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Sigismundstr. 21

Biography

Arthur Godlewsky wurde am 18. Mai 1892 in Sulzbach/Oberpfalz als Sohn des Vorsängers und Religions­lehrers Meir (Mayer) Godlewsky und seiner Ehefrau Luise Kleinbauer geboren. Meir war am 23. Januar 1867 in Schradeck im Kurland (heute: Srednik, Bezirk Kaunas, Litauen) geboren worden. Luise Godlewsky, geborene Kleinbauer, war am 27. Januar 1872 in Sulzbach zur Welt gekommen, sie starb nach "kurzem, schmerzhaften Leiden" –- wie es in der Traueranzeige im Neumarkter Tagblatt am 3. Oktober hiess - am 1. Oktober 1909 in Neumarkt in der Oberpfalz.

Die Familie Godlewsky war im 19. Jahrhundert im Raum Amberg/Würzburg durch mehrere Kantore und Lehrer, neben Meir noch Moses, Leopold und Elias, vertreten. Moses, Leopold und Elias waren orthodoxe Juden. Meir und Arthur waren wohl eher stark konservativ. Der Name Godlewsky ist in Polen verbreitet, gilt jedoch nicht als typisch jüdisch.

Meir zog mit seiner Familie 1915 von Sulzbach nach Cham. Auch dort war er Kantor und Religions­lehrer der israelitischen Kultusgemeinde. 1933 zog Meir mit seiner zweiten Frau Sara, geborene Klein­bauer, zur Tochter Irma Kaiser (geboren am 21. Juni 1901 in Neumarkt) nach Plauen. Meir ist dort im Einwoh­ner­verzeichnis als Hauslehrer i.R. geführt.

Arthur Godlewsky belegte 1909 bis 1910 einen vorbereitenden Kurs (Thora, Talmud) in der Jeshiva (Religionsschule) von Höchberg bei Würzburg, danach das Jüdische Lehrerseminar in Köln, wo er 1912 die Abschlussprüfung mit der Note 2-3 bestand.

Im Oktober 1913 begann sein Militärdienst in Metz beim 2. Bayerischen Fussartillerie-Regiment. In seiner Militärstammrolle ist als Heimatort Neumarkt angegeben. Er machte den ganzen Krieg als Front­kämpfer mit, so kämpfte er vor Verdun und in der Somme-Schlacht 1916. Ein Jahr später wurde er gasvergiftet, doch kehrte er nach einem Lazarettaufenthalt an die Front zurück. Ihm wurden das "Eiserne Kreuz II", das "Bayerische Verdienstkreuz mit Schwertern" und das "Ehrenkreuz für Frontkämpfer" verliehen.

Nach dem Kriege ging er nach München, wo er als Freikorpskämpfer gegen die Spartakisten kämpfte, ebenso in Rosenheim, Kolbenmoor und Bad Aibling. Es ist wenig bekannt, dass an der gewaltsamen Nieder­werfung der bayerischen Räterepublik auch, wie Arthur Godlewsky, national-konservativ gesinnte, jüdische Freikorps­mitglieder teilnahmen, denn führende Protagonisten der linken Räterepublikaner waren jüdischer Herkunft (Eisner, Toller, Mühsam). Nach der blutigen Nieder­schlagung im Jahre 1919 verstärkte sich deswegen die antisemitische Welle.

1921 heiratete Arthur Godlewsky in Rexingen Elsa Lemberger. Die bürgerliche Heirat erfolgte am 21. Januar in Rexingen, die religiöse in der Synagoge am 25. Januar 1921. Als Wohnort ist für Arthur Rülzheim/Pfalz angegeben. Dort war Godlewsky als Kantor und Religionslehrer tätig und hatte daneben von Februar 1921 bis Januar 1927 noch ein Schuh- und Sport­artikelgeschäft. In einem Schreiben vom 8. April 1921 bestätigt der Israelitische Kultusvorstand von Rülz-heim, dass Arthur Godlewsky laut Zeugnis staatlich geprüft ist und beantragt, ihn daher auch den israeli-tischen Religionsunterricht an den Mittel- und Volks-schulen von Germersheim und Leimersheim erteilen zu lassen. Wegen staatlichen Geldmangels verlor er diesen Posten allerdings 1925. In Rülzheim, wie auch an anderen Orten, waren die Kantore gleichzeitig Schächter, d. h. sie waren für das rituelle Schlachten der nach den jüdischen Speisegesetzen erlaubten Säugetiere und Vögel zuständig. Ein Schächter hatte zuvor vor dem Rabbiner eine Prüfung abzulegen und erhielt dann ein Schächtdiplom.
GGedenkstele in Konstanz, Sigismundstrasse. Auch die Namen von Arthur und Elsa Godlewsky sind dort eingraviert. Der amtliche Vorname Von Else GODLEWSKY ist "Elsa", bekannt war sie aber nur als "Else".

