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Franz Birnbräuer

Biography of Franz Birnbräuer

Franz Birnbräuer: "Hol mich heim"

Wegen seiner Krankheit spricht Franz Birnbräuer nicht mehr und wird in verschiedene psychiatrische Anstalten gebracht. Doch bei einem Besuch seines ältesten Sohnes überrascht er ihn mit den Worten "Hol mich heim". Ein unerfüllbarer Auftrag für den siebenjährigen Jungen.

Der gelernte Bäckermeister arbeitet beim Baden-Badener Schließ- und Wachdienst als Nachtwächter. Seine drei Kinder sieht er deshalb sehr wenig. Ende 1941 findet ihn seine Frau bewusstlos am Boden liegend in der Wohnung. Im Krankenhaus in Baden-Baden kann man ihm nicht weiterhelfen. Er kommt in die Psychiatrische Nervenklinik Freiburg und am 3.1.1942 wird er nach Emmendingen verlegt, weil er an der Pick-Krankheit, einer seltenen Form von Alzheimer, leidet. Er wird immer apathischer, spricht nicht mehr.

Nur einmal - nach langer Zeit - sagt er bei einem der seltenen Besuche seiner Angehörigen zu dem siebenjährigen Heinz, seinem ältesten Sohn drei Worte, die Heinz Birnbräuer niemals vergessen wird: "Hol mich heim". Die Mutter ist gerade auf die Toilette gegangen und völlig überrascht. Sie schreibt mehrfach nach Emmendingen, um sich nach ihm zu erkundigen, aber sie erhält nur Nachrichten über die schlechte Verfassung des Ehemanns.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Aktion T4, der allein in der Tötungsanstalt Grafeneck über 10 000 psychische Kranke zum Opfer fallen, eingestellt, aber weiterhin werden Menschen mit Behinderung und psychisch Kranken ermordet – nicht mehr in Gaskammern, aber durch Giftinjektionen und Überdosierung von Medikamenten, durch Verhungernlassen und unbeschreibliche hygienische Bedingungen.

Am 16. 11.1944 wird Franz Birnbräuer in die hessische Nervenklinik Hadamar verlegt, zu weit weg, als dass seine Ehefrau ihn besuchen könnte. Sie versucht mit Putzen für den Unterhalt der drei Kinder zu sorgen und kommt kaum über die Runden. Eine Fahrkarte nach Hadamar kann sie sich nicht leisten. Außerdem bekommt sie ein Schreiben, in dem es heißt "Besuche können nur in besonders dringenden Fällen gestattet werden".

Gut zwei Monate später, am 20. Januar 1945 erhält Frau Birnbräuer zwei Briefe: die Mitteilung, dass sich der Zustand des Ehemanns bedenklich verschlechtert hat und sie doch kommen möge, und einen Tag später datiert die Todesnachricht. Die beiden Schreiben werden erst Wochen später in die Post gegeben oder zurückdatiert, damit Frau Birnbräuer auch in diesem Ausnahmefall nicht auf die Idee kommt, nach Hadamar zu reisen, denn Zweifel bei den Angehörigen an der wahren Todesursache müssen auf jeden Fall verschleiert werden.

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