann Auerbacher gehörte mit seinen 73 Jahren zu den ersten Opfern der im Lager herrschenden verheerenden Lebensbedingungen. Doch trotz aller Widrigkeiten, die der Familie Maier widerfuhr, hatte sie auch Glück: Dank einer Bürgschaftserklärung amerikanischer Verwandter wurde sie 1941 aus dem Lager entlassen, um legal über Marseille und Portugal in die USA auswandern.
Seit 2005 bis zum Jahr 2019 besuchte Kurt Maier auf Einladung der Evangelischen Landeskirche und die Erzdiözese Freiburg im Oktober alljährlich seine badische Heimat. Er sprach als Zeitzeuge vor Schulklassen und hielt Vorträge in Kirchengemeinden über seine Kindheit in Kippenheim und über das Leben im Lager. Im Jahr 2010 wurde er mit dem baden-württembergischen Verdienstorden für sein Engagement für das Gedenken an die Deportation vom 22. Oktober 1940 geehrt. 2019 zeichnete ihn die Bundesrepublik Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus.
Quelle Text: Jürgen Stude
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Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025