Ab Februar 1927 wurde Arthur in Bruchsal-Untergrombach als Religionslehrer, Vorsänger und Schächter tätig. Eines seiner Schächtmesser ist dort noch aufbewahrt. Er wohnte mit Ehefrau Elsa und Schwägerin Frieda Lemberger im Bethaus. Eine Nachbarin kann sich noch gut an das Ehepaar und Frieda erinnern. Während Elsa sehr offen war und guten nachbarschaftlichen Umgang pflegte, war Arthur eher verschlossen und ging seine eigenen Wege.

1930 zog das Ehepaar Godlewsky nach Karlsruhe-Durlach. Nach dem Tod des dortigen Lehrers und Rabbiners Ehrlich erteilte er am Markgrafen-Gymnasium jüdischen Religions­unterricht. Er lehrte Hebräisch, biblische und jüdische Geschichte und Religionslehre und vergab auch Zeugnisnoten. Er betreute alle Schüler der israelitischen Gemeinde Durlach/Grötzingen.

Eine seiner Schülerinnen, Frau Ruth Gruenberg, geb. Kuttner, heute in Neusee­land lebend, erinnert sich noch seiner. Er sei ein sehr kenntnisreicher Mann gewesen, aber als sie sich für Bat Mizwa (Die Feier zur Religionsreife der Mädchen, entsprechend Bar Mizwa für Jungen, war von Reformjuden eingeführt worden!) interessiert habe, hätte er ihr weiteren Unterricht verweigert, da er sehr konservativ eingestellt war. 1934 wurde er als Jude aus dem staatlichen Schuldienst entlassen.

1935 wohnte das Ehepaar in der Fechtstrasse 2, ab 1937 in der Pfinzstrasse (Adolf-Hitler-Strasse) 84. Von der israelitischen Gemeinde eingestellt, gab er dann noch verbliebenen jüdischen Kindern Unterricht. 1938 wurde Godlewsky nach Konstanz versetzt, da der dortige Lehrer und Kantor Bravmann mit seiner Familie in die USA ausgewandert war. Er wohnte dort mit seiner Frau in der Sigismundstrasse 21, direkt neben der Synagoge. Er sollte auch die Kinder der jüdischen Gemeinde im schweizerischen Kreuzlingen betreuen und stellte 1938 einen Passantrag. Er wurde jedoch abgelehnt.

Als die Synagoge in Konstanz in der Nacht zum 10. November 1938 von der SA zerstört wurde, wurden alle jüdischen Männer davor gestellt und bespuckt und geschlagen. Arthur Godlewsky wurde beschuldigt, sie angezündet zu haben. Entsprechend wurde er misshandelt und wie die anderen jüdischen Männer nach Dachau gebracht. Nach wie vielen Wochen er genau nach Konstanz zurückkam, ist nicht bekannt.

Er unterrichtete dann noch die immer kleiner werdende Zahl der jüdischen Kinder. Seine letzte Schülerin war Frau Paula B., geb. Goldlust, jetzt in den USA lebend. Sie bezeichnet ihn als freundlichen, sehr ernsthaften Mann, der interessanten Unterricht gab. Das Ehepaar Godlewsky hatte keine Kinder.

Am 22. Oktober 1940 wurden sie und Stiefmutter Sara nach Gurs deportiert.

Persönliche Einzelheiten aus dem Lager Gurs sind nicht bekannt. Die Verhältnisse waren jedenfalls äusserst beklemmend und sind mehrfach beschrieben worden. Im März 1941 kam zunächst Sara, im Januar 1942 auch das Ehepaar in das Lager Noé. Aus einem Brief von Fanny Speyer, einer Verwandten, geht hervor, dass die Familie ab und zu etwas Geld aus der Schweiz bekam, wofür sie dann dringend benötigte Lebensmittel kaufen konnten.

Am 7. oder 9. August 1942 wurden Arthur und Elsa in das Lager Drancy bei Paris gebracht und am 28. August 1942 mit Transport Nr. 25 nach Auschwitz gesandt. Von den 983 Juden dieses Transports wurden 71 arbeitsfähige Frauen "zurückgestellt", die anderen gleich ermordet.

Arthurs Vater Meir Godlewsky war mit nach Konstanz gezogen und dort am 27. September 1939 eines natürlichen Todes gestorben. Er wurde auf dem Israelitischen Friedhof in Konstanz beerdigt. Sein Grab ist erhalten geblieben.

Stiefmutter Sara erlebte das Kriegsende im Lager Noé. Danach war sie zunächst bei Verwandten in Toulouse und ging dann zu ihrer Stieftochter Irma Kaiser nach England. Dort starb sie nach 1955.

