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Heinrich Zepf

Biography of Heinrich Zepf

Heinrich Zepf war ein aufrechter Sozialdemokrat und Gewerkschafter, der seiner Gesinnung während der NS-Diktatur treu blieb und im Untergrund wirkte. Inhaftierungen, Schikanen und Hausdurchsuchungen waren die Folge. Wer war Heinrich Zepf?

Heinrich Zepf wurde am 23. April 1893 in Tuttlingen als Sohn des Schuhmachers Heinrich Zepf und dessen Ehefrau Maria Anna geb. Hepfer geboren. Er arbeitete als Maschinenzwicker bei der Fa. Rieker, wo er auf diese Tätigkeit angelernt wurde. Von 1913 bis Ende 1918 war er beim Militär und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Nach seiner Rückkehr heiratete er am 23. November 1919 Anna Berta Rack, mit der er zwei Kinder hatte.

Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg begann sein politisches Wirken, das zunächst noch unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse stand. Es wundert nicht, dass er der Friedensgesellschaft beitrat und dort Vorstandsmitglied wurde.
Schon in seiner frühsten Jugend war er in sozialistischen und gewerkschaftlichen Jugendorganisationen engagiert. Er trat in die SPD ein, in deren Vorstand des Ortsverbandes er berufen wurde. Als spätestens 1926 eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gegründet wurde, übernahm er dessen Vorsitz. Das Reichsbanner war ein politischer Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik. Seine Aufgabe sah das Reichsbanner hauptsächlich in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen Feinde aus den nationalsozialistischen, monarchistischen und kommunistischen Lagern. Er trat für SPD und Reichsbanner auch als Referent auf.
Zudem war Heinrich Zepf gewerkschaftlich organisiert und war Vorsitzender der Zahlstelle des Verbands Schuhmacher Deutschlands und Vorsitzender des Ortsausschusses der Vereinigten Gewerkschaften (d.A.D.G.B).

Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde er nach der Neubildung des Gemeinderats am 27. April 1933, die analog zu den Wahlergebnissen der Märzwahlen erfolgen sollte, in den Gemeinderat berufen. Dieses Mandat trat er nicht an. Zu diesem Zeitpunkt war ein Teil der berufenen SPD-Mitglieder im KZ Heuberg in Schutzhaft. Auch er war bereits am 28. März 1933 verhaftet worden und bis 14. April 1933 im Gefängnis in Tuttlingen in Schutzhaft.

Als der Gemeinderat sich dann am 8. Mai 1933 neu konstituierte, war er erneut verhaftet mit dem Vorwurf Verbandsgelder der Gewerkschaften veruntreut zu haben. Der Vorwurf seitens der Staatsanwaltschaft wurde im Juli fallen gelassen, da es keine Anhaltspunkte für ein Vergehen gab. Der spätere Gewerkschaftspräsident Fritz Fleck beurteilte die Verhaftung nach dem Krieg als „ganz allgemein betriebene systematische Verhetzung der Nationalsozialisten, um das Ansehen der Gewerkschafts- und Parteifunktionäre zu untergraben.“ Er bewertet das Vorgehen: „Diese Art der Machtergreifung ist eine der dunkelsten und wohl unfairsten Kampfmethoden der damaligen Machthabern“. Heinrich Zepf lehnte das Gemeinderatsmandat ebenso wie seine Parteigenossen ab, da sie zur Einsicht gekommen waren, dass sie nicht erwünscht seien und sie zudem keine Chance sahen, etwas zu bewirken.

Aber auch beruflich spürte er eine Benachteiligung wegen seiner politischen Gesinnung. Auf Wunsch des Gewerkschaftssekretärs Lorenz hatte er in die Schuhfabrik Ernst Reichle gewechselt, um dort die Position der Arbeiter zu stärken. Diese Schuhfabrik wurde im September 1931 liquidiert und Heinrich Zepf wurde arbeitslos. Bei der allgemein angespannten Arbeitslage fand er keine Beschäftigung, da man wohl davon ausging, dass er sich für die Arbeiter einsetzen würde. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP hatte er noch schlechte Karten. Am 21. Mai 1934 fand er dann eine Anstellung bei dem Polierscheibenhersteller Hilzinger-Thum als Holzarbeiter. Diese Beschäftigung wurde freilich wesentlich schlechter entlohnt als seine bisherige als Maschinenzwicker.

Aber bereits im Dezember 1934 wurde er von der Gestapo verhaftet und in das Oberndorfer Gefängnis gebracht. Der Gestapomann Bücheler verhörte ihn und warf ihm illegale Tätigkeiten vor, für die er allerdings bei einer Hausdurchsuchung keine Beweise gefunden hatte. Deshalb wurde er nach einem Tag wieder auf freien Fuß gesetzt. Möglicherweise war der Gestapo zu Ohren gekommen, dass Zepf zusammen mit seinem SPD-Genossen Johannes Hengstler Kontakt zu Parteifreunden in der Schweiz unterhielt und Schriften importierte und verteilte. Mehrmals fanden deshalb Hausdurchsuchungen statt, bei denen aber nichts gefunden wurde.

Sein Freund und Arbeitsamtsdirektor Wilhelm Eisenlohr attestierte ihm im Widergutmachungsverfahren: „Die ganzen Jahre von 1933 bis zum Zusammenbruch 1945 war er gehetzt und verfolgt und hat daraus viel materiellen, seelischen und gesundheitlichen Schaden erlitten.“

Nach dem Hitlerattentat sollte Heinrich Zepf erneut verhaftet werden. Er entzog sich aber dieser Verhaftung durch Flucht. Jetzt wurden seine Frau Berta und sein Bruder Leo in Sippenhaft genommen und ins Gefängnis in Tuttlingen gebracht. Daraufhin stellte er sich und wurde am 23. August 1944 inhaftiert. Erst am 19. September 1944 wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters wurde er Anfang 1945 noch zur Wehrmacht eingezogen und im Volkssturm eingesetzt. Fritz Fleck meinte, dass seine antifaschistische Haltung zu dieser Einberufung Anlass gab. Er kam daraufhin in französische Kriegsgefangenschaft und wurde erst im November 1945 entlassen.
Am 3. September 1949 starb Heinrich Zepf in einer Freiburger Klinik. Fleck meinte im Nachhinein, dass die Kriegsgefangenschaft zur Verschlechterung seines Gesundheitszustandes beigetragen habe. Zepfs Wiedergutmachungsverfahren war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht behandelt und wurde von seiner Familie weitergeführt und erst am 8. April 1960 mit einer Entschädigungszahlung beschieden.

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