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Familie Markus Jeckel

Biography of Markus, Cilla and Isidor Jeckel

Der Fuhrunternehmer Markus Jeckel, geboren am 29. Juli 1880 in Weldzirz/Galizien war mit der aus Rozniatow/Galizien stammenden, am 18. Dezember 1889 geboren Cilla Jeckel, geborene Giller, verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn, den am 20. Oktober 1922 in Gelsenkirchen geborenen Isidor Jeckel. Familie Jeckel lebte bis zum 28. Oktober 1938 an der damaligen Adolf-Hitler-Straße 63, der heutigen Hauptstraße.

Nach dem "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich und der Besetzung des Sudetenlandes dachten viele in Deutschland und Österreich lebende polnische Staatsbürger an eine Rückkehr. Eine solche war jedoch der polnischen Regierung nicht willkommen. Daher verabschiedete das polnische Parlament im März 1938 ein Gesetz, wodurch allen länger als 5 Jahre im Ausland lebenden Polen die Staatsbürgerschaft entzogen werden würde. Damit ihre Dokumente Gültigkeit behielten, brauchten diese Polen einen Kontrollvermerk des zuständigen Konsulats.

Einer solchen Regelung kam die nationalsozialistische Regierung Ende Oktober 1938 zuvor, indem sie im Rahmen einer großangelegten Zwangsausweisung (die so genannte "Polenaktion") Ende Oktober 1938 etwa 18.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit (so genannte "Ostjuden") verhaftete und gegen ihren Willen nach Polen über Nacht aus dem "Dritten Reich" nach Bentschen (Zbąszyń) in Polen abschob. Die so genannte "Polenaktion" ist bisher kaum im geschichtlichen Bewusstsein Deutschlands verankert. Der Ausweisungsbefehl kam für die Betroffenen völlig überraschend. In Gelsenkirchen wurden vor diesem Hintergrund am 28. Oktober 1938 rund 80 jüdische Menschen jeden Alters mit polnischer Staatsangehörigkeit von der Schutzpolizei verhaftet und mit Zügen der "Reichsbahn" nach Polen abgeschoben. Ein Großteil der Deportierten sammelte sich in dem damaligen Grenzort Bentschen ( Zbąszyń).

Diese gegen jüdischen Menschen gerichtete Maßnahme des NS-Regimes stellte einen ersten physischen Höhepunkt der Verfolgung dar und war der eigentliche Auftakt zur geplanten Vernichtung der europäischen Juden. Auch die Gelsenkirchener Familie Jeckel war von den Abschiebungen nach Polen betroffen. Die Schwestern von Isidor Jeckel durften danach noch einmal nach Gelsenkirchen zurückkehren, vermutlich um ihre Haushalte aufzulösen. Rosa Joshua, geb. Jeckel, geboren am 5. August 1914 in Weldzirz gelang dann die Flucht nach England.

Von Markus und Cilla Jeckel fehlt nach der Ausweisung jedes weitere Lebenszeichen. Ein letztes Lebenszeichen von Isidor Jeckel ist ein von ihm geschriebener Brief, gerichtet an seinen ebenfalls aus Gelsenkirchen stammenden Freund Ernst Alexander. Dieser konnte bereits im Januar 1938 von seiner Mutter Frieda in die USA in Sicherheit gebracht werden. In diesem Brief aus Zbąszyń, datiert auf den 9. Januar 1939, beschreibt der damals 16jährige Isidor Jeckel auch die Verhaftung in Gelsenkirchen und die unmenschlichen Zustände im Internierungslager Zbąszyń. So schildert er, wie er und sein Vater von der Arbeitstelle in Gelsenkirchen direkt in das Gefängnis gebracht wurden, ohne sich vorher entsprechende Bekleidung aus ihrer Wohnung holen zu dürfen. Weiter schreibt er: "(...) wünsche ich alles Gute, vor allem wünsche ich keinem jüdischen Jungen in eine solche Lage zu kommen, wie ich es bin (...)."

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