Biografie von Emma Eichenberg, geb. Müller und Feitel / Ferdinand Müller
Teil 1:
VORBEMERKUNGEN
Salomon Segal ben Aaron (Müller) geboren 1762 in Stadtlengsfeld, war verheiratet mit Hannchen Peretz Jacobie Schulhaus, geboren 1761 in Herleshausen. Sie hatten vier Söhne: Aaron Segal (1794-1830), Jakob (1798-1884), Feidel (1801-1881), Simon (1803-1874) und eine Tochter: Dina (1805-1868). Bis auf Dina (verh.: Strauß) sind alle in Herleshausen gestorben. Sie sind somit die Ur-Eltern der großen jüdischen Müller-Familie in Herleshausen. Salomons Grabstein befand sich auf dem hinteren Teil des um 1804 entstandenen jüdischen Friedhofs in Herleshausen, der um 1944 „abgeräumt“ wurde, um Platz für die im nahen „Seuchenlager“ der deutschen Wehrmacht an Tuberkulose erkrankten sowjetischen Kriegsgefangenen zu schaffen. Der Zufall wollte es, dass um 1980 im angrenzenden Waldgebiet unter einem Steinhaufen ein großer, nahezu unversehrter Grabstein gefunden und am hinteren Zaun des Judenfriedhofes wieder aufgestellt wurde. 2008 half Prof. Dr. Klaus Werner vom jüdischen Landesverband Hessen, die Inschrift des Grabsteins zu entziffern, der später dankenswerter Weise anhand des von Eric Brück, Frankfurt/M., erstellten umfassenden Stammbaumes der Müller-Familie zugordnet werden konnte. Auch Eric Brück hat in der Müller-Familie seine Wurzeln (siehe: Medien).
Am 02.06.2023 wurden in Herleshausen die letzten von insgesamt 85 Stolpersteinen (zuzüglich 38 im Ortsteil Nesselröden, ehem. selbstständige jüdische Synagogengemeinde) verlegt, davon allein 14 vor dem um 1980 abgebrochenen Haus des „Judenbäckers“ Adolf Aron Müller in der Lauchröder Straße 2. Um einen Überblick zu bekommen, ist in den folgenden „Medien“ ein Foto der verlegten Stolpersteine eingefügt.
EMMA EICHENBERG, geb. Müller
ist am 24.08.1867 als drittes Kind des Viehhändlers Levi Müller und dessen Ehefrau Breinchen, geb. Linz (gebürtig aus Rotenburg/Fulda) in Herleshausen geboren. Ihre Großeltern waren Aron Segal Müller, geboren 1794, verheiratet mit Frommet Schwarz, ihr Urgroßvater somit der oben genannte Salomon Segal ben Aaron Müller (1762-1829). Emma ist sowohl eine Cousine von Ferdinand Feitel Müller als auch vom „Judenbäcker“ Aaron Adolf Müller und seinen Geschwistern. Bei ihrer Heirat im Jahre 1892 wohnt Emma mit ihren Eltern und ihren ebenfalls in Herleshausen geborenen Brüdern Albin und Salomon bereits in Eisenach. Emma zieht zu ihren Ehemann Isaak Eichenberg nach Eschwege, der gebürtig aus Reichensachsen stammt. Im Mai 1892 wird ihr Sohn Ludwig geboren, der 1919 nach Berlin gezogen ist. Ihre Tochter Margarethe, geboren 1898, wird im Januar 1943 mit ihrem Ehemann Richard Rothenberg in Auschwitz ermordet. Sohn Ernst Meyer Eichenberg, geb. 1902, ist Inhaber des Textilgeschäftes Meyer Eichenberg in Eschwege. Emma, die seit 31.12.1924 verwitwet ist, zieht im Frühjahr 1939 zu ihrem Sohn Ernst Meyer nach Wuppertal, der noch im Sept. 1939 mit seiner Frau und einem Kind nach Palästina flüchteten kann. Emma wird am 21.07.1942 ab Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 21.09.1942 wird sie im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
FERDINAND FEITEL MÜLLER
ist am 09.12.1869 als viertes Kind der Eheleute Feidel Müller und Hannchen Sonder (gebürtig aus Stadtlengsfeld) in Herleshausen geboren. Ferdinand ist ebenfalls ein Cousin vom Bäcker Aaron Adolf Müller und seinen Geschwistern, als auch von Emma Eichenberg, geb. Müller. Mithin ist auch sein Urgroßvater Salomon Segal ben Aron Müller (1762-1829). Ferdinand ist vermutlich um 1918 von Herleshausen nach Eisenach verzogen, wo er nach den dortigen Adressbüchern in der Kapellenstr. 4 und ab 1934 in der Hospitalstr. 1 wohnt. Als Beruf ist „Viehkommissionär“ eingetragen. Ferdinand ist verheiratet mit Rosa Löwenstein, geb. 1869 in Gehaus/Thüringen, sie stirbt im Dez. 1939 in Eisenach. Ferdinands Schwester ist Emma Ester Katz, geb. Müller (siehe Bahnhofstraße 25). Ferdinand Feitel Müller wird am 20. Sept. 1942 von Eisenach aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 21. April 1944 ermordet wird.
Da für beide die letzte Wohnadressen in Herleshausen nicht ermittelt werden konnte, wurden ihre Stolpersteine am 02.06.2023 in der Lauchröder Str. 2 verlegt.
Medien
Fotos
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Simon Müller (Jg.1878)< 10 m
Aaron Adolf Müller (Jg.1874)< 10 m
Samuel Max Müller (Jg.1907)< 10 m
Ida Goldschmidt, geb. Neuhaus (Jg.1881)30 m
Isaak Carlebach (Jg.1928)30 m
Baruch / Bernhard Neuhaus (Jg.1869)30 m
Quellen & Impressum
WERRATALVEREIN, Zweigverein Südringgau e.V., Herleshausen
ARBEITSKREIS "Stolpersteine Herleshausen und Nesselröden"
HELMUT SCHMIDT, Vorsitzender
Nordstraße 12, 37293 Herleshausen
Telefon: 05654 1010, E-Mail: helmut@schmidt-hlh.de
MARKUS MÜLLER, Mitarbeit
E-Mail: wtv.srgg.medien@mailbox.org