Biography of Wilhelm Bäuml, Chaje Taube Bäuml and 4 more
Humboldtstr. / Ecke Nordstr.
Familie Bäuml
Wilhelm Bäuml wurde am 28.8.1880 In Oslov (Böhmen) geboren. Über Meuselwitz kam er 1905 nach Leipzig. Hier lernte er Chaje Taube Einhorn kennen, die am 25.7.1878 in Bochnia (Galizien) geboren wurde und seit dem Jahr 1900 in Leipzig wohnte. Beide heirateten im Jahr 1909. Ihre erste Tochter Regina wurde am 5.11.1910 geboren. Sohn Bernhard, geboren 1912, starb bereits mit 3 Jahren. Am 26.12.1914 kam ihre zweite Tochter Rosa zur Welt.
Wilhelm Bäuml verdiente den Lebensunterhalt für die Familie zunächst als Markthelfer,
Fotograf, Handlungsreisender und nach dem Krieg als Kaufmann. Seit 1925 war er
Rechtsvertreter und "Gesucheschreiber" in juristischen Belangen. Ab 1935 erwogen die
nationalsozialistischen Behörden seine Ausweisung. Trotz vieler Gnadengesuche musste Wilhelm Bäuml im Juni 1936 nach Prag ausreisen. Hier gelang es ihm nicht, sich eine neue Existenz aufzubauen.
Am 16.10.1941 wurde Wilhelm Bäuml in das Ghetto Litzmannstadt im besetzten Polen
gebracht. Am 20.5.1942 deportierte man ihn nach Theresienstadt, wo sich seine Spur
verliert. Wilhelm Bäuml war 61 Jahre alt.
Seine Frau Chaje Taube Bäuml wurde am 21.1.1942 in das Rigaer Ghetto deportiert und
ermordet. Sie war 63 Jahre alt.
Tochter Regina arbeitete als Buchhalterin in einem Leipziger Kaufhaus. Sie heiratete im Jahr 1934 Max Bobbe, der am 7.2.1908 in Döbeln geboren wurde. Am 15.4.1936 kam ihr Sohn Joachim zur Welt. Max Bobbe war im öffentlichen Dienst beschäftigt und sprach sieben verschiedene Sprachen. Im Zuge der Pogromnacht 1938 wurde auch er verhaftet und in Buchenwald inhaftiert. Unter der Maßgabe, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, wurde er wieder entlassen. Regina flüchtete Ende 1938 nach Brüssel. An Verwandte in den USA schrieb sie: "Inzwischen habe ich das Glück gehabt, ein Visum auf 4 Wochen nach Belgien zu bekommen. Leider kann ich jedoch meine Familie nicht mitnehmen, sodass auch dies nur eine schmerzliche Freude bedeutet. Hoffentlich gelingt es mir, meine Familie recht bald nachkommen zu lassen." Im Mai 1939 folgten ihr Mann und ihr Sohn. Nach dem Überfall der Deutschen auf Belgien im Mai 1940 floh die Familie weiter nach Frankreich. An der Grenze wurden sie als Deutsche verhaftet und in Internierungslager in den Pyrenäen gebracht. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich wurde die Familie endgültig getrennt. Während Mutter und Sohn im Lager Rivesaltes waren, befand sich Max im Lager Cyprien. Dank dem Engagement einer Hilfsorganisation gelang es, viele Kinder aus den Lagern in Sicherheit zu bringen. So konnte auch der 6-jährige Joachim im April 1942 vor
der Deportation in die Vernichtung gerettet werden und kam in ein französisches Kinderheim der jüdischen Pfadfinder in der Nähe von Toulouse. Eine Postkarte seiner Mutter vom Juni 1942 bezeugt wie schwer ihr die Trennung fiel: "Indem ich hoffe, bald wieder von meinem Achim Post zu bekommen, verbleibe ich in steter Liebe. Deine immer an Dich denkende Mutter".
Joachim sah seine Eltern nie wieder: Bis zu seinem 12. Lebensjahr lebte er im Kinderheim in Frankreich. Angeregt durch eine Annonce wurde er von einer Großtante und Großonkel, die 1939 nach Amerika geflohen und selbst kinderlos waren, adoptiert und auf den Namen Milton Einhorn umbenannt. Er lebt mit seiner Ehefrau, 3 Kindern und 4 Enkelkindern in Florida. 1990 nahm die in Leipzig lebende Familie Kontakt zu ihm auf und so lernte er sie erstmalig 1991 kennen. Er besuchte seine einzige Verwandtschaft, Tante und Cousins in Leipzig. Seitdem besteht regelmäßiger Kontakt.
Regina Bobbe (31 Jahre) wurde am 11.9.1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet. Max Bobbe (34 Jahre) wurde am 29.9.1942 in Auschwitz ermordet.
Reginas Schwester Rosa war Verkäuferin. Als am 28.10.1938 tausende jüdische Menschen mit polnischer Nationalität aus Deutschland ausgewiesen wurden, war auch ihr Verlobter Moritz Streng dabei. Sechs Wochen später wollten sie heiraten. Verzweifelt bat sie in einem Brief vom 1.5.1939 Verwandte in den USA um Hilfe für sie beide: "Für uns besteht gar keine Auswanderungsmöglichkeit. Mein Leben ist so richtig verbittert. […] Ich würde mich riesig freuen, wenn Du im Bezug einer Auswanderung uns helfen könntest und kannst du es doch verstehen, daß wir beide wieder zusammen sein möchten." Für das junge Glück gab es jedoch keine Chance. Das Schicksal von Moritz Streng im besetzten Polen bleibt bisher ungeklärt.
Für Rosa gab es jedoch eine unverhoffte Rettung. Im September 1941 heiratete sie den
chinesischen Kaufmann Wan Shan Chüo. Damit erwarb sie die chinesische
Staatszugehörigkeit und war in einer sogenannten "Mischehe" vor den Deportationen
geschützt. In dieser Ehe wurden 4 Kinder geboren, doch das Glück war nur von kurzer Dauer, denn kurz nach der Geburt des 4. Kindes verstarb Whan-Shan Chüo.
Patenschaft: Marlit Gille und Familie
Media
Photos
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Nathan Volkmann-Baldinger< 10 m
Leiser Mendel Buchsbaum< 10 m
Alexander Kalter10 m
Lea Chaja Meinhardt10 m
Susanne Aizen30 m
Cilly Berger40 m
Sources & Imprint
https://www.stolpersteine-leipzig.de
stolpersteine@archiv-buergerbewegung.de
Tel: 0341/3065175
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig
Ephraim-Carlebach-Stiftung
Bürgerkomitee e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.