Biography of Johanna Kirchner
Johanna Kirchner entstammte einer sozialdemokratischen Familie. Sie erlebte schon als Kind das politische Engagement beider Eltern und trat mit 19 Jahren, also noch vor dem Ersten Weltkrieg, in die SPD ein. Sie engagierte sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Karl Kirchner in der Frankfurter Kriegsfürsorge und betreute dort insbesondere Frauen und Kinder in Not. Als 1919 auf Betreiben von Marie Juchaczder Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt(AWO) gegründet wurde, gehörte Johanna Kirchner zu den Gründungsmitgliedern des Frankfurter Ortsausschusses. Sie gehörte darüber hinaus zu den Hauptorganisatorinnen der Ruhrkinderverschickung 1923 und der Kinderfreundebewegung, die Kindern Zugang zu Bildung und Wissen ermöglichte. In der Endphase der Weimarer Republik galt ihre politische Tätigkeit als Parteisekretärin der Frankfurter SPD vor allem der Erhaltung der Demokratie und dem Kampfgegen den Nationalsozialismus. Nach der Besetzung des Frankfurter Gewerkschaftshauses durch die SA am 2. Mai 1933 emigrierte sie nach Saarbrücken, wo sie in einer Fremdenpension, die die inzwischen ebenfalls emigrierte Marie Juchazc als einen Treffpunkt für Emigranten betrieb, Arbeit fand. Diese Pension befand sich damals in der Bahnhofstraße 80.Die Emigranten konnten hier billig essen und Informationen austauschen. Die Gestapo hatte aber bereits ihre Fühler ins Saargebiet ausgestreckt. Sie beobachtete die Emigrantentreffs und nutze später diese Informationen bei der Suche nach Flüchtlingen im besetzten Frankreich. Johanna Kirchner arbeitete an der Seite von Max Braun gegen den drohenden Anschluss des Saargebietes an Hitler-Deutschland. Ab 1935 war sie in der Flüchtlingsberatung in Forbach tätig. Sie wurde mehrfach verhaftet, konnte aber unter anderem auch mit Hilfe von Johannes Hoffmann, dem späteren saarländischen Ministerpräsidenten, in Frankreich untertauchen, bis sie im Juni 1942 von der französischen Geheimpolizei verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert wurde. Über Saarbrücken, wo sie ihre beiden Töchter noch einmal sehen konnte, kam sie ins Untersuchungsgefängnis Berlin–Moabit. Dort wurde sie zunächst vom Vorwurf des Landesverrats befreit und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf außerordentlichen Einspruch des Präsidenten des Volksgerichtshofs Freisler, der in einem zweiten Schauprozess von wenigen Minuten selbst den Vorsitz führte, wurde Johanna Kirchner zum Tode verurteilt. Sie wurde am 9. Juni 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
All Stolpersteine in SaarbrückenSources & Imprint
Oberbürgermeister Uwe Conradt
Rathausplatz 1
66111 Saarbrücken
Tel. +49 681 9050
E-Mail: stadt@saarbruecken.de