Biografie
Durchgang zwischen Ranstädter Steinweg 13 und 15 (ehem. Naundörfchen 8)
Familie Laubinger
Die Sintifamilie Laubinger waren deutsche Staatsbürger und römisch katholischen Glaubens, dennoch wurden sie verfolgt mit dem offiziellen Grund einer "asozialen Lebensführung" oder "Schutzhaft". Karl und Anna Hedwig Laubinger, die Eltern waren nach Sinti-Tradition schon einige Jahre verheiratet als sie am 16.10.1933 auch nach deutschem Recht die Ehe schlossen. Die Kinder haben erst nach 1933 den Namen Laubinger getragen, deshalb tragen die Enkelkinder den Mädchennamen von Anna (Petermann). Die Familie lebte lange Zeit in einem Wohnwagen und reisten umher, um Waren anzubieten oder als Artisten zu arbeiten. Durch die Nationalsozialisten wurden sie jedoch gezwungen sich niederzulassen. Erst lebten sie im Wohnwagen in Großzschocher. Von dort wurden sie von den Anwohnern vertrieben. Ähnliches geschah ihnen auch an anderen Wohnorten in Leipzig. Sie wohnten in verschiedenen Wohnungen und lebten zuletzt gemeinsam im Naundörfchen. Dort lebten sie mit ihren sieben Kindern und zeitweise auch mit ihren Enkeln in zwei Räumen.
Karl wurde am 9.9.1885 in Delitzsch geboren. 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert. Doch nach einem Monat wurde er entlassen, um wenige Monate später, im Oktober 1938 erneut nach Sachsenhausen zu kommen. Dort starb er am 19.4.1940.
Anna Hedwig wurde am 28.11.1890 im Kreis Wittichenau geboren. Nachdem ihr Ehemann festgenommen wurden war, verdiente sie ihr Geld mit Kurzwarengeschäften zusammen mit ihren Töchtern. Sie wurde 1940 verhaftet und ins Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Von dort aus wurde sie nach Schlieben (Buchenwald) überstellt. 1944 arbeitete sie bei der HASAG in Taucha. Ein Monat vor der Befreiung des KZ Bergen Belsen sah eine Freundin sie dort tot.
Vio wurde am 10.3.1912 in Ungarn geboren. Er hatte eine Frau und ein Kind. Vio kam im Januar 1941 ins KZ Sachsenhausen und hat überlebt.
Fichta wurde am 26.3.1912 in Danzig geboren. Sie hatte drei Kinder, ein Sohn ist bereits als Säugling gestorben. Sonja Erika und Manfred sind im KZ Auschwitz mit 9 und 8 Jahren gestorben. Fichta war seit 1939 in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Buchenwald, und Bergen-Belsen. Sie arbeitete mit ihrer Mutter bei der HASAG in Taucha. Sie hat überlebt.
Wilhelm Heinrich ist am 18.12.1916 in Breslau geboren. Seit 1940 war er in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau, Lingen/Ems, Neuengamme und Auschwitz. Dort ist er am 25.4.1944 gestorben.
Ludwig wurde am 14.3.1918 in Hamburg geboren. Er war seit 1938 in den Konzentrationslagern Buchenwald, Neuengamme, Dachau und Natzweiler. Er starb am 26.6.1943 im KZ Buchenwald.
Anna Bazura wurde am 28.9.1920 in Herrengossenstedt geboren. Sie hatte drei Kinder und war nach Sinti-Tradition verheiratet. Peter ist mit fünf Jahren in Auschwitz gestorben, Erika ist mit zwei Jahren in Auschwitz gestorben und Monika ist mit einem Jahr in Auschwitz gestorben. Anna kam 1943 ins KZ Auschwitz und starb dort am 25.1.1944.
Willy ist am 19.4.1926 in Remstädt geboren. Er kam mit 14 Jahren in ein katholisches Heim, weil man der Mutter das Sorgerecht entzogen hat. 1941 wurde er ins Jugendschutzlager Moringen deportiert. 1943 wurde er ins KZ Auschwitz verlegt, von dort kam er nach Buchenwald. Seit dieser Zeit gilt er als verschollen.
Artur ist am 22.7.1928 in Berlin geboren. Er kam zusammen 1940 mit seinem Bruder Willy in den katholischen Vincenciusstift. 1943 wurde er ins KZ Auschwitz deportiert und ist dort am 30.5.1944 gestorben.
Recherchen: Evangelische Jugend
Pate: Evangelische Jugend, Erich-Zeigner-Haus e.V., Sabine von Schorlemer
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