Biography of Samuel, Minna, Alfred and Bernhard Moses
Haagener Str. 6 (ehemals Wilhelmstraße), Lörrach
Samuel Moses wurde am 5. Dezember 1882 als Sohn von Marie und Jakob Moses in Kirchen, heute Efringen-Kirchen, geboren. Bis zum Sommer 1892 ging er in Kirchen in die Volksschule. Ab 1892 besuchte er das Hebel-Gymnasium in Lörrach, wo er das Abitur als Jahrgangsbester abschloss. Im Anschluss studierte er Medizin in Freiburg, München und Berlin. Am 12. August 1909 eröffnete Dr. Moses eine Arztpraxis in Lörrach.
Von August 1914 bis 1918 war er Offizier und Stabsarzt, u.a. im 5. Badischen Infanterie-Regiment 113 und im 3. Bayerischen Landwehr Infanterie Regiment. Hierbei leistete er mehrfach Kriegseinsätze u.a. in Lothringen und Flandern, sowie Einsätze als Arzt in verschiedenen Lazaretten. Samuel Moses war Träger des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse, sowie der Badischen Verdienstmedaille.
Am 18. November 1918 aus der Armee entlassen, annoncierte er bereits am 22. November 1918 im Oberbadischen Volksblatt („Aus dem Felde zurück!“) die Wiederaufnahme seiner Arbeit als Arzt in Lörrach in der Wilhelmstr. 6, heute Haagener Straße.
Im Jahr 1918 gründete und leitete er ein Kinder- und Säuglingsheim in Lörrach, zunächst in der Herrenstr. 8, ab November 1926 im Haus am „Blauenblick“.
Nach seiner Rückkehr war er in Lörrach als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und ab 1919 als Mitglied des Lörracher Bürgerausschusses auch politisch aktiv. Im Jahr 1920 heiratete er Mina Günzburger.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten waren er und seine Familie unmittelbar Repressalien ausgesetzt. Am 1. April 1933 erfolgte in Lörrach ein „Werbeumzug“ der SA und SS gegen jüdische Geschäfte. Bei dieser Aktion wurden auch zwei Männer der SS vor der Praxis und Wohnung von Dr. Moses in der Wilhelmstr. 6 postiert. Drei Wochen später verlor er auf Grund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit das Amt des Kinderheimarztes im Blauenblick und war im Lörracher Bürgerausschuss „nicht mehr erwünscht“. Der NS-Bürgermeister Reinhard Boos verhinderte 1935 zudem die Ausgabe von Behandlungsgutscheinen durch das Städtische Fürsorgeamt an Patienten von Dr. Moses. Von mindestens einer Krankenkasse wurden nicht-jüdische Patienten wegen Arztbesuchen bei Dr. Moses verwarnt und mit Anzeige bei den Behörden bedroht. Der Familie wurde somit direkt und indirekt die Lebensgrundlage entzogen.
In Erahnung der weiter eskalierenden Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten gegen die jüdischen Bürger (Reichkristallnacht am 9. November 1938, Deportation der badischen Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs) verkaufte Dr. Moses am 19. August 1938 Haus und Besitz und bereitete die Emigration seiner vierköpfigen Familie in die USA vor. Anfang September 1938 verließ die Familie Europa mit dem Passagierschiff Veendam via Rotterdam und erreichte am 13. September 1938 New York.
Der berufliche Neuanfang in den USA war für Samuel Moses jedoch schwierig, denn um in den USA als Arzt tätig sein zu dürfen, musste er zunächst eine ärztliche Staatsprüfung ablegen. Dies gelang ihm bereits im Jahr 1939, trotz der sprachlichen Herausforderung. Er praktizierte noch im Alter von über 80 Jahren in New York als Arzt.
Dr. Samuel Moses verstarb am 21.Januar 1969 in Fullerton, Orange County, Kalifornien, USA.
Minna Moses musste sich an eine ganz andere Lebenssituation gewöhnen, als sich die Familie im Stadtteil Bay Ridge in Brooklyn, N.Y., niederließ. Minna (wie sie ihren Namen in den USA buchstabierte) wusste vor ihrer Migration nur wenig über das Kochen, wurde aber zu einer ausgezeichneten Köchin von Gerichten wie Sauerbraten, Chicken Pot Pies, Obstkuchen und Haselnusskeksen. Sie bereitete das Mittagessen für Dr. Moses vor, das genau zur Mittagszeit fertig war, wenn er für eine zweistündige Pause in seinem Büro nach oben kam - oft eine Wurst von einem ausgezeichneten deutschen Metzger in der Nachbarschaft, wo Frau Moses gerne Deutsch mit dem Ladenbesitzer sprach. Frau Moses freute sich sehr über die gelegentlichen Besuche ihrer Schwester Ella in New York, deren Grande-Dame-Stil als vollendete Künstlerin im Gegensatz zu ihrer eigenen Bescheidenheit stand.
In ihrem ruhigen Wesen war Minna Moses auch eine kultivierte Frau, die gerne Romane in französischer Sprache las. Ihre fünf Enkel erinnern sich an sie als eine sanfte, liebevolle Frau, die gerne mit ihnen spielte, oft mit einem Funkeln in ihren blauen Augen.
