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Rechtsanwalt Dr.Baumgart und Frau

Biography of Dr.jur. Max and Margot Baumgart

Dr. Max Baumgarts Lebensmittelpunkt war die Anwaltskanzlei und das Notariat Sorge 36, später Sorge 40. Hier praktizierte er gemeinsam mit seinem nichtjüdischen Kollegen Dr. Hans Weinland. Geboren ist Max Baumgart 1887 in Völkershausen / Rhön als Ältester von 9 Kindern. Sein Vater war Viehhändler. In Gera lebte Dr. Baumgart von 1926-33.

Als Dr. Baumgart am 2. Mai 1933 arbeitslos wurde, war er gerade einmal 45 Jahre alt. Er hatte nun keine Berufs-Einkünfte mehr. Grund war der „Judenboykott“ vom 1. April 1933 und das „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933“. Dies, weitere Nachfolgegesetze und deren Ausführungsbestimmungen verboten jüdischen Anwälten das Notariat und die Vertretung vor Gericht.

Margot, geb. Lamm, war seine Ehefrau. Auch sie war jüdischer Herkunft, geboren 1902 in Erfurt. In Gera wohnte das Ehepaar erst in der Bielitzstr., danach in der De-Smit-Str. zur Miete. 1933 zogen sie nach Erfurt. Dort starb Margots Vater 1934. Im Kreis von Margots Verwandtschaft bot sich ihnen ein physischer Überlebensschutz. 4 Jahre lebten sie von schlechtbezahlten Hilfsarbeiten.

In der Pogromnacht des 10. November 1938 kam Dr. Max Baumgart für mehrere Wochen nach Buchenwald in „Schutzhaft“. Im Januar 1939 gelang dem Ehepaar die Flucht über England in die USA.

Als Willkürakt der Rache über die geglückte Flucht wurde Dr. Baumgart die deutsche Staatsbürgerschaft und der akademische Doktorgrad aberkannt. Damit sollte ihm das Leben in der neuen Heimat erschwert werden. Erst 1967 wurde er rehabilitiert. 1942 wird Sohn Elliot geboren. Im gleichen Jahr geht Dr. Baumgart- jetzt schon 54 Jahre alt- freiwillig zur US-Army.
Ehefrau Margot starb 1957. Sie wurde nur 55 Jahre alt. Dr. Max Baumgart starb 1973, beide in New York.

Geschwister und weitere Verwandte des Ehepaars fanden im Holocaust den Tod, andere überlebten die NS-Zeit durch Flucht in die USA.

In der Kanzlei Dr. Baumgart war auch cand.jur. Alfred Scharf (geb. 1901 in Gera), ebenfalls jüdischer Herkunft, als Assessor tätig, bevor er 1927 nach Leipzig ging.
Die Stolpersteine wurden am 17.9.2016 verlegt. (MW)

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