Die Stadt Konstanz ehrte die jüdischen Depor­tierten durch eine Stele, die im Jahr 2005 in der Nähe der in der Pogromnacht November 1938 zerstörten Synagoge aufgestellt wurde. Arthur, Elsa und Sara sind darauf verzeichnet.

Das Schicksal von Arthur und Elsa beweist den verbrecherischen Wahnsinn und die Absurdität der Nazi-Politik. So wurde z.B. mit Arthur ein harmloser Bürger mit ausgesprochen deutsch-nationaler Einstel­lung umgebracht, von der sowieso schuldlosen Elsa ganz zu schweigen. Ein zusätzliches, makabres Schicksalsdetail: Arthur wurde 1917, für sein deutsches Vaterland kämpfend, an der Westfront gasvergiftet, 25 Jahre später steckte ihn sein Vaterland in eine Gaskammer!

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Elsa Godlewsky wurde am 18. April 1895 geboren.

Ihr Vater Sigmund, genannt Siegfried Lemberger (16. Januar 1863 - 23. Dezember 1941), war Viehhändler und stammte aus einer alten Rexinger Familie. Sein Grabstein ist auf dem dortigen jüdischen Friedhof erhalten. Elsas Mutter war Fanny Bensinger, die am 3. November 1867 geboren wurde. Die Hochzeit der Eltern fand 1891 in Offenburg statt. Fanny Lemberger wurde am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und später für tot erklärt.

1921 heiratete Elsa Arthur Godlewsky. Die bürger­liche Heirat erfolgte am 21. Januar in Rexingen, die in der Synagoge am 25.1.1921.

Elsas Bruder Isidor Siegfried und Schwester Mina wurden wie ihre Ehemänner Holocaust-Opfer, dagegen konnten Bruder Karl und Schwester Frieda in das damalige Palästina auswandern. Karl und seine Frau Thea Wälder lebten wie viele Emigranten aus Rexingen in Shavei Zion. Nachkommen von Karl und Thea, sowie von Frieda und ihrem Ehemann Arthur Heimann leben heute in Israel. Vor ihrer Hochzeit verbrachte Elsa einige Zeit in München (1916), Gross-Gerau (1917) und Würzburg (1919).
Gedenkstele in Konstanz, Sigismundstrasse. Auch die Namen von Arthur und Elsa Godlewsky sind dort eingraviert. Ihr amtlicher Vorname ist "Elsa", bekannt war sie aber nur als "Else".

Gedenkstele in Konstanz, Sigismundstrasse.
Auch die Namen von Arthur und Elsa Godlewsky sind dort eingraviert.
Ihr amtlicher Vorname ist "Elsa", bekannt war sie aber nur als "Else".

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Ich heiße Beatrice Bravmann-Muhlfelder und wurde am 13. September 1927 als Beate Bravmann in der Sigismundstraße 21 in Konstanz als Tochter des Kantors Jakob Bravmann und seiner Frau Flora geboren.

Ich verlebte eine fast unbeschwerte schöne Kindheit in Konstanz und kann mich noch immer gut an Spiele im Sandkasten im Stadtgarten und an Sonntagsspaziergänge am See mit meinen Eltern erinnern, auch an die „Gundele" (= Ruderboote), die in der Nähe des Konzils verankert waren. Ich hatte auch ein paar christliche Freundinnen, aber nur, als ich klein war, dann hat das aufgehört. Später durften christliche Kinder nicht mehr mit uns spielen. Aber es waren ja viele Jungen da, jüdische Jungen, die in meinem Alter waren. Da habe ich mit denen gespielt, und das war gar nicht so schlecht. Ich war ein wildes Mädchen und zeigte ihnen, wie man auf Bäume klettert. Der Synago­gengarten war mein Garten!

Mit etwa 6 Jahren wurde ich in der Wallgutschule eingeschult, die damals eine Mädchenvolks­schule war. Denke ich an meine Schulzeit, kommen mir viele gute Erinnerungen in den Sinn. Noch immer erinnere ich mich an eine Lehrerin Berta Gohm, die in mein Poesiealbum schrieb: „Je gebildeter die Menschen sind, desto einfacher und natürlicher bewegen sie sich."

Viele meiner Freundinnen wie Ruth Kleissle, Liselotte Grimm, Elfriede Futterer und ganz besonders die Stief-Zwillinge Waltraud und Christel sind noch immer in meinem Gedächtnis. Wenn ich heute mein gerettetes Poesiealbum aufschlage, ihre Einträge lese und die Glanzbildchen ansehe, stehen sie alle wieder vor meinen Augen. Ich kann nicht sagen, dass ich damals unglücklich war.
Beate BRAVMANN mit FreundInnen, 1937

Mein Vater war mit dem Rektor der Wallgutschule gut befreundet und gab einige Jahre lang in dieser Schule jüdischen Religionsunterricht. Leider habe ich vergessen, wie der freundliche Rektor hieß.

