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Axe, Walter und Axel

Biografie von Walter und Axel Axe

Otto Axel und Walter Axe
Die Brüder Otto Axel und Walter Axe wohnten mit ihrer Schwester Helene (Jg. 1900) seit 1928 in der damaligen Friedrich-Karl-Str. 52. Ihre Kindheit verlebten die insgesamt fünf Geschwister in Leipzig-Plagwitz. Axel wurde am 27.1.1901 geboren und Walter am 19.4.1902. Ihre Eltern trennten sich bereits 1916 und ein weiterer Schicksalsschlag folgte 1921, als ihre älteste Schwester Margarethe im Alter von 22 Jahren starb.
Axel Axe war von Beruf technischer Kaufmann. Von 1907 bis 1916 besuchte er die Höhere
Bürgerschule bis zur Oberklasse. In den Jahren 1917/18 absolvierte er eine Ausbildung an der Pharmazeutische Fachschule Leipzig. Walter arbeitete nach der Schule ab 1916 bis 1931 als Handlungsgehilfe. Danach war er arbeitslos gemeldet.

Seit 1924 besuchte Walter Axe die Zusammenkünfte der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung (IBV). Zwei Jahre später trat er aus der evangelischen Kirche aus und ließ sich 1926 laut der späteren Anklageschrift des Sondergerichts Freiberg als Bibelforscher taufen, wie Jehovas Zeugen bis 1931 hießen. Nachdem Jehovas Zeugen am 18.04.1933 in Sachsen verboten wurden, leitete er Leipziger Treffen mit anderen Glaubensangehörigen. Außerdem betreute er andere Gruppen von Glaubensangehörigen und führte in Privatwohnungen so genannte „Auferbauungsstunden“ durch. Als Zeuge Jehovas verweigerte Walter Axe in der Nazizeit den Hitlergruß, die Mitgliedschaft in der Arbeitsfront und den Wehrdienst. Im Mai 1936 wurde er festgenommen und er kam in Untersuchungshaft. Das Sondergericht Freiberg verurteilte ihn im Mai 1937 zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren Haft. Die ersten drei Monate kam er ins Gefängnis Bautzen. Ab Oktober 1937 verbüßte er die noch verbliebenen 17 Monate im KZ Neusustrum (Lager V) im Emsland. Nach seiner Befreiung 1945 sprach er von „menschenunwürdiger Behandlung“, die ihm dort widerfuhr. Nach seiner verbüßten Haftstrafe im Mai 1939 kam Walter Axe nicht frei, sondern direkt im Anschluss in Gestapo-Schutzhaft in Leipzig. Ende Juni 1939 brachte man ihn in das KZ Buchenwald. Ebenfalls überliefert ist diese Aussage: „In Buchenwald war ich drei Monate in der Strafkompanie – jeden Sonntag ohne Mittagsmahlzeit, keine Briefe, keine Post. Mehrmals erlebte ich Todesdrohungen“. Hier traf er u.a. auf seinen Glaubensbruder Karl Siebeneichler (siehe Stolperstein in der Trötzschelstr. 2). Walter Axe musste in verschiedenen Kommandos des Konzentrationslagers arbeiten. So gehörte er u.a. einem „Bergungstrupp“ von 200 Häftlingen an, die nach Bombenangriffen Trümmer räumten und Leichen bergen mussten.

Trotz der grausamen Zustände und seiner geschwächten Gesundheit hielt Walter Axe an seinem Glaubensbekenntnis fest. Auf einem Brief vom 10. August 1944, den er an seine Schwester Helene sendete, ist folgender Vermerk der Kommandantur zu lesen: „Der Schutzhäftling ist nach wie vor hartnäckiger Bibelforscher und weigert sich, von der Irrlehre der Bibelforscher abzulassen. Aus diesem Grunde ist ihm lediglich die Erleichterung, den sonst zulässigen Briefverkehr zu pflegen, genommen worden.“ Walter Axe darf nur wenige Zeilen nach Hause schreiben: „Von Leipzigs Zerstörungen habe ich vieles gehört. Wohnung und Inventar ist nicht das Wesentliche, sondern das Leben! Bleibt gesund!“

Nach neun Jahren Haft erlebte Walter Axe am 11.04.1945 die Befreiung durch die US-amerikanischen Truppen und kehrt im Mai 1945 aus dem KZ Buchenwald nach Leipzig
zurück. Nach seiner Haft musste er erfahren, dass sein befreundeter Nachbar und Glaubensbruder Otto Keil wegen Wehrdienstverweigerung 1941 hingerichtet worden ist (siehe Stolperstein in der Corinthstraße 9). Sie wurden 1936 am selben Tag verhaftet. Die Verfolgung endete jedoch nicht. Als 1950 auch in der DDR Jehovas Zeugen verboten wurden, flüchtete Walter Axe nach Westdeutschland.

Währenddessen wurde sein Bruder Otto Axel Axe 1918 im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal straffällig. Es gibt keine Hinweise, dass auch er ein Bibelforscher oder Zeuge Jehovas war. Axel Axe kommt in den Folgejahren immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. In dem „Fragebogen für Häftlinge“ des KZ Natzweiler gab er 1943 an, bis 1937 dreizehn Geldstrafen und Umwandlungen in gemeinnützige Arbeit erhalten zu haben.

Seit dem 18.10.1938 befand sich Axel Axe in so genannter „Sicherheitsverwahrung“. Das hieß, verurteilte Personen blieben über ihre Strafdauer hinaus in Haft. Dieses Instrument führten die Nationalsozialisten bereits im Jahr der Machtergreifung 1933 mit dem Gewohnheitsverbrechergesetz ein. Sie sprachen damit bestimmten straffällig gewordenen Personen die Fähigkeit ab, sich wieder in die Gesellschaft integrieren zu können. Die Nationalsozialisten stützten sich dabei häufig auf kriminalbiologische Vermutungen, dass sich „Verbrecher“ – genetisch bedingt – nicht bessern können. Die Justiz übergab ab 1942 alle Sicherungsverwahrten, als „asozial“ stigmatisierte und andere Gefangenengruppen an die SS. Denn laut einer Abmachung zwischen Justiz und SS (Himmler-Thierack- Abkommen) sollten diese Menschen in Konzentrationslagern mittels „Vernichtung durch Arbeit“ sterben, um einer „erbbiologischen Schwächung der Volksgemeinschaft“ vorzubeugen.

So wurde Axel Axe am 05.01.1943 ins KZ Natzweiler im besetzten französischen Elsass als sogenannter „Berufsverbrecher“ (B.V.) eingeliefert. Bis Anfang 1943 saß er wegen Betrugs und Unterschlagungen insgesamt fünf Jahre im Gefängnis bzw. Zuchthaus. Die „BV-ler“ mussten zur Kennzeichnung einen grünen Winkel an ihrer Häftlingskleidung tragen. Am Abend des 27.2.1943 kam Axel Axe (42 Jahre) mit Herzanfällen in den Häftlingskrankenbau. Um 2.15 Uhr am 1.3.1943 kommt er ums Leben. Sein Tod in Folge einer „Vorhoflähmung nach stenokardischer Attacke“ wurde durch den SS-Lagerarzt Max Blancke beurkundet.

Recherchen: Steffie Schmalz, Knut Mahn

Patenschaft: Steffie Schmalz und Knut Mahn sowie Eva Fischer und Frank Nonnenmacher

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