Biography of Ernst Brüg, Gertrud Brüg, Hannelore geb. Brüg and Günter Brüg
Gertrud Brüg (gesprochen: Brück) war orthopädische Schuhmacherin. Bis zur ihrer Deportation 1942 war sie Schriftführerin der israelitischen Religionsgemeinde Gera. Gertrud wird am 10. Mai 1942 nach Belzyce bei Lublin deportiert und kurz danach umgebracht.
Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Ernst Brüg, geb. 1883 in Gera. Ernst führte mit seinem Bruder Alfred das Geschäft, welches Filialen in Leipzig und Bad Elster besaß. Als Frontkämpfer im 1. WK hatte er sein Gehör eingebüßt. Die Brüder kamen im Novemberpogrom 1938 in „Schutzhaft“. Kurz nach seiner Rückkehr aus Buchenwald stirbt Ernst an den Haftfolgen in Gera. Alfred wird von Leipzig 1938 nach Sachsenhausen gebracht. Über Buchenwald und Riga kommt er nach Auschwitz. Dort wird er ermordet.
Ernst und Gertrud Brüg hatten zwei in Gera geborene Kinder: Hannelore und Günter.
Hannelore verließ Gera als 18-jährige 1939 nach Berlin. Sie lernte und arbeitete als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus Berlin. 1942 tauchte sie unter und lebte in verschiedenen Städten. 1944 wurde sie verraten und kam in die Lager. In Bergen-Belsen wurde sie von den Briten befreit. Sie starb 1997 in New York.
Günter überlebte als 12-jähriger durch einen „Kindertransport“ nach England. Als „Guy Bishop“ kämpfte er im 2. Weltkrieg auf Seiten der Briten. Er wird Mitarbeiter des Britischen Auslandsgeheimdienstes und erkennt Heinrich Himmler in einem Kriegsgefangenlager. Später ist er Schriftsteller und Übersetzer (z.B. Heinrich Böll ins Englische). Noch einmal holt ihn die Vergangenheit ein. Mit Hilfe von Anwälten versucht er nach 1990 erfolglos, sein elterliches Haus zurückzuerhalten. Er will es verkaufen, um mit dem Geld Hannelore zu unterstützen, denn sie leidet an Krebs. Verbittert sieht er Gera nie wieder und stirbt 1998.
Die jüdische Familie Gustav Brüg besaß schon um 1885 ein Schuhgeschäft, zuerst Sorge 9/11 dann dieses Eckhaus (heute italienisches Eiscafe). Gustav starb schon 1906.
4 Stolpersteine gesetzt am 8.4.2009 und 17.6.2011.
Ecke Schloßstr. 2/ Sorge 1 (2024 mw)
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