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Theodor Rosenthal

Biografie von Theodor Rosenthal

Eigentlich hatte er das Sanatorium seines Vaters in Bad Homburg übernehmen wollen, aber unter den Nazis durfte er sein Medizinstudium nicht fortsetzen. Stattdessen wurde er Küchenchef im Baden-Badener Hotel Central seines Schwiegervaters. Der neue Beruf half ihm später, auch im Lager Gurs zu überleben.

Im Oktober 1940 wurde Theodor Rosenthal mit seiner schwangeren Frau Liesel und dem Schwiegervater Philipp Lieblich zusammen mit 112 anderen Baden-Badener Juden in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Im Lager herrschten katastrophale hygienische Zustände, die Essensrationen waren viel zu knapp bemessen, die medizinische Versorgung völlig unzureichend.

Chef de cuisine für unerwünschte Gäste

Theodor Rosenthal ging auch im Lager Gurs seinem Beruf nach: gleich nach seiner Ankunft wurde er zum "chef de cuisine" für ca. 580 Internierte ernannt und bemühte sich, aus dem Wenigen, was an Nahrungsmitteln geliefert wurde, etwas Essbares zuzubereiten. Er berichtet davon ausführlich in seinem Tagebuch: "Frankreich ist ein armes Land geworden, ist ausgepresst bis zum letzten Rest, die badischen Juden sind ihm als unerwünschte Gäste von einer rohen unmenschlichen Gewaltherrschaft aufgebürdet worden. Wie sollen wir den Winter bei solcher Verpflegung überstehen? Wie so oft im Leben unserer jüdischen Gemeinschaft greifen wir zur Selbsthilfe."

Theodor Rosenthal schlug den Insassen seiner Baracke vor, pro Woche 10 Francs zur allgemeinen Verpflegung beizusteuern. Mit diesem Zuschuss konnten er und die acht Männer, die in seiner Küche arbeiteten, zusätzliches Gemüse sowie Mais- und Bohnenmehl für gehaltvollere Suppen in den kleinen, von Internierten betriebenen Verkaufsstellen des Lagers erwerben. "Die hohe Sterblichkeit in unserem îlot hatte mit dieser neuen Kost rapide abgenommen, sodass 14 Tage später gottlob kein Todesfall mehr vorkam."

Bei den Mitgefangenen genoss er hohes Ansehen. Der Künstler Harry Choyke-Berkefeld dankte ihm auf besondere Weise: "Mit Freude illustriere ich das oder die Hefte, die mein Leidensgefährte Rosenthal, unser allerverehrtester Küchenchef schreibt. An dieser Stelle sei ihm Dank ausgesprochen für seine immer große Bereitwilligkeit, mit den geringsten Mitteln uns ein erträgliches Essen zu verschaffen."

Geburt hinter Stacheldraht

Am 12. April 1941brachte Liesel Rosenthal ihre Tochter Evelyn Dina in der Mütterbaracke zur Welt. Auch dieses Ereignis hielt Harry Choyke-Berkefeld künstlerisch fest und schrieb in seiner Widmung: "Liebe kleine Dina. Heute an dem Tag, an dem Du das Licht der Welt im Lager Gurs erblickt hast, habe ich die kleine Hütte gezeichnet, in der Du zur Welt gekommen bist - als Erinnerung an die Bedingungen, unter denen Deine Eltern und Tausende anderer Menschen lebten."

Im September 1941 wurde Theo in die Ausländer-Arbeitseinheit GTE eingezogen und nach Haut Savoyen zum Straßenbau und zur Waldarbeit abkommandiert. Später wurde er zur Bahn in Grigny, einem Eisenbahnknotenpunkt südlich von Lyon, versetzt. Dort entging er mehreren Razzien.

Seine Frau und Kind, die er zwei Jahre lang nicht gesehen hatte und die inzwischen im Lager Noé untergebracht waren, konnte er im Juni 1943 nach Grigny nachholen. Auch sein Schwiegervater Philipp Lieblich kam in das Lager Noé. Er starb jedoch am Tag der deutschen Kapitulation, am 8.5.1945, in einem Krankenhaus in Paris.

Familie Rosenthal wanderte 1948 nach Australien aus, wo Theodor Rosenthal später in einem Vorort von Sydney ein Restaurant betrieb.

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