Es war damals üblich aufzustehen und „Heil Hitler" zu sagen, wenn der Lehrer in die Klasse kam. Da rief mich der Rektor in sein Büro und sagte: „Du musst nur aufstehen, du brauchst nicht ‚Heil Hitler’ zu sagen." Als ich ihm 1938 mitteilte, dass wir nach Amerika gehen, sagte er: „Das ist ja wunderbar!" Dann fragte er: „Norden oder Süden?" Ich war damals 10 Jahre alt, was wusste ich vom Norden oder Süden? Ich wusste ja nicht einmal, dass es zwei Amerika gab. (2)

1933 ging ich einmal mit meiner Mutter spazieren. Als wir zum Bodanplatz kamen, sahen wir einen Trupp Männer in braunen Hemden und schwarzen Stiefeln die Hüetlinstraße herauf­marschieren. Sofort schnappte mich meine Mutter bei der Hand und brachte mich zu Freunden nach Kreuzlingen. Damals verstand ich nicht, warum sie so besorgt war und sich so ängstigte. Kurze Zeit später erzählten mir meine Eltern, dass mein Bruder Siegbert nach Amerika gehen werde. Meine Eltern hatten gesehen, dass es für einen Juden seines Alters in Deutschland keine Zukunft gab.

Mein Kinderzimmer in unserer Wohnung Sigismundstraße 21 lag zur Synagoge hin. In den frühen Morgenstunden des 1.November 1936 drangen Unbekannte in die Synagoge ein und verwüsteten sie schrecklich. Ich wachte von einem lauten Knall auf, aber erst als die Menschen auf der Straße riefen „Die Judenkirche brennt, die Judenkirche brennt!", begann ich langsam zu erfassen, was geschehen war. Später saß ich auf dem Randstein vor Guggenheims Haus (der Synagoge gegenüber) mit Peter Guggenheim und beobachtete, wie die Feuerwehrleute das Feuer löschten. Rauch war überall um uns.

Selbst heute noch erinnere ich mich bei Brandgeruch an diesen Morgen! Die Thorarollen lagen auf dem Boden, mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt. Die schönen schweren Kandelaber waren in zwei Teile zerbrochen. Ich erinnere mich, dass Dr. Guggenheim in das brennende Gebäude ging und eine Thorarolle rettete. Er nahm sie mit nach Hause, um sie in Sicherheit zu bringen.

Als die Guggenheims später Konstanz verließen, um in die USA zu emigrieren, gab Dr. Guggenheim mir die Thorarolle, um sie in unsere Wohnung zu bringen. Für ein Mädchen mit 9 Jahren war die Aufgabe, ein solch heiliges Objekt die Treppen hinunter, über die Straße und bei uns die Treppen hinauf zu unserer Wohnung zu tragen, eine ebenso beängstigende wie überwältigende Erfahrung, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.(3)

1936 kam die Lieblingsschwester meiner Mutter nach Konstanz, um uns mitzuteilen, dass sie und die ganze Familie Karlsruhe verlassen würden, um in die USA zu emigrieren. Ich weiß, wie schwer es für meine Mutter war, ihr Auf Wiedersehen zu sagen, nachdem sie schon meinem Bruder, ihrem Sohn, Lebewohl gesagt hatte. Mein Vater zögerte noch, die Stadt jetzt zu verlassen, weil Rabbiner Dr. Chone Konstanz verlassen hatte, um nach Palästina zu emigrieren. Er fühlte sich für Gemeinde und Synagoge verantwortlich

Soweit ich mich erinnern kann, haben meine Eltern nie mit mir über die Vorgänge und die Lage in Deutschland gesprochen. Ich weiß heute aber nicht genau, ob es wirklich so war oder ob ich es einfach verdrängt habe. Ich merkte schon, dass meine Familie mehr in der Schweiz, in der Umgebung von Kreuzlingen, spazieren ging, weil wir Juden waren und es dort sicherer für uns war. Jedenfalls verließen wir 1938 Konstanz. Ich weiß nicht mehr, wie ich damals auf die Nachricht reagiert habe, doch weiß ich noch, dass es für mich schwierig war, einige Sachen, die ich liebte, zurücklassen zu müssen: eine wunderschöne Kiefer, das Geschenk der Gemeinde an meine Mutter anlässlich meiner Geburt, und eine Puppen­küche, meine Freude so vieler Jahre.

Wir verließen Konstanz mit dem Zug. Unsere Pässe wurden gestempelt, und dann stiegen wir in Kreuzlingen aus, wo wir ein paar Tage bei den Bergheimers, Freunden meiner Eltern, verbrachten.

In den USA angekommen, wurden wir von meinen zwei Tanten und ihren Familien willkommen geheißen. Es war nicht leicht, sich an das neue Land, die neue Sprache, an neue Wege und das neue Leben anzupassen.

