Biography of Alfred Flor
Alfred Flor: Mit der "Patria" in die Freiheit
Alfred Flor führte als Sohn einer Jüdin und eines Nicht-Juden ein unauffälliges Leben. Bloß nicht anecken, denn auch als Sohn einer sogenannten "Mischehe" lebte man in ständiger Furcht. In der Pogromnacht wurde er nach Dachau deportiert – als er frei kam, flüchtete er über den Balkan nach Palästina. Nach Deutschland kehrte er nie wieder zurück.
Alfred Flor (*19.10.1920 in Heidelberg, gest. 2013 Israel) wuchs als Sohn einer Arbeiterfamilie im Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim auf. Als Sohn einer Jüdin und eines nichtjüdischen Mannes führte er ein zurückhaltendes Leben. Undenkbar, die eigene Meinung auch nur im Ansatz zu äußern. Sein Vater vermittelte ihm früh, was in Deutschland gerade vor sich ging. Und vor allem, dass es besser war, sich anzupassen.
In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde er verhaftet und nach Dachau deportiert. Hilfe bekam er von dem Heidelberger Pfarrer Hermann Maas, der in Heidelberg eine Hilfsstelle für „rassisch“ Verfolgte leitete und bis zu Kriegsbeginn vielen Juden die Auswanderung ermöglichte. Weil er dafür bürgte, dass Alfred Flor Deutschland verlassen würde, kam dieser 1939 frei. Alfred Flor flüchtete über den Balkan nach Palästina. Es dauerte mehrere Monate, bis er den Hafen von Haifa erreichte. Dort wurden er und Hunderte andere illegale Einwanderer von der britischen Mandatsregierung auf dem Schiff "Patria" festgehalten, denn die von den Engländern festgelegte Einwanderungsquote war schon längst überschritten. Nur noch Schiffbrüchige durften an Land kommen.
Die Flüchtlinge auf der "Patria" sahen deshalb nur eine Chance: Sie sprengten ihr Schiff in die Luft, um in Palästina an Land gehen zu dürfen. Nicht alle Passagiere überlebten. Alfred Flor aber konnte sich ans Ufer retten. Er musste elf Monate in einem Internierungslager verbringen, bevor er sich dann einem Kibbuz anschloss. Später wurde er Geschäftsführer in einem Schlossereibetrieb. Alfred Flor kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück und starb 2013 in Israel.
Die Geschichte einer Rettung: "Wir wären die Letzten gewesen"
Alfreds jüngerer Bruder Hans wurde noch in den letzten Kriegsmonaten nach Theresienstadt deportiert.
Die Familienangehörigen von Alfred Flor, die in Deutschland geblieben waren, wurden in Konzentrationslager verschleppt: Nicht nur der jüngere Bruder Hans, sondern auch die Großmutter und Mutter, zwei Onkel und eine Tante.
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