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Familie Müller, Lauchröder Str. 2 (Teil 2)

Biografie von Johanna Rosenbaum, geb. Müller, Simon Müller, Fanny Nathan, geb. Müller und Minna Müller, geb. Lazarus

Teil 2:
Vorbemerkungen, siehe auch Teil 1.

Im Folgenden werden die fünf Kinder des Lohgerbers Salomon Müller und seiner Ehefrau Jettchen, geb. Goldschmidt aufgeführt, die im Haus Lauchröder Str. 2 geboren sind. Salomon (*1835) ist das fünfte Kind von Aaron Segal Müller (*1794) & Frommet Schwarz, der als erste Sohn von Salomon Segal ben Aaron Müller (*1762), also des Ur-Vaters der Herleshäuser Müller-Familien, geboren wird.

JOHANNA (HANNCHEN) ROSENBAUM, geb. Müller
Johanna wird am 31.03.1865 im Haus-Nr. 72 (später: Lauchröder Str. 2) geboren. Sie heiratet 1904 Jacob Rosenbaum aus Harmuthsachsen, der 1935 dort verstorben ist. Im Gedenkbuch der Stadt Kassel ist zu lesen, dass Johanna 1939 nach Kassel zunächst in die Bahnhofstraße, später in die Landauer Str. und im Jan. 1942 in die Mittelgasse 53*) gezogen ist. Dort wohnt sie zuletzt bei ihrer Schwester Minna. Ob Johanna Kinder hatte, ist nicht bekannt.
Johanna Rosenbaum wird im Sept. 1942 von Kassel aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort bringt man sie am 29. Sept. 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie ermordet wird.

MINNA LAZARUS, geb. Müller
Minna ist am 15.08.1871 in Herleshausen geboren. Sie ist die Schwester von Hannchen Rosenbaum. Minna heiratet 1900 den aus Oberwerba, Kreis Frankenberg, stammenden Handelsmann Markus Lazarus, der zu dieser Zeit verwitwet ist und in Kassel wohnt. Nach dem Gedenkbuch der Stadt Kassel wohnt Johanna 1939 in Kassel zunächst in die Bahnhofstraße 9 und zieht im Nov. 1941 in die Mittelgasse 53*). Dort ist zuletzt auch ihre Schwester Hannchen eingewiesen. Ihr Sohn Harry geboren 1911 in Kassel, ist Schlosser. Er emigriert bereits 1928 nach New York. Minna Lazarus wird mit ihrem Ehemann und ihrer Schwester Johanna am 7. Sept. 1942 von Kassel aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihr Ehemann ist dort noch verstorben. Minna bringt man am 29. Sept. 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie ermordet wird.

*) Das Gebäude Mittelgasse 53 in Kassel war ein sogenanntes „Judenhaus“ (damals auch „Ghetto-Haus“ genannt), in das ausschließlich jüdische Mieter und Untermieter zwangsweise eingewiesen wurden.

ARON ADOLF MÜLLER
geb. am 13.10.1874; über ihn wird im Teil 3 berichtet.

SIMON MÜLLER („Hosen-Müller“)
Simon ist am 18.06.1878 in Herleshausen, Lauchröder Str. 2, geboren. Er ist mit Flora, geb. Kahn, aus Ober-Ingelheim, Landkreis Mainz-Bingen verheiratet. Gemeinsam wohnen sie in Düsseldorf bzw. Duisburg, wo Simon mit seiner Frau ein Spezialgeschäft für Hosen, Joppen, Berufskleidung und Herrenwäsche führt. Bekannt ist Simon dadurch auch unter dem Namen „Hosen-Müller“. Die Eheleute führen außerdem in der Düsseldorfer Altstadt ein Hutgeschäft. Simon Müller „verabschiedet“ sich bereits mit einem Schreiben vom 22.07.1938 an seine Kunden: „Hiermit erlaube ich mir, Sie zum Besuch meines diesjährigen Sommer-Schluß-Verkaufs einzuladen, da mein Geschäft in Kürze in andere Hände übergeht oder ausverkauft wird. […] Daß mir der Abschied von meinem schönen, volkstümlichen Geschäft, welches ich in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit aufgebaut habe, schmerzlich ist, werden alle verstehen, die meine Firma kennen.“ Er ahnt wohl schon, was ihm bevorsteht, denn er schließt seine Einladung mit den Worten: „… Falls Sie wegen Mangel an Bedarf oder sonst wie verhindert sind zu kommen, sage ich Ihnen hiermit auf diesem Wege verbindlichen Dank und herzlichst Lebewohl, Ihnen alles Gute wünschend mit bester Empfehlung. S. Müller“ In der Reichspogromnacht 1938 werden seine Geschäftsräume komplett demoliert. Die Eheleute Müller ziehen daraufhin zu Floras Bruder nach Duisburg. Flora und Simon haben drei Kinder, Hans wird 1907 in Neunkirchen, geboren. Er steht nicht im Gedenkbuch des Bundesarchivs. Sohn Walter, geboren 1908 und Tochter Grete, geboren 1910, fliehen 1939 nach Bolivien. Simon Müller wird mit seiner Ehefrau am 11.12.1941 von Düsseldorf aus in das Ghetto Riga deportiert. Beide werden dort ermordet und später per Gerichtsbeschluss „für tot“ erklärt.

FANNY NATHAN, geb. Müller
Fanny ist am 27.06.1880 in Herleshausen, Lauchröder Str. 2, geboren. Sie ist als Köchin, bzw. Haushälterin, tätig. Sie wohnt 1903 in Kassel und ab März 1907 in Hamburg. Im Januar 1908 heiratet sie in Essen den verwitweten Bäckermeister Samuel Franz Nathan. Wir wissen nicht, was sich in ihrer Ehe ereignet hat, jedenfalls kehrt Fanny nach nur 13 Monaten am 30.04.1909 alleine nach Hamburg zurück, wo seit 2019 vor dem Haus Bismarckstraße 54 ein Stolperstein an sie erinnert. Fanny wird am 6. Dez. 1941 von Hamburg aus nach Riga-Jungfernhof deportiert, ein Außenlager des Ghettos Riga. Dort verliert sich ihre Spur. Fanny hat keine Kinder.

Die Stolpersteine, die an das Schicksal von Johanna, Minna, Fanny und Simon erinnern, wurden am 02.06.2023 verlegt.

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Quellen & Impressum

WERRATALVEREIN, Zweigverein Südringgau e.V., Herleshausen

ARBEITSKREIS "Stolpersteine Herleshausen und Nesselröden"
HELMUT SCHMIDT, Vorsitzender
Nordstraße 12, 37293 Herleshausen
Telefon: 05654 1010, E-Mail: helmut@schmidt-hlh.de
MARKUS MÜLLER, Mitarbeit
E-Mail: wtv.srgg.medien@mailbox.org