Mein späterer Mann Ludwig Muhlfelder, in Suhl/Thüringen geboren, hatte fast drei Jahre in der amerikanischen Armee gedient, in der Ardennenschlacht gekämpft und auch anderswo und war mit vielen Kriegs­aus­zeichnungen heimgekehrt. Ich traf ihn 1946 beim Tanzen. Am 8. Juni 1952 heirateten wir. Nacheinander wurden unsere drei Kinder geboren: 1955 Daniel (Danny), 1956 Barry und 1959 Leslie Flora.

Wir waren eine glückliche Familie. Die Wiegen­lieder, die meine Mutter mir gesungen hatte, sang ich meinen Kindern und meinen Enkel­kindern. Sie sind noch immer in meiner Erinnerung und leben in meinem Herzen.

Ende 1956 zogen wir nach Livingston, N.J., nicht weit von Newark in ein Haus mit großem Garten, wo sich die Kinder austoben konnten. Noch heute wohne ich da, leider ohne meinen Mann, der am 9. Januar 2004 verstarb. (4)

Besuche in Konstanz

Mein Mann und ich kamen einige Male nach Deutschland zurück. Das erste Mal war 1975 von Kreuzlingen aus. Es war eine kurze, traurige und unglückliche Stippvisite, ein Versuch sozusagen, der misslang. Damals dachte ich, dass ich nie wieder zurückkehren würde. 1986 erreichte uns die Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz, Dr. Horst Eickmeyer, und ich kam mit zwei meiner Kinder, Danny und Leslie. Auch mein Bruder Bert und seine Frau Eunice waren eingeladen und kamen mit uns zusammen. Wir wurden herzlich empfangen. Ich war überrascht, an wie Vieles ich mich erinnerte, wie leicht ich meinen Weg durch die Stadt fand. Seit damals kamen wir mehrere Male zu unseren Freunden Roy und Mirjam Wiehn, einmal mit beiden Söhnen und einmal mit unserer Tochter und unserem Schwiegersohn.

Als ich – nach 48 Jahren - 1986 besuchsweise wieder nach Konstanz zurückkehrte, brachte ich jedem meiner Enkelkinder einen Stein von „meinem" See mit. Als jemand in Konstanz zu mir sagte: „Ich könnte nie den See verlassen.", erwiderte ich: „Doch, du könntest es, wenn es um dein Leben ginge." Und noch immer erinnere ich mich an den See und liebe ihn noch immer.

Während meiner Besuche in Konstanz traf ich einige wunderbare Menschen, und mit ihnen in Kontakt zu bleiben, ist etwas Besonderes für mich.

Im Sommer 2008 (in meinem 80. Lebensjahr) kam ich mit meiner ganzen Familie in meine Geburtsstadt zurück, um allen Enkelkindern zu zeigen, wo ihre Großmutter die Kindheit verbracht hat und um zu erklären, warum es für ihre Familie nötig war, die Stadt und Deutschland zu verlassen. Alle Kinder versicherten mir, dass sie noch einmal an den Bodensee kommen möchten.

Im Frühjahr 2009 kam ich auf Einladung der Stadt Konstanz zusammen mit meinem Sohn Danny, um am 22. Mai die Verlegung der Stolpersteine für die Bravmann-Familie vor meinem Geburtshaus in der Sigismundstraße mitzuerleben. Es war ein sehr bewegendes und hoch emotionales Ereignis, doch am ergreifendsten und völlig unerwartet war die Erfahrung, wie hingebungsvoll und liebevoll die beteiligten Menschen sich dieser Aufgabe widmeten. Ihr tiefes Engagement, für die Untaten der damaligen Deutschen Verant­wortung zu übernehmen, ist wirklich erstaunlich.

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Flora Bravmann, geb. Jakob, wurde am 13. Dezember 1889 als Tochter von Lippmann JAKOB und seiner Frau Friederike Fleischer in der kleinen Gemeinde Neidenstein bei Heidelberg geboren. Sie besuchte die dortige Schule und arbeitete später in der Wirtschaft ihres Vaters mit. 1911 lernte sie dort den neuen Kantor der Gemeinde, Jakob Bravmann, kennen und lieben. Sie heirateten am 25. Juni 1911 in Heidelberg.
Jakob und Flora BRAVMANN in Luzern/Schweiz (Hochzeitsreise?)

Am 10. April 1913 wurde ihr Sohn Siegbert geboren.

Nachdem ihr Ehemann 1920 zum neuen Kantor der jüdischen Gemeinde in Konstanz berufen wurde, lebte sie sich schnell und gut in ihre neue Umgebung ein, nahm tatkräftig am Gemeindeleben teil und wurde bald wegen ihrer freundlichen, umsichtigen und hilfsbereiten Art in der Gemeinde sehr geschätzt. Am 13. September 1927 schenkte sie ihrer Tochter Beate in Konstanz das Leben.

