Biography of Leo, Anna and Hilda Haberer
Das Schuhhaus der Haberers steht am Urteilsplatz.
Wie schwer es jüdische Kaufleute in Lahr hatten, davon berichtet die Geschichte der Familie Haberer. Am 1. April hieß es auch in Lahr: Kauft nicht beim Juden!
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war es der jüdischen Bevölkerung des Großherzogtums Baden noch nicht gestattet, in Städten zu leben. So lebte der 1844 geborene Kaufmann Karl Haberer mit seiner Frau Auguste als sogenannter Landjude in Friesenheim, vermutlich in der Lahrgasse, wo sie ihre Söhne Leo und Delphine großzogen.
Nachdem der Badische Landtag 1862 den Juden Freizügigkeit zusicherte, zogen immer mehr jüdische Familien nach Lahr. So auch die Haberers mit ihren weiteren Kindern Eugen, Karoline und Max. 1880 gründete er dort in der Friedrichstraße 6 ein Schuhgeschäft.
Das Schuhgeschäft ging dann an den Sohn Leo über. Nach dem Tod Karls 1932 und Augustes 1938 wurden beide auf dem Schmieheimer Judenfriedhof begraben.
Die Brüder »Schuh-Haberer« wurden von den Lahrern sehr geschätzt. Doch auch in Lahr hieß es am 1. April 1933: »Kauft nicht beim Juden!« Wer mit Juden verkehrte, wurde bespitzelt und auch in dem Lahrer rechten Hetzblatt »Grüselhorn« bloßgestellt.
Doch das Schuhgeschäft am Urteilsplatz florierte, ungeachtet der Anfeindungen und der ersten Boykottmaßnahmen, die bereits nach der Machtergreifung der Nazis 1933 griffen. Die antisemitischen Maßnahmen erreichten am 10. November 1938 den Höhepunkt, als infolge der sogenannten Reichskristallnacht aus Rache für die Ermordung des deutschen Legationsrates vom Rath durch den jüdischen Studenten Herschel Grynszpan in Lahr 17 jüdische Männer, darunter auch die beiden Brüder Leo und Eugen Haberer, in Schutzhaft und ins KZ Dachau gebracht wurden. Im Rahmen der euphemistisch als "Reichskristallnacht" bezeichneten Richsprogromnacht wurde auch das Schuhgeschäft der Haberers zertrümmert. Es wurde anschließend von einem SS-Mann übernommen. Als die Habererbrüder im Dezember 1938 aus dem KZ entlassen wurden und aus Deutschland ausreisen sollten, war das Schuhgeschäft bereits verkauft.
Jüdische Hausbesitzer mussten aus anderen Häusern ausgewiesene Juden aufnehmen, es entstanden sogenannte »Judenhäuser« wie das in der Schlosserstraße 5/7, in das auch die Haberers einzogen. Tochter Hilda (geboren 1909) flüchtete 1939 in die USA. Die beiden Schwestern wohnten in einer Dreizimmer-Wohnung in der Moltkestraße 33, als sie nach Gurs abgeholt wurden.
Eugen, Metzgerstraße 1, erlag vermutlich auch den Folgen der Misshandlungen in Dachau 1940 im Alter von 63 Jahren. Seine Tochter Hede flüchtete 1938 ins damalige Palästina.
Die restliche Familie wurde mit 21 Lahrer Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die fünf verbliebenen Familienangehörigen erlitten nun unterschiedliche Schicksale. Offensichtlich wurden alle gemeinsam immer wieder in andere Lager verlegt. Leo Haberer und seine Schwestern Delphine und Karoline kamen auf wundersame Weise aus dem Gurs-Nebenlager Noé frei. Leos Ehefrau Anna wurde im August 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie am 24. August ermordet wurde.
Fanny Haberer konnte aus Gurs am 25. Januar 1941 befreit werden und versteckte sich in einem Kloster. Dort wurde sie im September 1942 von der Gestapo entdeckt, nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Leo Haberer emigrierte nach dem Krieg in die USA, wo er am 23. Oktober 1959 starb. Die beiden Schwestern verbrachten ihren Lebensabend zusammen mit Carl und Caroline Maier in einem Altersheim in Graffenstaden bei Straßburg, wo sie kurz hintereinander verstarben, Delphine am 21. Mai 1961 und Karoline am 25. September 1961.
Alle 3 Stolpersteine wurden am 21.5.2014 verlegt.
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Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Hilda Haberer geb. Wurmser20 m
Selma Wertheimer20 m
Marie Haberer20 m
Berthold Maier70 m
Sofie Bermann80 m
Emma Dreyfuß110 m
Sources & Imprint
Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025