Biografie von Dora, Hermann, Arjeh und Tamara Baron
Familie Baron – Tschaikowskistr. 19
Hermann Baron kam Mitte der 1920er Jahre aus Galizien nach Leipzig. Er wurde am 15. November 1893 in Kalusch geboren. Bereits seit 1916 wohnte die Familie seiner älteren Schwester Pepi mit ihren vier Kindern in Leipzig. Ihr Mann Wolf Marienberg und ihr Sohn Isaac (Jg. 1899) führten in Leipzig ein erfolgreiches Rauchwarengeschäft in der Nikolaistraße und Hermann stieg in das Geschäft seines Schwagers ein.
Im Dezember 1928 heiratete Hermann die Tochter seiner Schwester. Dora Marienberg kam am 25. Mai 1902 in Stanislau (Galizien) zur Welt. Onkel und Nichte wohnten nun in der zweiten Etage der damaligen König-Johann-Str. 19. Ihr erstes Kind Josef Leonhard wurde 1930 geboren. Doch der kleine Junge starb knapp 2-jährig an Diphterie. Am 31. Januar 1934 kam Sohn Arjeh und am 13. September 1935 Tochter Tamara zur Welt.
Während einigen Mitgliedern der Marienberg-Familie bereits die Flucht nach Palästina gelang, wird sich das Schicksal der Familien von Hermann und seines Schwagers und Neffen Isaac Marienberg aufs Engste verbinden. Den zionistisch eingestellten Familien gelang eine Flucht nach Palästina nicht, da England als Mandatsmacht keine Einreisevisa mehr vergab.
Als am 28. Oktober 1938 tausende Juden mit polnischem Pass aus Deutschland getrieben wurden (sog. „Polenaktion“), entging Hermann Baron dieser Abschiebung, da er sich gerade auf einer Dienstreise in Schweden befand. Anders sein Schwager Isaac. Mit viel Mühe und Geld gelang im Frühjahr 1939 eine Familienzusammenführung in Krakau. Die Leipziger flohen mal mit dem Zug, mal auf Viehtransportern und mal zu Fuß durch die Dunkelheit der Nacht. In Krakau half ihnen allen ein polnischer Freund durch Kontakte und Bestechung weiter, damit ihre polnischen Pässe aktualisiert werden konnten. Nun wiederum gelang es den Geschwistern von Isaacs Frau Alice, die sich bereits in Lateinamerika befanden, Einreisevisa nach Chile für beide Familien zu besorgen. Am 15. August 1939, kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen und dem Ausbruch des Weltkrieges, erreichten die Flüchtlinge das rettende Ufer von Valparaíso.
Die Fluchtgeschichte der jüdischen Familie Baron zeigt, welch große finanziellen Mittel es für eine Flucht aus Deutschland brauchte, um Bestechungsgelder, Pässe, Visa und Reisen bezahlen zu können. In der Fremde fing man von null an.
Recherchen: Susana Baron (Tochter von Tamara Baron)
Bildquelle: privat
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