Im August 1938 konnte sie mit Mann und Tochter in die USA emigrieren, wohin ihr Sohn Siegbert schon 1933 vorgeschickt worden war.

Die Familie ließ sich in Newark, New Jersey, ganz in der Nähe von New York City nieder. Flora Bravmann hatte es schwer, sich in der Neuen Welt zurechtzufinden, und die Berichte aus Deutschland ängstigten sie sehr. Als ihr Sohn „Bert" 1942 als Freiwilliger in die amerikanische Armee eintrat, wurde ihr Leben noch bedrückender.

Flora Bravmann erlebte noch die Geburt ihrer ersten zwei Enkelsöhne Daniel und Peter Muhlfelder, bevor sie am 26. Februar 1956 in Newark/NJ starb. Ihre am 19. August 1959 geborene Enkeltochter Leslie Muhlfelder trägt den Namen ihrer Großmutter Flora als zweiten Vornamen und ist sehr stolz darauf.

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Jakob Bravmann wurde am 13. Januar 1889 in Unteraltertheim geboren. In dieser Gemeinde südwestlich von Würzburg gab es viele Juden und viele Bravmanns.

In Würzburg absolvierte Jakob eine Ausbildung zum Kantor. Nach dem Abschluss nahm er eine Lehrerstelle in der Gemeinde Neidenstein bei Heidelberg an. Dort lernte er Flora Jakob kennen, verliebte sich und beide heirateten 1911 in Heidelberg.

Am 10. April 1913 wurde ihr Sohn Siegbert geboren.

1920 bot die jüdische Gemeinde Konstanz Jakob die Stelle eines Kantors und Religionslehrers an. (siehe "Dokumente"). Im selben Jahr zog die kleine Familie an den Bodensee, wohnte seitdem einige Jahre in der Bodanstraße und bezog dann im Gemeindehaus in der Sigismundstraße 21 gleich neben der Synagoge eine Wohnung. Hier wurde am 13.September 1927 die Tochter Beate geboren.

Jakob Bravmann war bald ein allseits geachteter und hoch geschätzter Kantor und wurde zu einem bei Kindern und Jugendlichen der Gemeinde beliebten Lehrer. Mit Hingabe leitete er den Synagogenchor und bereitete alle Jungen aus Konstanz und Kreuzlingen auf ihre Bar-Mitzwah vor(1). Er sang bei Beerdigungen und engagierte sich in vielen Bereichen der Jugendarbeit. Noch immer unvergessen sind seine Theateraufführungen. – 1933 veranlasste die wachsende Brisanz der politischen Lage Kantor Bravmann, seinen Sohn Siegbert in die USA zu schicken, wohin ihm die restliche Familie später folgen sollte.

Als Rabbiner Dr. Chone 1935 nach Palästina auswanderte, blieb Kantor Bravmann in Konstanz, obwohl auch er mit seiner Familie und Teilen der Familie seiner Frau die Stadt und Deutschland lieber verlassen hätte. Er fühlte sich jedoch verpflichtet, die Gemeinde nicht ohne Leitung zurückzulassen und arbeitete daher von nun an nicht nur als Kantor, sondern auch als Rabbiner.

Als ein Jahr später – am 1. November 1936 – die Synagoge in der Sigismundstraße verwüstet wurde, war Jakob Bravmann maßgeblich an der Planung für den Wiederaufbau des Gotteshauses beteiligt. Im Juli 1937 konnte es wieder geweiht werden.

Im August 1938 konnte Familie Bravmann gerade noch rechtzeitig zu Verwandten in die USA flüchten und musste die endgültige Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 nicht mehr miterleben.
Die Konstanzer Synagoge wird wenige Tage nach dem Pogrom vom 10. November 1938 abgebrochen

Die Konstanzer Synagoge wird wenige Tage nach dem Pogrom vom 10. November 1938 abgebrochen

In der Neuen Welt war es für Jakob Bravmann schwierig, eine Anstellung als Kantor zu finden. Sein Englisch war nicht gut genug, um zu einer liberalen Gemeinde zu gehen, und sein Jiddisch reichte für eine mehr traditionelle Gemeinde nicht aus. Nach langwieriger Suche – auch bedingt durch die allgemeine Wirtschaftskrise – fand er eine Anstellung als Buchhalter und behielt sie bis zu seiner Pensionierung.

Er starb am 24. April 1964 in Orange/New Jersey, ungefähr 8 Jahre nach seiner Frau, und hinterließ 2 Kinder und 5 Enkelkinder.

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Siegbert Bravmann wurde am 10. April 1913 in Neidenstein bei Heidelberg geboren und verbrachte dort auch seine frühe Kindheit.

