Biografie von Wilhelm Feucht
Wilhelm Georg Feucht (1907 bis 1940)
geboren am 15. März 1907 in Backnang als Sohn des „Rösslewirts“ und Metzgermeisters Albert Feucht (1869 bis 1911) und dessen zweiter Frau Anna geb. Engelhardt (1869 bis 1929).
Das "Rössle" in der Stuttgarter Straße 34 beim heutigen Adenauerplatz war eine alteingesessene Wirtschaft und ein beliebter Treffpunkt in Backnang. Hier wuchs Wilhelm Feucht auf, schloss Freundschaften. Er ging in Backnang zur Volksschule und wurde in der Stiftskirche konfirmiert.
Ein schwerer Schlag für die Familie war sicher der frühe Tod des Vaters mit nur 42 Jahren am 11.5.1911. Wilhelm war erst vier Jahre alt.
Wilhelm Feucht macht eine Metzgerlehre und versucht sein Glück ab 1925 als Achtzehnjähriger in Heidelberg. Im selben Jahr noch verläßt er - wie viele seiner Altersgenossen - nach der großen Inflation und der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung trotz vieler antideutscher Ereignisse während des Weltkrieges in den USA (s. Spiegel) Deutschland in Richtung USA und siedelt wahrscheinlich in New York.
Über seine Tätigkeit in den USA ist nichts Weiteres bekannt. Wie viele Auswanderer kehrt er aber nach drei Jahren von New York wieder in die ursprüngliche Heimat zurück. Die Rückwanderung zu der Zeit war nicht ungewöhnlich - viele kehrten in einem Alter zwischen 25 und 30 Jahren zurück - aus wirtschaftlichen oder persönlichen oder emotionalen Gründen (s. Nordsee Zeitung). Offensichtlich hatte er seine deutsche Staatsbürgerschaft behalten.
Nach seiner Rückwanderung wohnt Wilhelm Feucht ab dem 8.10. 1928 wieder im Hause seiner Mutter, diese stirbt jedoch ein Jahr später. Ab dann wohnt er im "Rössle"(Trefz). Er heiratet am 8.9.32 Anna Walz, am 9.1.1933 wird ihr gemeinsamer Sohn geboren. Die Ehe wird 1938 geschieden. Feucht arbeitet Anfang der 30er Jahre als selbständiger Metzgermeister.
Seine dokumentierte Leidenszeit beginnt 1933. Nur wenige Wochen nach der Geburt seines Sohnes wird er am 15.3.1933 zur "Beobachtung" in die Heilanstalt Winnental eingewiesen. Wilhelm Feucht wurde im Rahmen der so genannten Aktion T4 ermordet.
Bernd Hecktor
Quellen:
Bernhard Trefz:"Ungeheilt in eine andere Anstalt verlegt..."- Das tragische Schicksal der Backnanger "Euthanasie" Opfer, in: Backnanger Jahrbuch 2011,hrsg. von Gerhard Fritz und Bernhard Trefz, S 154 - 171
Staatsarchiv Ludwigsburg: F 235III, Bü 187 (Krankenakten, Meldebogen)
http://www.nordsee-zeitung.de/region/bremerhaven_artikel,-Zweimal-aus-den-USA-heimgekehrt-_arid,517837.html, Zugriff am 5.7.13, 13.16
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