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Bardfeld, Rebecca

Biografie von Rebecca Bardfeld

Rebecca Bardfeld – Löhrstr. 15

Rebecca Bardfeld, eine geborene Werblowski, kam am 2. November 1883 in Leipzig zur Welt. Über ihre Herkunft, Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.
Rebecca war mit Osias Bardfeld, der aus Galizien stammte, verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Greta (Jg. 1910), Hildegard (Jg. 1912) und Wolfgang (Jg. 1917). Osias starb vermutlich durch einen Unfall bereits 1930. War das Auskommen der Familie bis dahin schon recht bescheiden, so verschärfte sich die wirtschaftliche Situation nun nochmals. Trotzdem gelang es allen drei Kindern, noch vor dem mörderischen Zugriff der Nazis, ins Ausland zu fliehen. Ihre Enkelin (Tochter von Wolfram) resümierte in einer Korrespondenz mit der AG Stolpersteine: „Ich liebe und respektiere Rebecca, weil sie es mit sehr wenig Geld geschafft hat, alle ihre drei Kinder zu befreien, damit sie sich ein neues Leben aufbauen konnten. Sie förderte sie, ohne an sich selbst zu denken.“*
Mitte der 1930er Jahre gelang es Greta und ihrem Mann, nach Uruguay zu gehen. Hildegard und ihr Mann verließen 1937 oder 1938 Deutschland in Richtung Neapel. Hier warteten sie auf ein Visum in die USA. Bis zum Juni 1940, als die Flucht gelang, hielten sie sich mit Hilfsarbeiten in Italien über Wasser. Wolfgang schloss sich der Hachschara-Bewegung an. Nachdem er 1937 in Köln einen ersten Vorbereitungslehrgang absolvierte, gelang im Juni 1938 die Flucht nach Dänemark. Er gehörte im Oktober 1943 mit seiner gerade eben gegründeten Familie zu den nach Schweden geretteten jüdischen Menschen.
Die überlieferten Briefe an Wolfgang vermitteln einen Eindruck über den großen familiären Zusammenhalt und die Sorge um die Mutter. Im Februar 1940 schrieb Hildegard aus Mailand an ihren Bruder: „Ja, ja unsere Olle macht mir viel Sorgen. Aber wir wollen uns gern sorgen, wenn wir sie nur schon hier hätten, was wäre ich froh.“**
Rebecca Bardfeld blieb in Leipzig. Die Hoffnung, sie nach 1940 ebenfalls in die USA holen zu können, erfüllte sich nicht. Am 28. Oktober 1938, dem Tag der Massenabschiebung polnischer Jüdinnen und Juden nach Polen (sog. „Polenaktion“) gehörte sie zu den Menschen, die im polnischen Konsulat in Leipzig Zuflucht fanden. Frau Bardfeld war auf ärztliche Hilfe angewiesen. Sie war zuckerkrank und brauchte Insulin. Doch eine adäquate Krankenversorgung war spätestens mit der Zwangsräumung des Jüdischen Krankenhauses im Dezember 1939 kaum mehr möglich. Hochwertige Medikamente, darunter auch Insulin, mussten abgegeben werden. Im Haus B und D der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen befanden sich nun die Reste eines jüdischen Krankenhauses. Hier starb Rebecca Bardfeld (58 Jahre) am 5. Februar 1941.
Ihre jüngere Schwester Charlotte Werblowski schrieb am selben Tag an Wolfgang: „Mein liebes Wölfchen, leider muss ich Dir die traurige Mitteilung machen, dass Mama heute 5 Minuten vor 5 Uhr sanft entschlafen ist. Sie musste am Sonnabend [1.2.1941] plötzlich wegen Herzmuskelentzündung in unser Krankenhaus. […] Ich habe in den letzten Monaten viel mit ihr durchmachen müssen.“**

* E-Mail, November 2022
** Familienunterlagen - Rebecca Bardfeld unterschrieb ihre Post oft mit „Deine olle Ma“

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