1920 zogen seine Eltern mit ihm nach Konstanz, wohin sein Vater als Kantor der jüdischen Gemeinde berufen worden war. Siegbert besuchte hier die Volksschule und das Gymnasium. Während seiner Schulzeit war er ein leidenschaftlicher Fußballspieler. Eines Tages wurde ihm gesagt, er dürfe nicht mehr Fußball spielen, weil er Jude sei. Sogleich beschloss seine Mann­schaft, ebenfalls nicht mehr zu spielen.

Nach beendeter Lehre arbeitete Siegbert Bravmann in der Bäckerei seines Onkels in Karlsruhe.

Als die politische Lage immer schwieriger und zunehmend gefährlicher für Juden wurde, sahen die Eltern ein, dass es für den nun 20jährigen Sohn wichtig war, Deutschland zu verlassen und zu seiner Tante in die USA zu emigrieren. Eine äußerst schmerzliche, aber kluge Entscheidung! Bevor Siegbert Konstanz verließ, prophezeite er seinen Freunden, dass er eines Tages wiederkommen würde, und zwar in amerikanischer Uniform.

Nach Europa kam Bert schon 1936 wieder zurück, wenn auch nur für einige Tage. Die Familie traf sich in Nizza, um den 25. Hochzeitstag der Eltern zu feiern und ein paar Ferientage in Frankreich zu verbringen. Nach Deutschland traute Bert sich in dieser Zeit nicht mehr zurück.

1942 meldete sich Bert als Freiwilliger zur Armee der USA. Er diente als technischer Offizier in England, Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kehrte er – wie vorausgesagt – nach Konstanz zurück und ließ sich in amerikanischer Uniform auf der Marktstätte fotografieren.
Bert BRAVMANN kehrt wie vorhergesagt, in amerikanischer Uniform nach Konstanz zurück. 1945.

Bert BRAVMANN kehrt wie vorhergesagt, in amerikanischer Uniform nach Konstanz zurück. 1945.

Bert kehrte dann ins zivile Leben zurück. Er war zuerst bei seinem Onkel in Newark, New Jersey, angestellt und ging später anderen Beschäftigungen nach. 1950 heiratete er Eunice Rice und wurde Vater eines Sohnes Peter.

Auf Einladung der Stadt Konstanz kehrte Siegbert Bravmann 1986 zusammen mit seiner Frau, seiner Schwester Beatrice Bravmann-Muhlfelder, seinem Neffen Danny und der Nichte Leslie besuchsweise nach Konstanz zurück. Während dieses Aufenthaltes traf er einige frühere Schulfreunde und konnte mit ihnen angenehme Erinnerungen austauschen.

Nach seiner Pensionierung zogen Bert und Eunice nach Massachusetts, um näher bei der Familie ihres Sohnes und bei ihrem Enkel Carl zu sein.

Siegbert Bravmann starb im August 1989.

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Hans Bernhard LEVI, geb. am 20.06.1921 in Konstanz, war das einzige Kind von Max und Rosa Levi.

Nach dem Besuch der Stefansschule (Grundschule) trat Hans Levi am 12.04.1932 in die Sexta (5. Klasse) des Suso-Gymnasiums ein. Das Schuljahr begann damals nach den Osterferien. Hans war ein sehr guter Schüler; er hat mehrere Preise und Belobigungen bekommen. Im Jahreszeugnis von 1935 heißt es über ihn: „Körperliche Veranlagung und Haltung sind gut, ebenso sein Charakter. Fleißiges Streben sowie Leistungen sind erfreulich gut".

Hans Levi verließ das Suso-Gymnasium am 16.10.1935, also mitten im Schuljahr, ohne Angabe von Gründen, und wechselte an die Sekundarschule in Kreuzlingen. Die Gründe für seinen Schulwechsel sind nicht bekannt, man kann aber davon ausgehen, dass die Eltern ihren Sohn Hans in Sicherheit bringen und ihm den Schulabschluss ermöglichen wollten.

Denn nach der Machtübernahme der Nazis wurde der Alltag für Juden in Konstanz zunehmend schwieriger. Systematisch wurden die Juden aus dem gesell­schaftlichen Leben ausgegrenzt. Am 1. April 1933 erfolgte der Boykott der jüdischen Geschäfte. Im August 1933 wurde den Juden verboten, sich auf die Bänke im Stadtgarten oder an der Seestraße, die jetzt Adolf-Hitler-Ufer hieß, zu setzen.

Im Juli 1937 wurde Juden untersagt, im Strandbad Horn zu baden. Im November 1938 wurden jüdische Hotels wie z.B. die jüdische Pension Wieler in der Hebelstraße von der offiziellen Hotelliste der Stadt gestrichen.

