Biography of Lina Richter
Rückkehr ins Unglück
1937 verwitwete Lina Richter, geborene Laupheimer. Sie hatte erst im März 1938 von Hannover kommend eine Wohnung in der Leonberger Str. 18 bezogen. Lina Richter wollte im Sommer 1939 von hier aus in die USA emigrieren. In den Restitutionsakten im Staatsarchiv in Ludwigsburg befinden sich die Listen mit den Gegenständen ihrer Wohnungseinrichtung, die sie am 1. August 1939 zum Beladen eines Umzugscontainers aufgeführt hat. Erst im Oktober 1939 wird der Container von einer Stuttgarter Spedition nach Rotterdam gebracht. Er soll nach New York verschifft werden. Lina Richter wird jedoch noch Ende Oktober 1939 im Zuge der jüdischen „Landumsiedlung“ nach Laupheim ausgewiesen. Die Auswanderung ist nicht mehr möglich. Ihr Container mit der Wohnungseinrichtung wurde wegen des Kriegsausbruchs nicht in die USA verschifft, sondern 1941 wieder zur Spedition nach Stuttgart zurückbefördert. Dort wird er einem Altwarenhändler zum Verkauf übergeben. Ob Lina Richter je einen Bruchteil des Inhalts, der mit einem Wert von 10 000 Reichsmark angegeben worden war, erhalten hat, ist nicht mehr zu ermitteln.
Laupheim, die Stadt mit der einst größten jüdischen Gemeinde in Württemberg, vertrieb im Oktober 1941 alle ihre noch dort lebenden jüdischen Mitbürger aus ihren Wohnungen und Häusern, angeblich wegen „drohender Wohnungsnot“. Regina Laupheimer wurde ins überfüllte jüdische Altersheim eingewiesen.
Frieda und Emma Laupheimer, auch Lina Richter, mussten bitterarm auf engstem Raum im Barackenlager in der Wendelinsgrube leben. Es gab dort weder Wasser noch Strom. „Die alten Juden haben ja nichts Brauchbares mehr besessen. Alles was sie verkaufen konnten, haben sie gegen Essen und Lebensmittel getauscht, weil sie ja nichts mehr kaufen konnten...“ sagt ein Laupheimer Bürger nach dem Krieg aus.
In vier Deportationen wurden die Laupheimer Juden vom dortigen Westbahnhof aus in den „Osten“ gebracht. Mit dem letzten Transport am 19. August 1942 kamen die vier Schwestern Regina, Frieda, Emma und Lina ins Ghetto nach Theresienstadt.
Regina Laupheimer, Frieda Laupheimer und Emma Laupheimer wurden am 26. September 1942 in Treblinka ermordet.
Lina Richter wurde am 21. November 1943 im Ghetto in Theresienstadt ermordet.
Die jüngste der Schwestern, Luise, wurde im Juli 1942 mit ihrem Mann Arthur Grab von Laupheim aus nach Auschwitz deportiert. Luise und Arthur Grab sind dort ermordet worden.
Manfred Laupheimer, der ältere der beiden Brüder, wurde ebefalls am 19. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Er wurde am 29. September 1942 in Treblinka ermordet.
Mit dem letzten Transport vom 19. August 1942 war das jüdische Leben in Laupheim augelöscht.
Gudrun Karstedt
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