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Kluge, Nora

Biografie von Nora Kluge

Nora Kluge – Sasstr. 20

Nora Brantmay wurde am 26. September 1901 in Charlottenburg geboren. Ihre jüdischen Eltern und Großeltern stammten aus Odessa. Nora studierte in Genf Sprachen (Französisch, Latein, Deutsch und Englisch).
Durch die Ehe mit dem nichtjüdischen Jurastudenten Gerhard Kluge (Jg. 1902) kam sie 1926 nach Leipzig. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Liane (Jg. 1929), Angela (Jg. 1932) und Rosmarie (Jg. 1935). Die Familie wohnte in der damaligen Friedrich-Karl-Str. 20.
Entsprechend der nationalsozialistischen „Rassen“-Ideologie wurde die Ehe als sogenannte „Mischehe“ stigmatisiert. Nora Kluge stand demzufolge noch unter einem gewissen „Schutz“ gegenüber den Diskriminierungen der jüdischen Bevölkerung.
1933 promovierte der Gerichtsassessor (Beamter auf Probe) Gerhard Kluge und verfolgte eine Laufbahn als höherer Beamter. Doch wegen seiner „Mischehe“, musste er seine Entlassung einreichen. Es gelang ihm 1934 als Rechtsanwalt zugelassen zu werden. 1939 sollte er diese Zulassung verlieren und Gerhard Kluge ließ sich scheiden. Obwohl Frau Kluge sofort das Sorgerecht für die Töchter entzogen wurde, lebten sie vorerst noch bei ihr. Nachdem Gerd Kluge 1940 wieder heiratete und 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde, nahm er die beiden älteren Töchter Liane und Angela der Mutter weg. Zusammen mit seiner neuen Ehefrau wurden die Mädchen nun im nationalsozialistischen Sinne erzogen.
Nora Kluge musste mit ihrem jüngsten Kind Rosmarie in die Kellerwohnung ziehen und Zwangsarbeit als Lumpensortiererin leisten. Anfang 1944 begannen auch die Transporte von jüdischen Menschen aus nicht mehr bestehenden „Mischehen“ nach Theresienstadt.
Am 14. Februar 1945 deportierte man Nora Kluge in das Ghetto Theresienstadt. Zuvor setzte sie noch die 9-jährige Rosmarie allein in einen Zug von Leipzig zu Verwandten ins Vogtland.
Am 8. Mai 1945 befreite die sowjetische Armee die Menschen in Theresienstadt. Im Lager grassierten Infektionskrankheiten wie z.B. Typhus und die sowjetischen Militärärzte suchten Menschen, die die russische Sprache beherrschten und dolmetschen könnten. So half Nora Kluge noch acht lange Wochen mit Sprachkenntnissen und Pflege, bis sich die epidemische Lage in Theresienstadt entspannte.
Zurück in der Freiheit bekam sie mit Hilfe der amerikanischen Besatzungsmacht das Sorgerecht für ihre Kinder zurück.
Noch heute ist der 8. Mai für die nachgeborene Familie ein gemeinsamer „Familientag“, um an Nora Kluge zu erinnern.

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