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Hamel, Marie

Biography of Marie Hamel

Karl-Liebknecht-Str. 103
Marie Hamel

Marie Hamel, geb. Neumann, wurde am 26.7.1868 im böhmischen Srbsko geboren. Sie besuchte die dortige Dorfschule und verließ bereits im Alter von 14 Jahren ihr jüdisches Elternhaus. In Karolinental bei Prag arbeitete sie als Haushaltshilfe. Im Jahr 1890 ging sie nach Dresden und kochte im Weinrestaurant von Otto Meyer. Hier lernte sie 1892 den neuen Kellermeister des Weinrestaurants Johann Hermann Hamel (Jg. 1867) kennen. Der gelernte Weinküfer (Bau von Holzfässern) stammte aus Grünberg in Schlesien. Im November 1893 wurde geheiratet. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen jedoch drei bereits im Kindesalter starben.
Nach Leipzig kamen die Eheleute im Jahr 1894 und Hermann arbeitete als Küfer bei der Firma "Hut's Nachf." und ab 1903 in der "Hamsterschänke". Im Jahr 1905 übernahm er zusammen mit Marie die Gastwirtschaft in der Johannisgasse 23. Seit 1919 war er auch Eigentümer des Hauses.
Die "Hamsterschänke" als "Angenehmes Familienlokal" mit "Bürgerlichem Mittags- und Abendtisch" beworben, soll jedoch eher eine Studentenkneipe gewesen sein.
Maries' Mann starb im September 1929. Bis 1932 übernahm ihr zweitältester Sohn Paul die Wirtschaft. Nachdem 1937 das Haus in der Johannesgasse abgerissen wurde, zog Marie Hamel in die Südvorstadt in die damalige Adolf-Hitler-Str. 103. Sie wohnte mit ihren Kindern in der Erdgeschosswohnung.
Frau Hamel war sich vermutlich der Konsequenzen ihrer jüdischen Abstammung nicht bewusst. Aktenkundig wurde eine polizeiliche Anhörung und Verurteilung von 1940, da sie den seit 1939 angeordneten Zwangsnamen "Sara" nicht verwendete. Dafür musste man eine verpflichtende Anzeige bei einer Polizeibehörde aufgeben. Frau Hamel gab zu Protokoll: "Ich habe geglaubt, daß ich zur Annahme des Zusatznamens ‚Sara' nicht verpflichtet war, da ich seit dem Jahre 1893 mit dem deutschblütigen Gastwirt Johann Hermann Hamel […] verheiratet war." Im September 1940 wurde sie zu 10 Reichsmark Strafe verurteilt.
In dieser Zeit bemühte sich ihr ältester Sohn Karl intensiv darum, seine Mutter vor der Diskriminierung zu bewahren. In etlichen Briefen an verschiedene Reichsstellen wollte er seiner "[…] alten 72jährigen Mutter die Schande ersparen […]", indem er darauf verwies, "das sie fast seit einem halben Jahrhundert evang. - luth. Glaubens ist." Im Jahr 1901 hatten Marie und Hermann in der Heilig-Kreuz-Kirche in Leipzig-Neuschönefeld ev.-luth. geheiratet.

Diese eheliche Konstellation brachte für Marie Hamel zunächst noch einen gewissen Schutz. Doch Anfang 1944 begannen die Nazis auch jüdische Menschen aus nicht mehr bestehenden sog. "Mischehen" (Scheidung oder Tod der nichtjüdischen Ehepartner) zu deportieren. Am 13.1.1944 wurde Marie Hamel (75 Jahre) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier kam sie zwei Monate später in der "Dresdner Kaserne" am 13.3.1944 ums Leben.

Quellen: Sächsisches Staatsarchiv, Familienunterlagen Lutz Schröter (Enkel von Marie Hamel)

Patenschaft: GTA "Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage" der Louise-Otto-Peters-Schule, Dr. Steffen Bratanow

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