Biography of Alois Krug
Hier wohnte der liberale Beamten Alois Krug. Er wurde am 15.06.1890 in Leinach bei
Königshofen in Unterfranken geboren. Als sog. uneheliches Kind trug er den Familiennamen sein er Mutter Amalie. Diese heiratete später in Leinach einen Herrn Ganß. Alois Krug erhielt also einen Pflegevater, blieb aber weiterunter der Aufsicht des Vormundschaftsgerichts in Königshofen.
Nach sieben Jahren Volksschule durfte er wegen seiner großen zeichnerischen Begabung und eines für ihn sorgenden Pflegevaters bereits als Mess- und Zeichnungsgehilfe am Messungsamt Neustadt a.d.Saale arbeiten. Nach Abschluss einer vierjährigen Lehre und zweijähriger Militärdienstpflicht in Würzburg war er in den Messämtern Weiden und Hemau beschäftigt.
Zu Beginn des 1.Weltkrieges wurde Alois Krug eingezogen, er erhielt das EK und das
Ehrenkreuz mit Schwertern für Frontkämpfer. Er geriet in französische Kriegsgefangenschaft, aus der im Juli 1919 fliehen konnte. So kam er zurück nach Hemau. Dort heiratete er 1919 Regina Gloßner. Mit ihrhatte er 3 Kinder, zwei Söhne (der erste wurde 1921 geboren) und eine Tochter Gerlinde.
1930 wurde er an das Vermessungsamt Regensburg versetzt. Zur Zeit der Weimarer Republik war er auch berufspolitisch aktiv, zuletzt als Landesvorsitzender des Berufsverbandes für den mittleren Vermessungsdienst in Bayern. Seine politische Einstellung war links-liberal, 1932 kandidierte er für die Deutsche Staatspartei. Die Machtergreifung durch die Nazis sah er von Anfang an als eine Katastrophe für Deutschland, die mit einer militärischen Niederlage im Falle eines Krieg enden würde.
Alois Krug trat 1935 der NSDAP bei, es war ein Versuch, seine Familie zu schützen und nicht von vornherein als Gegner des Regimes markiert zu sein. Hätte er dies nicht getan, hätte er Arbeit und Beruf verloren, denn Vermessungstechnik wurde nur im Staatsdienst betrieben. Das half ihm allerdings wenig, denn die Gestapo führte ihn sehr baldin einer speziellen Kartei für „nicht zuverlässige Personen“. So nannte man Personen gegen die der „Verdacht der Staatsgegnerschaft“ bestand.
Letztendlich führte die Denunziation eines zuvor von Krug geförderten Kollegen im
Vermessungsamt, der dank seiner Parteizugehörigkeit seit 1930 dort rasch Karriere machte, zu Krugs Verhaftung am 08.10.1943. Nachdem ihm ein Arzt bescheinigt ha
tte, dass er „nicht haftfähig sei“, konnte er die nächsten 10 Monate unter relativer Schonung im Hilfskrankenhaus Klerikalseminar in der Schottenstraße zubringen. Rettungsversuche von unterschiedlichsten Seiten brachten keine Hilfe.
Am 25. Mai1944 kam sein Fall vor das Sondergericht Nürnberg, verhandelt wurde in
Regensburg. Die Anklage auf „Abhören feindlicher Sender“ ließ sich nicht nachweisen.
Erstaunlich viele Zeugen unter seinen Kollegen entlasteten ihn gegenüber den Aussagen des Denunzianten. So wurde die Hauptverhandlung vertagt, denn, so das Gericht: es bestehe weiterhin der dringende Verdacht, „dass der Angeklagte versucht hat, den Willen zur wehrhaften Selbstbehauptung des deutschen Volkes zu zersetzen“. Vorsorglich hatte der Staatsanwalt dafür gesorgt, dass der Angeklagte in der Zwischenzeit in ein Konzentrationslager eingewiesen wurde. Das gleiche Schicksal hätte ihn auch getroffen, wenn weitere Ermittlungen nicht zu einer Verurteilung ausgereicht hätten.
So wurde Alois Krug am 19.8.1944 in das KZ Dachau eingeliefert. An eine medizinische
Versorgung – Herr Krug hätte dringend Insulin gebraucht, denn er war schwer zuckerkrank – war nicht zu denken. Sein letzter Brief an die Familie ist datiert vom 10.12.44, er endet mit den Worten „...Grüße an alle, die
noch ein Interesse an mir haben!“
Danach erreichte die Familie nur noch die Nachricht, dass er am 8.1.1945 gestorben ist. In der Häftlingskartei Dachau ist vermerkt: Häftlingsnummer 92472, Haftkategorie:
„Schutzhaft“ (d.i.politischer Häftling), Zugang im KZ Dachau 19.8.1944 von Regensburg,
gestorben: 8.1.1945.
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