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Familie Potoker

Biography of Kalman Potoker, Chaja Potoker and 3 more

Eisenbahnstr. 21
Familie Potoker

Kalmann Potoker wurde am 10. Oktober 1879 in Czortkow geboren. Seine Ehefrau Chaja Rifka Rudner kam am 17.September 1878 in Tarnopol zur Welt. Beide kamen um die Jahrhundertwende aus dem damaligen österreichischen Kronland Galizien nach Leipzig. Hier wurden ihre drei Söhne geboren: Rudolf am 17. Februar 1909, Artur am 5. September 1910 und Jonas am 26. Januar 1917.
Kalmann Potoker betrieb eine Kohlenhandlung. In den alten Gewerbeverzeichnissen erscheint Kalmann als Karl Hochmann, was vermutlich ein Ausdruck der Assimilation an die deutsche Gesellschaft darstellt. Im Jahr 1926 wurde die jüdische Familie eingebürgert. Zu dieser Zeit engagierte sich Kalmann in der Sozialdemokratischen Partei.
Durch die zielgerichtete Ausgrenzung jüdischer Bürger aus der Gesellschaft nach 1933 muss bei der Familie Potoker relativ früh der Entschluss gereift sein, Deutschland zu verlassen. Anfang September 1935 flüchtete die Familie bis auf Rudolf nach Madrid. Hier bekamen sie eine Schiffspassage nach Chile und konnten Europa verlassen.
Durch die weltpolitischen Verhältnisse stand Rudolf Potoker eine Odyssee über viele Länder bevor. Er ging 1933 nach Dänemark und studierte Sport an der damals neu erbauten Hochschule für Gymnastik in Ollerup. Durch die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft im Jahr darauf konnte Rudolf nach dem Abschluss des Studiums 1935 nicht zurück nach Leipzig. Es begann ein Leben als staatenloser Emigrant mit Aufenthalten in Litauen, England, Belgien, Schweiz, Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Von hier aus konnte er 1938 als Korrespondent der sozialdemokratischen Zeitung „Pravo lidu“ Europa verlassen und in Argentinien arbeiten. Nach der Annexion der Tschechoslowakei im März 1939 musste die Zeitung ihr Erscheinen einstellen. Rudolf wurde Sportdozent bei der argentinischen Armee. Nach dem Militärputsch 1943, der sich auch gegen Demokraten und Juden richtete, verlor er seine Arbeit und wurde 1944 nach Uruguay abgeschoben.
Nach dem Krieg ging Rudolf Potoker zurück in die Tschechoslowakei und wollte den dortigen Neuanfang als Journalist begleiten. Desillusioniert, auch durch den praktizierten Antisemitismus im sowjetischen Machtbereich, ging er im Herbst 1949 nach Dänemark und zwei Jahre später nach Stuttgart.
Alle Geschwister wurden kaum älter als 50 Jahre.

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