Die jüdischen Geschäfte wurden seit 1933 „arisiert". Im Oktober 1935 übernahm z. B. Max Bredl das jüdische Konfektionshaus Merkur am Bodanplatz, im Oktober 1936 ging das Kaufhaus „Klopstock" in der Rosgartenstrasse in „arische" Hände über.

Trotz intensiver Recherchen war es nicht möglich, den weiteren Lebensweg von Hans Bernhard Levi nach seiner Übersiedlung in die Schweiz nachzuverfolgen. Tatsache ist jedenfalls, dass sein Name in den Opferlisten des Holocaust nicht auftaucht. Man kann also davon ausgehen, dass er in der Schweiz oder anderswo überlebt hat.

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Max Levi, geboren am 09. Juni 1876 in Tiengen/Waldshut/Baden.

Tiengen war zum Zeitpunkt der Geburt von Max Levi eine blühende jüdische Gemeinde. Etwa 10 % der Einwohner waren Juden. Es gab eine Synagoge, eine jüdische Schule, eine Mikwe (Ritualbad) und einen jüdischen Friedhof.

Wann das Ehepaar Levi geheiratet hat und wann es nach Konstanz gezogen ist, ist nicht bekannt. Max und Rosa Levi müssen in der Jüdischen Gemeinde aber hochangesehen gewesen sein, weil es ihnen erlaubt war, im Gemeindehaus neben der Synagoge in der Sigismundstraße 21 ein koscheres Restaurant und eine Pension einzurichten. 1940 wurden Patienten der Heilanstalt Reichenau vor ihrem Weitertransport in die Tötungsanstalt Grafeneck in der Pension Levi einquartiert.

Max und Rosa LEVI wurden am 22. Oktober 1940 zusammen mit 108 Konstanzer Juden nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Fast zwei Jahre lebte das Ehepaar unter unbeschreiblichen Lebens­bedingungen im Lager. Im August 1942 wurde Rosa Levi über das Sammellager Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert und dort am 10. August 1942 in der Gaskammer ermordet.

Max Levi blieb der Transport nach Auschwitz wegen seines Alters erspart; es gab einen sogenannten Altenerlass der Vichy-Regierung, der über 60 Jahre alte Juden vom Transport nach Auschwitz freistellte. Über mehrere Stationen kam Max Levi 1942 nach Limoux im Departement Aude, etwa 100 km nordwestlich von Gurs entfernt. Dort fand er Unterkunft in einem Heim für geistig Behinderte, im sogenannten "asile d'aliénés". Hier starb er, zusammen mit Hunderten von Psychiatriepatienten („l'hécatombe des fous"), am 23. Juli 1942 an Unterernährung.

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Rosa Levi, geborene Dreyfuss, wurde am 1. Juni 1884 in Schmieheim bei Ettenheim im Badischen geboren. Auch Schmieheim war damals eine blühende jüdische Gemeinde. Um 1900 waren 29,3 % der Einwohner Juden. Im Ort gab es eine Synagoge, ein Ritualbad (Mikwe) eine jüdische Schule und die Juden hatten ihren eigenen Friedhof.

Wann das Ehepaar Levi geheiratet hat und wann es nach Konstanz gezogen ist, ist nicht bekannt. Max und Rosa Levi müssen in der Jüdischen Gemeinde aber hochangesehen gewesen sein, weil es ihnen erlaubt war, im Gemeindehaus neben der Synagoge in der Sigismundstraße 21 ein koscheres Restaurant und eine Pension einzurichten. 1940 wurden Patienten der Heilanstalt Reichenau vor ihrem Weitertransport in die Tötungsanstalt Grafeneck in der Pension Levi einquartiert.

Max und Rosa LEVI wurden am 22. Oktober 1940 zusammen mit 108 Konstanzer Juden nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Fast zwei Jahre lebte das Ehepaar unter unbeschreiblichen Lebensbedingungen im Lager.

Am 10.08.1942 wurde Rosa Levi mit dem 17. Transport RSHA von Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert.

Der Ankunftstag war der 12.08.1942. Laut dem "Kalendarium der Ereignisse im KZ Auschwitz" von Danuta Czech sind die mit diesem Transport ankommenden Häftlinge noch am selben Tag in die Gaskammern geschickt worden, mit Ausnahme von wenigen "zur Arbeit selektierten" Männern und Frauen. Aufgrund ihres Alters hatte Rosa Levi keine Chance zur Arbeit ausgewählt zu werden, d.h. der 12.08.1942 war mit großer Wahrscheinlichkeit auch ihr Todesdatum, möglich wäre allerdings auch, dass sie auf dem Transport gestorben ist. Es existieren keine Listen der auf dem Transport gestorbenen Häftlinge.

Wir müssen also davon ausgehen, dass Rosa LEVI am 12. August 1942 in der Gaskammer ermordet wurde.

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"Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz"

c/o Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
Katrin Brüggemann, 78462 Konstanz, Hussenstraße 27