Alfred J. Moses wurde am 5. Februar 1921 in Lörrach als Sohn von Dr. Samuel N. Moses und Mina M. Moses geboren. Er war Schüler des Hebel-Gymnasiums Lörrach, bis seine Familie 1938 in die USA emigrierte als er 17 Jahre alt war. Während des Zweiten Weltkriegs diente er in der U.S. Army im Kampfeinsatz als Mitglied der Light Mechanized Cavalry in Europa und im Fernen Osten und wurde mit dem Purple Heart ausgezeichnet, nachdem er durch eine Granate verwundet worden war.
Nach dem Krieg erwarb er einen Bachelor-Abschluss in Chemie an der New York University und 1951 einen Master of Science an der Iowa State University. Er heiratete 1951 Alice Atwood und bekam mit ihr einen Sohn, Samuel.
Er lebte in Südkalifornien und begann eine 20-jährige Karriere in der Nuklearwissenschaft und der Luft- und Raumfahrt, veröffentlichte vier Bücher über Nuklearchemie und verfasste zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Er arbeitete für große Unternehmen, unter anderem für General Electric in der Abteilung für Flugzeug-Nuklearantriebe und bei Westinghouse Electric, wobei er sich auf Nuklearantriebe und Kernkraft spezialisierte. Sein Schwerpunkt war die Entwicklung von Reaktoren und der Brennstoffzellentechnologie.
Im Alter von 51 Jahren begann er 1972 eine zweite Karriere als forensischer Wissenschaftler und arbeitete als Experte für das kalifornische Justizministerium. Sein Spezialgebiet war die Analyse von überwachungspflichtigen Stoffen. Herr Moses sagte häufig vor Gericht aus.
Alfred Moses wurde auch als versierter Briefmarkensammler bekannt. Er arbeitete bis zu seinem Tod im Alter von 83 Jahren. Als er am 7. April 2004 starb, fand man ihn an seinem Esszimmertisch sitzend, die Morgenzeitung lesend und für die Arbeit gekleidet. Zu diesem Zeitpunkt war er der älteste Mitarbeiter des kalifornischen Justizministeriums.
Bernhard Ludwig Moses, oder Bernard Lewis Moses, wie er die meiste Zeit seines Lebens genannt wurde, wurde am 1. Februar 1924 in Lörrach als Sohn von Dr. Samuel N. Moses und Mina M. Moses geboren. Er war einer von zwei jüdischen Schülern in seiner Klasse am Hebel-Gymnasium, wo er sich durch seine Lernleistungen auszeichnete. Mit seiner Familie floh er aus Deutschland und kam im September 1938 in Brooklyn, New York, an.
Bernhard L. Moses diente im Zweiten Weltkrieg als Übersetzer für die 82. Luftlandedivision der US-Armee im europäischen Kriegsgebiet. Als Gefreiter erster Klasse beaufsichtigte er den Speisesaal der Offiziere in Berlin, da er die deutsche Sprache beherrschte.
Nach dem Krieg erwarb er einen Bachelor-Abschluss an der Long Island University und einen Master-Abschluss in europäischer Geschichte an der Columbia University. Er entschied sich gegen das Angebot einer Geschichtsprofessur und begann eine Karriere als Manager bei der New York City Housing Authority, die Sozialwohnungen für mehr als 400.000 Arme und aus der Arbeiterklasse stammende Einwohner betreibt. Nach seinem Erfolg bei der Verwaltung eines Wohnkomplexes in einem der ärmsten Viertel der Stadt während der städtischen Unruhen in den 1960er Jahren, wurde er in der Zentrale in verschiedene Positionen befördert, u.a. als Forschungsdirektor, als Leiter der Modernisierungsabteilung und schließlich als Verwaltungsdirektor, der für den Betrieb von 175.000 Wohnungen zuständig war.
Er heiratete 1951 Anne Muscato, mit der er vier Söhne, Paul, James, David und Andrew, und sieben Enkelkinder hatte. Während seines Ruhestands widmete er sich der Fotografie, insbesondere der Landschaftsfotografie, und unternahm zahlreiche Reisen. Er genoss Reisen in den amerikanischen Westen, wo die hohen Berge ihn an seine Jugend erinnerten, und an Europa.
Da die Erfahrung so schrecklich gewesen war, sprach Bernhard Moses wenig über das Aufwachsen unter der Naziherrschaft. Er sprach auch nicht über seinen Militärdienst, sondern erinnerte sich nur an einige Fälle, in denen er Zeuge des Leids wurde, das der Krieg in Deutschland verursacht hatte. Er hegte keine Feindseligkeit; in seinen späteren Jahren äußerte er sich positiv über die Maßnahmen, die Deutschland zur Bewältigung der Nazigräuel ergriffen hatte. Während einer Reise durch die Schweiz verbrachte er einige Stunden in Lörrach, sprach danach aber nicht darüber.
Barnhard Moses starb am 27. April 2012 und wird für seinen langjährigen Einsatz für die Bewohnerinnen und Bewohner New Yorker Sozialwohnungen in Erinnerung bleiben.
Quelle. Lörrach.de Autoren: Paul Moses und Michael Kuhn-Sonnenfroh
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