Zum Inhalt springen

Hans Hauser

Biografie von Hans Hauser

"Was sollte ich als Deutscher in Amerika?"

"Ich wollte eigentlich nicht auswandern, ich wollte mit dem Kopf durch die Wand", beschreibt Hans Hauser viele Jahre später seine Einstellung von damals. Nur auf Drängen der Eltern nach dem Novemberpogrom ging er schließlich: "Ich war nicht glücklich: Was sollte ich als Deutscher in Amerika?"

Hans Hauser hatte sich schon immer seinem deutschen Vaterland sehr verbunden gefühlt. Im Januar 1933 meldete sich der Jurastudent zum freiwilligen Arbeitsdienst. Doch bald nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten war seine Mitarbeit wegen seiner jüdischen Herkunft nicht mehr erwünscht.

Als Jude wurde Hans Hauser 1935 nicht zum Referendarexamen zugelassen. Er versuchte trotzdem, eine Ausnahme durchzusetzen: Er wandte sich direkt an den Reichsjustizminister mit einem Schreiben, in dem er seine nationale Gesinnung unter Beweis zu stellen versuchte. Aber auch der Hinweis auf seine Mitgliedschaft im "Verband nationaldeutscher Juden" half nicht weiter.

Ein deutscher Patriot durch und durch

Wie für so viele deutsche Juden, die sich mit ihrem Vaterland identifizierten, war es für Hans Hauser unvorstellbar, dass gegen das nationalsozialistische Konzept des "Rassejuden" nichts auszurichten sei. Die Verherrlichung von Deutschtum und soldatischen Tugenden durch die Nazis hatte anfangs bei vielen die Illusion genährt, dies könnte auch für jüdische Patrioten und Frontsoldaten gelten.

Aber gerade Juden mit "nationaler Gesinnung" wurden von der NSDAP abgelehnt: Jüdische Organisationen, die ihr Deutschtum hervorhoben, wurden stärker bekämpft als zionistische Vereine und Verbände. Letztere bereiteten ihre Mitglieder auf die Auswanderung nach Palästina vor - das war zunächst im Interesse der NSDAP. Der "Verband nationaldeutscher Juden", dem Hans Hauser angehörte, hingegen wurde bereits im Herbst 1935 verboten.

Vorbehalte gegen Ostjuden

Und da war der Exodus von Juden aus Osteuropa seit Ende des 19. Jahrhunderts. Viele assimilierte Juden sorgten sich, dass die jüdischen Zuwanderer aus Polen und Russland dem Antisemitismus neuen Auftrieb gegeben hatten. Einige reagierten mit Vorbehalten, so auch Hans Hauser und sein Vater: "Da kamen die Juden von Polen und Russland und wir hatten das Gefühl, dass sie uns die Suppe versalzen."

Falsche Rücksicht

Nach dem 10.11.1938 änderte sich alles. Die Synagoge wird angezündet, alle jüdischen Männer durch die Straßen der Stadt getrieben und nach Dachau deportiert. Erst jetzt wird den Hausers klar, dass Deutschland für sie keine Heimat ist - zu spät. Hans Hauser kann im April 1939 zu einer Tante in die USA emigrieren. Um ihr nicht zur Last zu fallen, wollen die Eltern erst später nachkommen. Ihre Rücksichtnahme hat fatale Folgen: Die Eltern werden in das Lager Gurs in den Pyrenäen verschleppt, später in Auschwitz vergast.

In der US-Army

Hans Hauser tritt 1940 in die amerikanische Armee ein und sieht seine Heimatstadt bereits 1945 bei Kriegsende wieder. Mit der 76. Infanteriedivision hat er den Rhein bei Echternach überschritten und bekommt Urlaub, um die Lage in Baden-Baden zu erkunden.

Schon am zweiten Tag seines Aufenthalts sucht ihn eine Delegation Baden-Badener Bürger in seinem Hotel auf. Die Herren in Gehrock und Zylinder bieten ihm den Posten des Oberbürgermeisters an, wahrscheinlich in der Hoffnung, sich einen gewissen Schutz sichern zu können, wenn ihr Stadtoberhaupt ein Jude und Angehöriger der US-Streitkräfte ist. Hans Hauser lehnt ab.

Audio

0:000:00Beitrag von SWR2

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in SWR 2 Stolpersteine

Quellen & Impressum

SWR2

Südwestrundfunk
Anstalt des öffentlichen Rechts
Neckarstraße 230
70190 Stuttgart
Telefon: 0711/929-0
Fax: 0711/929-11300
Klicken Sie hier, um das Mailformular zu öffnen.

Gesetzlicher Vertreter: Peter Boudgoust (Intendant)

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 812481116
--------------------------------------------

SWR.de
ist das Internetangebot des Südwestrundfunks
Klicken Sie hier, um das Mailformular zu öffnen.

Gesamtverantwortlich: Peter Boudgoust (Intendant);
Hauptabteilung SWR.Online: Jürgen Ebenau
Internet-Inhalte zu Hörfunk- und Fernsehsendungen des SWR und die SWR.de-Nachrichten werden von den zuständigen Programmdirektionen verantwortet:

Fernsehen: Christoph Hauser

Hörfunk: Gerold Hug

Landessender Baden-Württemberg: Ingrid Felgenträger

Landessender Rheinland-Pfalz: Dr. Simone Schelberg

Leiter der Online-Nachrichtenkoordination: Markus Geyer

--------------------------------------------

Nachrichtenagenturen: AFP, AP, DPA, Reuters, SID