Biografie von Gotthold Deufel
Gotthold Friedrich Deufel (1876 bis 1940)
geboren am 18. Mai 1876 in der späteren Erbstetter Straße 2, als Sohn des Stadtbaumeisters Wilhelm Deufel (1841 bis 1917) und dessen Ehefrau Christiane Rosine geb. Kopp (1839 bis 1901) (Trefz)
Gotthold Deufel besuchte die Volksschule in Backnang und wurde als evangelischer Christ in Backnang konfirmiert. Er fand Arbeit als "Kameralamtskandidat", arbeitete also in der unteren staatlichen Finanzbehörde.
Mit 24 Jahren begann sein Leidensweg, der ihn immer wieder in Heilanstalten brachte. 1901 wurde er für drei Tage in die Heilanstalt Tübingen eingewiesen, von der er schon nach drei Tagen als "gebessert " entlassen wurde. Ab Oktober 1902 war er dann zweieinhalb Jahre in der Heilanstalt Winnenden, ab 7.4.1911 auf unbestimmte Zeit.
Die vom Innenministerium auf Grundlage der Meldebögen erstellten Transportlisten wurden dann den Heilanstalten übermittelt. Die Transportlisten waren eigentlich Todeslisten, denn die darauf erfassten Menschen aus dem Südwesten wurden in den berüchtigten grauen Bussen nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb deportiert, wo diese Menschen am gleichen Tag ermordet wurden. Das Todesurteil von Gotthold Deufel war, dass er seit langer Zeit in Heilanstalten lebte und die Kreisfürsorgebehörde Backnang den Aufenthalt finanzierte. Am schwersten wog, dass seine Krankheit - laut einem handschriftlichen Eintrag in der Krankenakte - als "erblich" eingestuft wurde.
Er wurde getötet, weil er nach Ansicht der Nationalsozialisten keinen finanziellen Nutzen für die Gesellschaft mehr darstellte. Gotthold Deufel hatte keinen Kontakt mehr zu seinen Angehörigen. Er wurde am 11.6.1940 zusammen mit 70 weiteren Menschen von der Heilanstalt Winnenden nach Grafeneck deportiert und am selben Tag vergast.
Bernd Hecktor
Quellen:
Bernhard Trefz:"Ungeheilt in eine andere Anstalt verlegt..."- Das tragische Schicksal der Backnanger "Euthanasie" Opfer, in: Backnanger Jahrbuch 2011,hrsg. von Gerhard Fritz und Bernhard Trefz, S 154 - 171, hier: S. 156
Heilanstalt Winnental: "Liste der am 11. Juni 1940 nach Grafeneck Kreis Münsingen verlegten Geisteskranken", im Besitz der Gedenkstätte Grafeneck
Staatsarchiv Ludwigsburg: F 235III, Bü 136
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