Biography of Hans and Gertrud Friedheim
Hans und Gertrud Friedheim, Carl-Schütte-Straße 3
Hans Friedheim und sein Bruder Wilhelm übernahmen nach dem Tod ihres Vaters Moritz 1912 das Geschäft „Isidor Elb“ in der Georgstraße 9. Hier hatte der aus Moritzberg bei Hildesheim stammende Isidor Elb 1846 einen Einzelhandel mit Bekleidung und Stoffen gegründet. Sein Schwiegersohn Moritz Friedheim führte das Unternehmen weiter. Nebenbei betrieb er im selben Haus ein Bankgeschäft. Die Firma „Isidor Elb“ verkaufte Weißwaren, Textilien, Hüte, Regenmäntel sowie Paletots
(Damen- und Herrenmäntel), reparierte Nähmaschinen, handelte mit Wertpapieren und vermietete Panzerschränke. Wilhelm Friedheim meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und fiel 1917 bei Miramont in Frankreich. Sein Bruder Hans wurde zunächst vom Militärdienst zurückgestellt, 1915 aber doch noch eingezogen. Er kehrte erst 1919 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Während der schweren Kriegsjahre hatte die Mutter Emma Friedheim das Geschäft geführt. Das Unternehmen entwickelte sich gut, so dass Hans Friedheim das Geschäftshaus erweiterte und mit seiner Frau Gertrud, geborene Goldberg, die er 1922 in Lesum bei Bremen geheiratet hatte, 1930 in die Carl-Schütte-Straße 3 umzog. Bald nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten häuften sich die antisemitischen Übergriffe gegen die jüdische Bevölkerung – so auch in Nienburg. 1935 beschwerte sich Emma Friedheim bei Bürgermeister Beims darüber, dass im „braunen Haus“ in der Georgstraße in einem Aushängekasten Fotografien zu sehen seien, die ihre Kundschaft beim Betreten bzw. Verlassen des Geschäfts zeigten. Sie trugen die Unterschrift: „Auf frischer Tat ertappt. Wer bei Juden kauft, ist ein Volksverräter“. Mitglieder der NSDAP hatten die Personen, die in den jüdischen Geschäften einkauften, gegen ihren Willen fotografiert, diese Fotos öffentlich ausgehängt und mit Hetztiraden versehen. Die Pogrome und Boykottaufrufe führten schließlich dazu, dass Hans Friedheim die Schlüssel zu seinem Geburts- und Geschäftshaus in der Georgstraße am 1. August 1936 an Walter Rieckhof übergab, der das Unternehmen als „Modehaus Rieckhof“ weiterführte. Am 30. September 1936 verließen Hans und Gertrud sowie Emma Friedheim Nienburg und zogen nach Berlin-Grunewald. Emma Friedheim starb am 3. September 1938 in Berlin. Das Grab von Emma Friedheim befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Nienburg. Hans und Gertrud Friedheim flohen 1938 aus Berlin nach Uruguay. Ein Jahr später starb dort Gertrud Friedheim im Alter von nur 42 Jahren.
Seit dem 11. Oktober 2016 erinnern Stolpersteine an das
Ehepaar Friedheim.
Media
Photos
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Albert Hünerberg190 m
Sophie Schragenheim190 m
Alfred Birkenruth240 m
Berthold Hess240 m
Gustav Dessauer280 m
Änne Seelig290 m
Sources & Imprint
Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg
Projektgruppe Stolpersteine OBS Marklohe und Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg