Biography of Fritz Kaufmann
Seine Behandlungsmethode mit Elektroschocks wurde als "Kaufmannsche Methode" berühmt, er selbst als "Ikone der nationalpatriotischen deutschen Ärzteschaft". Nach der Machtergreifung wurde Dr. Fritz Kaufmann als einer der "renommiertesten Psychiater der Zeit des Ersten Weltkriegs" allerdings schnell aus dem Feld geschlagen – weil er Jude war.
Fritz Kaufmann (*1875 in Frankenthal als Sohn eines Hoteliers) arbeitete nach dem Studium der Humanmedizin in Heidelberg als Assistenzarzt in München, Berlin und Heidelberg. 1906 zog er nach Mannheim, wo er zu einem gefragten Arzt für Psychiatrie wurde.
Im Ersten Weltkrieg wurde Kaufmann im September 1915 Stabsarzt am Reservelazarett in Ludwigshafen. Dessen Nervenabteilung behandelte vor allem besonders schwere Fälle von Kriegsneurosen.
Dr. Fritz Kaufmann entwickelte eine Behandlungsmethode, die 1916 unter dem Titel "Die planmäßige Heilung komplizierter psychogener Bewegungsstörungen bei Soldaten in einer Sitzung" veröffentlicht wurde und große Beachtung unter den deutschen Militärärzten und Psychiatern sowie bei der Regierung fand. Die schmerzhafte Behandlungsmethode mit Elektroschocks wurde als "Kaufmannsche Methode" berühmt, Kaufmann zu einem "der renommiertesten Psychiater der Zeit des Ersten Weltkriegs", sogar zur "Ikone der nationalpatriotischen deutschen Ärzteschaft".
Kritik im Ausland
Im gegnerischen Ausland wurde sein Ansatz als Beweis für die besondere Brutalität deutscher Ärzte vorgeführt – obwohl dort ähnliche Methoden angewandt wurden. Kaufmann wollte den Patienten wieder zu einem geordneten Leben verhelfen – und dem Staat, den er verehrte, die Zahlung von Invaliden-Renten ersparen. 1921 wurde Kaufmann zum Leiter der Inneren Abteilung des Ludwigshafener Krankenhauses ernannt. Prominente Kollegen hatten ihn als "humanen, geduldigen und liebevollen Arzt" und "tadellosen Kollegen" empfohlen.
Das Eiserne Kreuz ist kein Schutz
Als Jude war er nach der Machtergreifung schweren Angriffen und Verleumdungen ausgesetzt und wurde zunächst "beurlaubt", im Januar 1934 dann aufgrund des Gesetzes "zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" in den Ruhestand versetzt.
Seine Pension wurde soweit wie möglich zusammengekürzt, ab Anfang 1939 gar nicht mehr gezahlt. Vergeblich hatte er auf das ihm "von Seiner Majestät dem Kaiser" verliehene Eiserne Kreuz "für besondere kriegsärztliche Verdienste" verwiesen.
Bis 1935 praktizierte er noch privat, dann machte ihn ein schweres Herzleiden arbeitsunfähig. Nach der Entrichtung einer beträchtlichen "Reichsfluchtsteuer" zog er in die Niederlande, wo sein Sohn lebte, verlegte 1937 seinen Wohnsitz aber aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz und starb dort im September 1941. Zuletzt versuchte man "dem Juden Kaufmann" die Staatsangehörigkeit abzuerkennen.
Kaufmanns Arbeit und Leben hat vor allem in den letzten Jahren in der internationalen Forschung wieder an Aufmerksamkeit gewonnen.
Von Stefan Mörz
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