Biography of Heinrich Hackmann and Lissy Rieke
Heinrich Hackmann wurde am 6. Januar 1880 als Sohn des Johann Heinrich Hackmann und seiner Ehefrau Katharina Margarete Hackmann, geb. Biermann in Osnabrück geboren. Zeit seines Lebens blieb er seiner Heimatstadt treu. Er erlernte den Beruf des Maurers, den er bis zu seiner späteren Verhaftung ausübte. Um die Jahrhundertwende lernte Hackmann seine spätere Frau Auguste Klaproth kennen, die er im Februar 1905 heiratete, sie bekamen vier Kinder: eine Tochter Frieda, geb. 1908 und drei Söhne, Otto, geb. 1905; Willi, geb. 1907 und Heinz, geb. 1911.
Politisch engagierte sich Hackmann von 1919 1933 in der Kommunistischen Partei Deutschlands. Wegen dieser Zugehörigkeit stand die Familie in den Jahren 1926 bis 1939 laufend unter Beobachtung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). In der Zeit von 1933 bis 1939 kam es wiederholt zu Hausdurchsuchungen und immer wieder zu kurzen Inhaftierungen. In den aufregenden und zermürbenden Vernehmungen sollten Hackmann und seine Frau Auguste über illegal hier lebende Personen Auskunft geben. Auch ihre Kinder wurden von Verhaftungen nicht verschont.
Am Morgen des 30. April 1942 wurde Hackmann auf Grund von Denunziation von der Gestapo verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Osnabrück eingeliefert. Bereits im Juni 1942 wurde er nach Hannover überführt, wo ihm am 8. Oktober 1942 von einem Sondergericht der Prozess gemacht wurde. Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz. Dieses Urteil wurde weniger wegen der staatsfeindlichen Äußerungen, sondern vielmehr und in erster Linie gegen Hackmann als bekannten und überzeugten Gegner des Nazi-Regimes gefällt.
Seit dem 22. Dezember 1943 befand sich Hackmann im Lazarett. Er litt an funktionalen Störungen des Herzens, der Nieren und der Blase. Es bestand Lebensgefahr, wenn die Haft fortgesetzt würde. Die Familie beschloss, ein Gnadengesuch an den Oberstaatsanwalt bei einem Sondergericht in Hannover einzureichen, mit der Bitte jedenfalls bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, Strafurlaub zu gewähren, falls gegen den Gnadenerweis Bedenken bestehen. Das Gnadengesuch, das von den Rechtsanwälten Deppe und Dr. jur. Eckelmann aus Osnabrück, ein viertel Jahr vor seinem Tode eingereicht wurde, wurde ablehnend beschieden. Die Ablehnung lautete lakonisch, dass kein Anlass bestehen würde, Herrn Hackmann aus der Haft zu entlassen.
Der Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr, so dass Heinrich Hackmann nach zweijähriger Strafhaft am 25. April 1944 um 01:10 Uhr in der Lazarettabteilung des Zuchthauses Münster an Herzschwäche starb. Diese wurde verursacht durch Hunger und Entbehrungen bis zur völligen Entkräftung, denn Heinrich Hackmann war abgemagert bis auf 40 Kilogramm. Der ablehnende Bescheid des Gnadengesuches traf einige Tage nach dem Tode Hackmann bei den Hinterbliebenen ein.
Aus einer in den Akten befindlichen Bescheinigung des Oberstaatsanwalts Osnabrück vom 20. März 1950 ergibt sich, dass die gegen Hackmann erkannte Strafe im Strafregister getilgt worden ist. Aufgrund dieser Tatsache ist der verstorbene Heinrich Hackmann als politisch Verfolgter der NS-Gewaltherrschaft anerkannt und festgestellt worden. Seine Ehefrau Auguste hat der Tod ihres Mannes schwer erschüttert und sie erlitt daraufhin mehrmals Nervenzusammenbrüche. Sie verstarb am 21. Juni 1951 an einem Schlaganfall.
Lissy Rieke wurde am 18.08.1913 in Osnabrück geboren. Als junges Mädchen schloss sie sich 1929/30 dem Kommunistischen Jugendverband KJVD an. Ihre Freude an Gesang und Theater konnte sie in einer Agitprop-Gruppe ausleben. Hier fand ihr Kampf gegen Faschismus und Militarismus einen satirischen Ausdruck.
Im August 1933 ging sie als Hausangestellte nach Hilversum in Holland, um sich am weltweiten Kampf für die Befreiung des Kommunisten Ernst Thälmann zu beteiligen. 1939 siedelte sie nach Amsterdam über, um dort Aufgaben in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee zum Sturz des Nationalsozialismus zu übernehmen.
In den Jahren 1941/42 übte Lissy Rieke ihre illegale Tätigkeit im Ruhrgebiet aus. Unterkunft fand sie in Duisburg bei Anton Stupp, mit dem sie zusammenarbeitete. Hier unterhielt sie eine Briefanlaufstelle für das illegale KPD-Netzwerk. Der Briefverkehr wurde mit Hilfe niederländischer Rheinschiffer aufrecht erhalten.
1943 gelangte sie in die Fänge der Gestapo. Nach einem Besuch bei ihrer Familie und ihren Freunden in Osnabrück wurde sie am 19. Januar 1943 verhaftet, als sie in Duisburg aus dem Zug stieg. Zuvor hatte sie der kommunistische Funktionär Willi Seng in einem Verhör verraten. In ihrem Zimmer im Haus der Stupps fanden die Gestapo-Ermittler eine große Anzahl von belastendem Material, sodass Luise Rieke wohl von Beginn an wusste, dass sie kein mildes Urteil zu erwarten hatte. Sie gab ihre illegalen Tätigkeiten zu, hielt sich aber bei der Angabe von Mittätern zurück, sondern gab bis auf eine Ausnahme nur Decknamen preis. Vielmehr belastete sie sich in erster Linie selbst, wahrscheinlich um andere Personen zu schützen. Sie wurde durch den Volksgerichtshof Bielefeld verurteilt; der Vater spricht vom "Sondergericht Hamm/Westf.". Bis zu ihrem Tod war sie inhaftiert und wurde von der Gestapo misshandelt.
Am 16.1.1945 erhielt der Vater ein Schreiben des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof in Berlin:
"Das Urteil des Volksgerichtshofs vom 17. August 1944 gegen Ihre Tochter Luise Johanna Rieke ist am 5. Januar 1945 vollstreckt worden. Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig." Akz. 9 J 123/44.
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Standort Osnabrück, Rep 430 Dez 304 Akz 2003/036 Nr. 1641; Fotoquelle: Pax Christi - Basisgruppe Osnabrück (Hg.): SpureNSuche Osnabrück 1933-1945. Ein Stadtrundgang zu den Orten von Verfolgung und Widerstand in Osnabrück 1933-1945. Osnabrück 1995, S. 22.
Niedersächsisches Landesarchiv Standort Osnabrück, Rep 430 Dez 304 Akz 2003/036 Nr.40.
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